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Schriftstellerin mit Mundart-Faible

Wilma Herzog ist Heimat- und Mundartschriftstellerin und in Gerolstein daheim. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Wilma Herzog ist Heimat- und Mundartschriftstellerin und in Gerolstein daheim. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Gerolstein. Lieblingsthema: Gerolstein, Lieblingssprache: Mundart. Von der Heimatschriftstellerin und Mundartexpertin Wilma Herzog ist hier die Rede, die von ihren 78 Lebensjahren zwölf in New York verbrachte und durch ein Schlüsselerlebnis in der Ferne das Jirrelsteener Platt als Sprache des Herzens erkannte. Brigitte Bettscheider

Gerolstein. Wenn Wilma Herzog während ihres Lebensabschnitts in den USA (1958 bis 1970) mit ihrer Mutter in Gerolstein telefonieren wollte, rief sie bei deren Nachbarn an und bat sie, die Mutter zu einer vereinbarten Zeit ans Telefon zu holen.
Einmal habe sie gegen Mittag mit ihrer Mutter gesprochen, erzählt Wilma Herzog. Da habe diese sich mitten im Gespräch an ihre Hausfrauenpflicht erinnert und ausgerufen: "Oh Jesses, esch mooß doch de Schrompere opstelle!"
Ein einziger Satz über eine alltägliche Arbeit. Was ihn aber für die Auswanderin so wert- und bedeutungsvoll machte, war die Mundartverwendung. "Meine Eltern haben zwar miteinander nur platt gesprochen", erklärt Wilma Herzog. Mit ihr und den beiden Geschwistern allerdings sprachen sie Hochdeutsch - "damit wir es in der Schule einfacher hätten", sagt sie, wohl wissend, dass das so nicht stimmt.

Längst sei erwiesen, dass mundartsprechende Kinder über einen besonders großen und reichen Wortschatz verfügten. "Sie wachsen ja zweisprachig auf", betont Wilma Herzog und wendet sich noch einmal jenem legendären Telefonat mit ihrer Mutter zu. "Der Ausruf meiner Mutter berührte mich zutiefst. Dabei war mir bis dahin gar nicht bewusst, dass ich so eine enge Verbindung zur Mundart hatte", erinnert sie sich.
Doch das änderte sich rasch, als sie mit ihrem Ehemann Joseph Florio und ihrer Tochter Ingrid zurück nach Gerolstein kam und ein Haus im "Baumgarten" baute, wo sie heute mit ihrem zweiten Ehemann Heinz lebt.
Konzept für Wettbewerb


Herzog verfasste seither Dutzende von Mundartgedichten und -geschichten, die Preise erhielten und im Rundfunk, in Zeitschriften, Heimatkalendern und Jahrbüchern veröffentlicht wurden. Von ihr stammt das Bändchen "Spaß äm Platt" aus der Reihe "Stimmen der Landschaft". Ihre Mundarttexte wurden bei Anruf beim Trierer Kulturtelefon abgespielt, ihr Theaterstück "Dat nejmodisch Dier" von Jugendlichen auf der Bühne aufgeführt. Sie entwickelte das Konzept für den alljährlich für Schüler des Landkreises Vulkaneifel veranstalteten Mundartwettbewerb.
"Echtes Moselfränkisch wird in so vielen klangvollen Variationen gesprochen, wie es Ortschaften gibt", sagt Herzog. Eine Abfuhr erteilt sie dem "mundartlich aromatisierten Hochdeutsch" ("mit Streifen"). Und der Mundart drohe Gefahr, wenn sie im Karneval für derbe Späße in die Bütt gezerrt werde oder als Bauerndichtung nach der "Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Methode" daherkomme. Die Mundart besitze uralte Wörter, die es im Hochdeutschen nicht gebe sowie eine eigene Satzstellung, sagt Wilma Herzog. Echte Kostproben - siehe Extra!Extra

O ch en kleen Axt heit en schruße Boom em. Auch eine kleine Axt haut einen großen Baum um. Bedd fir Zefriddenheet, dann häss dou alles. Bete um Zufrie denheit, dann hast Du alles. Eeje Schrompere sen besser wie jelihnt W uuscht. Eigene Kartoffeln sind besser als geborgte Wurst. Wenn dr Dejwel et well ersteckt mr änner Meck. Wenn der Teufel es will, erstickt man an einer Mücke. Fir en Hongreje os e jebroode Hohn de schiinste Vuel. Für einen Hungrigen ist ein gebratenes Huhn der schönste Vogel. Watt e Jeleck, datt Dommheet keene Kropp mischt! Welch ein Glück, dass Dummheit keinen Kropf verursacht! Pärd, die dn Hawer verdeene, kreijen \\'n net. Pferde, die den Hafer verdienen, bekommen ihn nicht. Besser en kleene Här senn wie en schruuße Knäächt. Besser ein kleiner Herr sein als ein großer Knecht. En Foule schw eeßt alt ih dad\\'n äjefangen hä t ze schaffe. Ein Fauler schwitzt schon, bevor er anfängt zu schaffen. Erischt wenn e n jot Motter de Oore zo mischt, john die vän hirre Konner op. Erst wenn eine gute Mutter die Augen schließt, gehen die von ihren Kindern auf. Et oss liischder em Esel et Sanctus-Songe bej ze bränge wie en Mensch vän sengem Laster aafzehaale. Es ist leichter einem Esel das Sanctus-Singen beizubringen, als einen Menschen von seinem Laster abzuhalten. Wenn dou em Biesen de Jacke jiss, mooß de baal de Botz noliwwere. Wenn du einem Bösen die Jacke gibst, musst du bald die Hose nachliefern. Wän de Nas ze hih reckt, stolpert schwenn. Wer die Nase zu hoch reckt, stolpert schnell. Nejd hät e Schaaf voll feinster Verkleedonge. Neid hat einen Schrank voll feinster Verkleidungen. bb