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Schule
Schüler beeindrucken mit außergewöhnlicher Aufführung

Beindrucken: Can (Marcin Janipour) mit Andri (Alysha Molitor).
Beindrucken: Can (Marcin Janipour) mit Andri (Alysha Molitor). FOTO: Jan Loewe / TV
Daun. Der Leistungskurs Deutsch am Thomas-Morus-Gymnasium führt das Stück „Andorra“ von Max Frisch auf, das wieder hochaktuell ist.

(red) Das Stück „Andorra“ von Max Frisch stammt aus dem Jahr 1961. Dennoch ist es nach wie vor  hochaktuell, heißt es in einer Pressemitteilung des Thomas-Morus-Gymnasiums zu der Aufführung des Leistungskurses Deutsch. Diese These haben nun 16  Schüler des Leistungskurses Deutsch der 11. Klasse mit einer ideenreichen, Frischs Stück sozusagen auffrischenden Inszenierung bewiesen, die sie mit viel Spielfreude im gut gefüllten Forum Daun präsentierten.

Die Handlung um den jungen Andri, der von Menschen, die sich für besser als andere halten, zum Juden gemacht wird, der die jüdische Identität letztlich annimmt und getötet wird, ist auf Wesentliches gekürzt. Anstatt Frischs Theaterstück in zwölf Bildern in allen Facetten zu zeigen, wird das Stück immer wieder unterbrochen: Ein Darsteller, ein Heft in der Hand, tritt aus seiner Rolle an den Bühnenrand und rezitiert entweder einen eigenen Text als Poetry-Slam oder zitiert zum Beispiel Büchners „Märchen der Großmutter“.

Jedes Mal werden Probleme des Ich, beziehungsweise der Identität, in verdichteter Weise konkret. Offenbar ist es ein wesentliches Ziel, den Modell-Charakter des Stückes im wahrsten Wortsinn in den Vordergrund zu rücken, was den jungen Darstellern in sehr eindrücklicher Weise gelingt.

Während Frisch die Problematik um die  Wirkweise von Vorurteilen und Stigmatisierung  am Antisemitismus veranschaulicht, legt diese Aufführung unter der Leitung von Felicia Lauer und Maria Gaul den Fokus auch auf andere, die Gesellschaft in Atem haltende, die Menschenwürde verletzende Situationen. Es geht um Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, es geht um Ausgrenzung von Randgruppen und um Antisemitismus. – Das ist alles sehr aktuell und mündet – geradezu klassisch – am Ende in einen Chor, der den Zuschauer im Refrain dazu auffordert, Nein zu sagen, sobald er solch menschenunwürdigem Verhalten begegnet.

Spannender kann Theater nicht sein.

Die Spannung auf der Bühne, erzeugt von durchweg äußerst diszipliniert agierenden Darstellern, unter denen das Spiel von Tabea Leuschen als Andris Halbschwester Barblin besticht, erfasst den Zuschauerraum, aus dem während der knapp eineinhalb Stunden kaum ein Laut zu hören ist. Dreimal ist man geradezu froh, kurz ‚ent-spannen‘ zu können, indem man Szenenapplaus spendet, nachdem Alysha Molitors Gesang zu hören war.

Am Schluss erheben sich fast alle Zuschauer. Mit nach Hause nimmt man   ein außergewöhnliches Theatererlebnis und ein von den   Schülern gestaltetes Programmheft, das alles enthält, was man bisweilen im professionellen Theater vermisst, heißt es abschließend.

Der Doktor (Leif Loewe) redet auf Barblin (Tabea Leuschen) ein.
Der Doktor (Leif Loewe) redet auf Barblin (Tabea Leuschen) ein. FOTO: Robert Hötzel / TV