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Sprachreise, zweite Heimat inclusive

Von Berührungsängsten keine Spur: Pater Octave Ugireshebuja aus Ruanda und die siebenjährige Franziska aus Kellberg.Foto: Brigitte Bettscheider
Von Berührungsängsten keine Spur: Pater Octave Ugireshebuja aus Ruanda und die siebenjährige Franziska aus Kellberg.Foto: Brigitte Bettscheider
KIRCHWEILER/KELBERG. Der Jesuitenpater Octave Ugireshebuja ist seit 32 Jahren mit der Pfarrei Kirchweiler und der Familie Kaiser verbunden. Bei seinem jüngsten Besuch sprach er mit dem TV über "sein Dorf" Kirchweiler und die Arbeit in seinem Heimatland Ruanda. ARRAY(0x9b14c6a8)

Die siebenjährige Franziska erzählt Pater Octave gerade eine Geschichte aus einem lustigen Kinderbuch. Der Priester aus Ruanda ist zu Besuch in Kelberg, bei der Familie des aus Kirchweiler stammenden Arztes Raimund Kaiser. Der Pater hat seine Schreibutensilien zur Seite gelegt und hört dem Kind aufmerksam zu.Vom Bahnhof zur Christmette

Octave lacht schallend über die Pointe und beginnt zu erzählen: Wie er als junger Geistlicher an Heiligabend 1972 bei Schnee und Eis auf dem Bahnhof Gerolstein ankam und nach Kirchweiler gebracht wurde. Dort erklärte man ihn kurzerhand zum Zelebranten der Christmette, und später in der Sakristei lernte er Franziskas Opa Jakob Kaiser kennen. "Als ich Anfang Januar wegfuhr, war Kirchweiler mein Dorf", erinnert sich der heute 66-jährige Octave. Er stammt aus einem ruandischen Dorf an der Grenze zu Zaire, ist in einer großen christlichen Familie aufgewachsen. Die Kirche war nur einen Kilometer entfernt vom Elternhaus - für afrikanische Verhältnisse ein Glücksfall. Ab dem 14. Lebensjahr besuchte er eine Schule, die ihn auf das Priesterseminar vorbereitete. Mit 21 Jahren schloss er sich der "Gesellschaft Jesu", den Jesuiten, an. Er studierte Theologie und Philosophie im belgischen Löwen, sein Diplom und seinen Doktortitel machte er in Rom. Im Jahr 1970 wurde er in Ruanda zum Priester geweiht. Als er 1971 zu Studienzwecken in Rom war, wünschte er sich, zur Verbesserung seiner Deutschkenntnisse für ein paar Wochen in einer deutschen Pfarrei zu arbeiten. "Ich wollte am liebsten in eine große Stadt", erzählt Pater Octave. Doch der Kölner Jesuitenpater Ernst Schellhoff vermittelte seinen Schützling in die ihm bekannte Eifelpfarrei Kirchweiler. Dort war Johannes Batteux Pastor, und der war es auch, der Octave an jenem Heiligabend in Empfang nahm. Während des Studienaufenthalts in Rom kam der junge Priester so oft wie möglich nach Kirchweiler, später wurden die Abstände seiner Besuche aus beruflichen Gründen größer. Der Tod von Pastor Batteux sei für ihn ein schwerer persönlicher Verlust gewesen, sagt Octave. "Aber ich hatte ja die Familie Kaiser", fügt er augenblicklich hinzu.Akut renovierungsbedürftig

Seit mehr als 30 Jahren unterstützt die Pfarrei Kirchweiler die Arbeit von Pater Octave mit Spenden und Sonderkollekten. "Auch beim jetzigen Pastor Robert Florin fühle ich mich jederzeit willkommen", sagt er. Am 5. April reist Pater Octave, der lange Jahre Professor für Philosophie war, zurück in das "Centre Christus", ein Exerzitienhaus in der ruandischen Hauptstadt Kigali, dessen Direktor er ist. Das Gebäude müsse dringend renoviert und erweitert werden, sagt Octave. Außerdem fehlen die finanziellen Mittel, um Menschen mit wenig Geld - überwiegend Ordensleute und Studenten - Exerzitien zu ermöglichen. "Vor kurzem rief eine Klosteroberin an und bat mich, zehn Schwestern zu Exerzitien aufzunehmen. Sie könne aber nur für drei bezahlen", berichtet der Pater. Wer die Arbeit des Jesuitenpaters unterstützen will, kann eine Spende auf das Konto der Pfarramtskasse Dockweiler unter dem Verwendungszweck "Pater Octave" überweisen, Konto 101601385, Volksbank Eifel Mitte eG, BLZ 58691500.