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Übernahme gut verdaut, neue Mitarbeiter gesucht

Mehr als 5000 Kunden vertrauen auf die Technologie des Unternehmens Rowa, der automatische Warenlager für Apotheken herstellt. TV-Foto: Helmut Gassen
Mehr als 5000 Kunden vertrauen auf die Technologie des Unternehmens Rowa, der automatische Warenlager für Apotheken herstellt. TV-Foto: Helmut Gassen
Kelberg. Auch drei Jahre nach der Übernahme durch den amerikanischen Konzern CareFusion läuft es weiter rund bei der Firma Rowa in Kelberg: Der Eifeler Hersteller automatischer Warenlager für Apotheken und einer der größten Arbeitgeber in der Region wächst weiter. Das Problem: Die Firma würde gerne weitere Mitarbeiter einstellen, bekommt aber nicht genügend qualifizierte Leute.

Kelberg. Aus der 1997 gegründeten Rowa Automatisierungssysteme GmbH wurde 2011 CareFusion Rowa. Grund war die Übernahme durch den amerikanischen Konzern CareFusion. Auch drei Jahre nach der Übernahme für rund 105 Millionen Euro wächst Rowa, der mit seinem innovativen Konzept die Lagertechnik in den Apotheken revolutioniert hat. Mehr als 5000 Kunden weltweit vertrauen bereits auf die Technologie aus der Vulkaneifel. Das Unternehmen ist heute europäischer Marktführer auf seinem Sektor.
Neues Segment: Verpackung


"Die Entwicklung des Unternehmens ist sehr zufriedenstellend für uns, Rowa ist in den letzten drei Jahren jedes Jahr über zehn Prozent gewachsen. Der Umsatz betrug im letzten Jahr 73 Millionen Euro", sagt CareFusion Rowa Geschäftsführer Dirk Wingenter, der das Kelberger Unternehmen zusammen mit Christian Klas führt.
Was hat sich durch die Übernahme geändert? "Wir reden mehr Englisch wegen des internationalen Konzerns und der größeren internationalen Ausrichtung. Aber Deutsch wird bei uns auch noch gesprochen", sagt Wingenter. Ansonsten sieht er nur Vorteile in der Übernahme: "Apotheken im Ausland sind oft in Krankenhäusern, dort ist vieles anders. Mit CareFusion haben wir einen Partner, der uns Zugang zu den Krankenhäusern ermöglicht, besonders in Asien und im mittleren Osten", sagt Wingenter.
Allerdings ist Rowa mit seinen Produkten noch nicht in den USA vertreten. "Wir sind noch dabei, uns in dieser Richtung auszuweiten", erklärt der Geschäftsführer. Rund 350 Mitarbeiter arbeiten in Kelberg, wo die Endmontage der Baugruppen erledigt wird. Komplett werden die Maschinen erst in den jeweiligen Apotheken aufgebaut. "In der Produktion bei uns in Kelberg arbeiten 25 Leute. Weitere 40 Leute sind eigentlich nie hier, da sie die Anlagen beim Kunden aufbauen. 55 Mitarbeiter in Kelberg sind allein in der Entwicklung tätig", erklärt Wingenter.
Neues Verpackungs-System


Inzwischen ist die Firma mit der Entwicklung eines neuen Systems beschäftigt, bei dem es um die Verpackung von Medikamenten geht. "Wir öffnen damit ein neues Marktsegment", sagt Wingenter. Nachdem es bei den ersten Kunden bereits gut angekommen sei, gehe das System nun in die Produktion.
Die "große Innovationskraft" sei es auch, die das Unternehmen stets voranbringe, sagt Wingenter. Aber es gibt auch Probleme: So komme man in Deutschland derzeit nicht so richtig voran, zumindest mit einem bestimmten System.
Nach Bedenken von Apothekern und einem Gerichtsurteil sei das System "auf Eis gelegt" geworden. "In Skandinavien, Australien und dem Mittleren Osten haben wir das System aber innerhalb von Krankenhäusern in Betrieb. Es war für uns deshalb keine Fehlinvestition, sondern ein innovatives Produkt, was eine enorme Strahlkraft auf dem Markt hatte", sagt der Geschäftsführer. Mit noch einem Punkt hat das Unternehmen zu kämpfen: der Rekrutierung neuer, qualifizierter Mitarbeiter. "Wir suchen eigenlich kontinuierlich und würden gerne Leute einstellen, wir bekommen aber keine. Das ist für uns eine enorme Herausforderung und könnte sich zu einem Faktor entwickeln, der unser Wachstum bedroht", sagt Wingenter. HGExtra

Die Idee zur Gründung der Firma Rowa kam Rudolf Wagner 1996 bei einer Diskussion mit einem Dauner Apotheker-Ehepaar über Möglichkeiten einer Rationalisierung des Arbeitsprozesses in Apotheken. 1997 gründete er zusammen mit Markus Willems und anfangs drei Mitarbeitern die Rowa Automatisierungssysteme GmbH in Kelberg. Im August 2011 wurde Rowa von CareFusion gekauft. CareFusion hat seinen Hauptsitz in San Diego, beschäftigt weltweit über 15 000 Mitarbeiter und machte zuletzt jährlich eine Milliarde Dollar Umsatz. CareFusion liefert medizinisches Verbrauchsmaterial und medizinische Geräte an den pharmazeutischen Großhandel und Krankenhäuser in den USA, Asien und Australien. CareFusion Rowa, das 350 Mitarbeiter beschäftigt, fertigt in Kelberg automatisierte Warenlager für Apotheken und Krankenhäuser. Im vergangenen Jahr wurden 663 Anlagen verkauft. 80 Prozent seiner Anlagen verkauft CareFusion Rowa in Europa. Kunden gibt es aber auch in China, und Saudi-Arabien. HG