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Unternehmer ersteigert umstrittene Parzelle

Die Lavagewinnung – wie hier bei Dockweiler – kann auch in Strohn weitergehen. Der Betreiber hat ein Grundstück im Erweiterungsgebiet ersteigert, um dort weiter Gestein abzubauen. TV-Foto: Archiv/Gabi Vogelsberg
Die Lavagewinnung – wie hier bei Dockweiler – kann auch in Strohn weitergehen. Der Betreiber hat ein Grundstück im Erweiterungsgebiet ersteigert, um dort weiter Gestein abzubauen. TV-Foto: Archiv/Gabi Vogelsberg
Der Streit um ein Grundstück im Lava-Tagebau Strohn ist per Zwangsversteigerung beendet: Der Pächter der dortigen Grube hat für eine Parzelle aus dem Gebiet für 50 000 Euro den Zuschlag. Der Verkehrswert war auf 12 408 Euro beziffert worden. Von unserer Mitarbeiterin Gabi Vogelsberg

Daun/Strohn. Deutlich erkennbar sind die "Lager" auf den Publikumsrängen im Gerichtssaal: An einem Ende die Miterbin (und bekennende Lava-Abbaugegnerin) des zu versteigernden Grundstücks mit einer Freundin und zwei Landschaftsschützern. Auf der anderen Seite die Befürworter des Lava-Abbaus: acht Vertreter der Verbandsgemeinde (VG) Daun, der Gemeinde Strohn und der Firma Scherer als Pächterin der dortigen Lavagrube.

Das 1551 Quadratmeter große Grundstück liegt im Erweiterungsgebiet des Lava-Tagebaus Wartgesberg in Strohn und ging 2007 an eine Erbengemeinschaft über. Sieben von acht Anteilen der Erben hatte die Gemeinde schon aufgekauft. Verständlich, denn die Kommune ist am weiteren Abbau des Gesteins interessiert, bekommt sie dafür doch Geld vom Grubenbetreiber. Der achte Teil des Grundstücks gehörte Elvira Willems, die gegen die Erweiterung des Abbaus ist.

Im Februar wurde das Verfahren zur Zwangsversteigerung in Gang gesetzt (siehe Extra). Diese beginnt um 10.08 Uhr mit der Erklärung des Auktionators, dass die Zwangsversteigerung nur dann beim ersten Termin beendet werden kann, wenn mindestens die Hälfte des Verkehrswertes von 12 408 Euro geboten wird. Diese Vorgabe ist gleich beim ersten Gebot erreicht, abgegeben vom Strohner Ortsbürgermeister Alois Pohlen: "6500 Euro." Dann ist Elvira Willems am Zug: "9000 Euro". Sie steigert mit, es geht aber nicht ums Geld, denn sie hatte ihren Anteil schon dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz als Geschenk angeboten. Ihre Motivation: Als Eigentümerin der gesamten Parzelle den weiteren Lava-Abbau möglichst zu verzögern. Als sie um 10.21 Uhr 17 000 Euro bietet, ist das Limit der Gemeinde offenbar erreicht, sie steigt aus. Für sie übernimmt um 10.24 Uhr ein "Verbündeter": Jörg Scherer, Juniorchef der Firma Scherer aus Kastellaun, die die Grube in Strohn betreibt. Er bietet 18 000 Euro. Willems kontert um 10.30 Uhr: 27 000 Euro. Das Pokerspiel geht weiter bis um 10.39 Uhr, als Elvira Willems ihr letztes Gebot abgibt: 40 000 Euro. Das reicht nicht, denn Scherer bietet 50 000 Euro. Für diese Summe - das Vierfache des Verkehrswerts - bekommt er den Zuschlag. Die Freude bei den Lava-Abbau-Befürwortern ist nicht ungetrübt. Beigeordneter Wißkirchen ärgert sich: "Der Preis wurde total überzogen in die Höhe getrieben." Für Willems ist es "ein richtig trauriger Tag, weil damit ein Kampf um den sorgfältigen Umgang mit unseren Ressourcen zu Ende ist." Extra Gründe für die Zwangsversteigerung Die Miteigentümerin des Grundstücks im Erweiterungsgebiet des Lava-Tagebaus Strohn darf aus juristischen Gründen ihren Anteil nicht behalten, weil die Ortsgemeinde bereits alle anderen sieben Anteile besaß. Das Grundstück liegt im Abbaugebiet und kann nicht in acht Teile zerstückelt werden. Es kann auch keines der Teile brachliegen bleiben, da das Grundstück als eine Parzelle im Kataster gewertet wird. Da die Erbengemeinschaft (in diesem Fall die Gemeinde und die Miterbin) auf gütlichem Weg keine Einigung fanden, kann eine Partei den Antrag auf Zwangsversteigerung stellen. Diesen Anspruch hat die Gemeinde wahrgenommen.