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Verbandsgemeinde Kelberg: 600 Anregungen und Bedenken zur Windkraft

Kelberg. Das Thema Windkraft mobilisiert: Mehrere Hundert Bürger haben im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung Stellungnahmen zu den Plänen der Verbandsgemeinde Kelberg (Landkreis Vulkaneifel) eingereicht. Wie lange die Auswertung dauert und wann sich der Rat wieder mit dem kontroversen Thema befasst, ist noch offen. Stephan Sartoris

Kelberg. Wann sich der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg wieder mit der Windkraftplanung beschäftigen wird, ist noch offen, aber wenn es so weit ist, dürfte es wieder eine lange Sitzung werden. Im Mai hatte der Rat in mehrstündigen Beratungen und nach vielen Wortgefechten die Rahmenbedingungen (wie Mindestabstände von den Anlagen zu den Orten) für die weitere Planung festgelegt.
Die Beschlüsse waren im Sommer öffentlich ausgelegt worden. Die Bürger hatten so die Möglichkeit, die Pläne einzusehen und im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung Einwendungen und Widersprüche zu formulieren und Bedenken sowie Anregungen zu äußern. Und das haben sie auch genutzt: Gut 600 Anregungen und Einwendungen sind dazu im Rathaus eingegangen, rund 550 davon allein von Privatleuten, die die Planung überwiegend kritisch sehen. "So viele Eingaben hatten wir bei einem solchen Verfahren bislang noch nie", sagt der für die Windkraftplanung zuständige VG-Mitarbeiter Willi Schmitz. Was nicht überrascht, denn das Thema Windkraft bewegt viele Menschen in der VG. Wovon die Wählergruppe Sturm im Wald, die im Widerstand gegen die Windkraft entstanden ist, profitiert hat. 2014 ist sie erstmals bei der Kommunalwahl angetreten und hat gleich drei Sitze im VG-Rat geholt."Völlig überzogen"


Was geschieht nun mit den Eingaben? "Sie liegen dem beauftragten Planungsbüro zur Sichtung und Auswertung vor", sagt Schmitz. Lässt sich absehen, wann sich der Rat wieder mit dem Thema beschäftigen wird? "Einen Zeitplan gibt es nicht." Nach der Auswertung würden Verwaltung und Planungsbüro die weiteren Untersuchungen und Planungsschritte festlegen.
Zuletzt hatte die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände (AGNV) im Kreis Vulkaneifel den Planentwurf für die Windkraft kritisiert. Würde dieser umgesetzt, könnten etwa sieben Prozent der VG-Gesamtfläche als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen werden. Im Landesentwicklungsprogramm (LEP) und einem Erlass der Landesregierung stünde hingegen ein Richtwert von zwei Prozent. Die für die Errichtung von möglichen 67 teils mehr als 200 Meter hohen Windrädern vorgesehenen 990 Hektar - überwiegend in Waldgebieten - entsprächen dem mehr als 17-Fachen der bisher dafür genutzten Fläche, monieren die Naturschützer. Diese Planung sei "völlig überzogen und schädlich für Mensch, Natur und Landschaft".
Dem widerspricht die VG-Verwaltung. Nach den Vorgaben des Landes sollen mindestens zwei Prozent der Landes- und mindestens zwei Prozent der Waldfläche für die Windenergienutzung zur Verfügung gestellt werden. In verschiedenen Bereichen könnten zum Beispiel wegen der dichten Besiedlung, schlechter Windverhältnisse oder naturschutzrechtlicher Belange überhaupt keine oder nur geringe Flächen für die Windkraftnutzung ausgewiesen werden.
Das Ziel des Landes könne daher nur erreicht werden, wenn in anderen Bereichen dafür mehr als zwei Prozent der Fläche genutzt werden dürfen. Die Kritik der Naturschützer richtet sich auch gegen die "völlig unzureichende Berücksichtigung" der Vorgaben zum Schutz besonders gefährdeter Tierarten wie Schwarzstorch und Rotmilan. Um deren Horste würden Experten die Einhaltung von windkraftfreien Tabuzonen fordern: mindestens 3000 Meter beim Schwarzstorch, mindestens 1500 Meter beim Rotmilan. Die VG versuche aber, diese Regelung "mit fragwürdigen Analysen" zu unterlaufen."Völlig unbegründet"


Auch dem widerspricht die Verwaltung: Bei der Planung seien beispielsweise die Empfehlungen des Gutachtens der Staatlichen Vogelschutzwarte beachtet worden. Zudem sei es in begründeten Einzelfällen möglich, die Mindestabstände zu reduzieren, was in Absprache mit der obersten Naturschutzbehörde teilweise erfolgt sei.
Die VG-Verwaltung wertet die Vorwürfe der AGNV als "völlig unbegründet und werden entschieden zurückgewiesen". Die Naturschützer werfen hingegen einem großen Teil des VG-Rats "Geringschätzung der Heimatlandschaft" vor.Extra

Bislang gibt es für die VG Kelberg eine vorläufige Planung. Nach der könnten im Bereich Retterath/Kolverath vier Anlagen entstehen, im Bereich Mannebach/Bereborn sieben, in Lirstal drei bis vier und im Bereich Arbach/Oberelz sechs. Weitere mögliche Standorte gibt es in Borler, Bodenbach, Katzwinkel und Kelberg. sts