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Vermittler, nicht Feuerwehrmann

Bernd Berenz ist seit fast fünf Jahren zuständig für die Projektstelle Schulsozialarbeit: Im Juli läuft die Projektstelle aus. Dann geht Berenz nach Mainz. Foto: Brigitte Bettscheider
Bernd Berenz ist seit fast fünf Jahren zuständig für die Projektstelle Schulsozialarbeit: Im Juli läuft die Projektstelle aus. Dann geht Berenz nach Mainz. Foto: Brigitte Bettscheider
DAUN. Seit August 2000 ist Bernd Berenz Schulsozialarbeiter im Dekanat Daun. Die Projektstelle des Bistums Trier läuft im Juli aus. Im TV zieht Berenz Bilanz. ARRAY(0x2e127c4b8)

Es klopft, und die zwölfjährige Meike Messerig streckt ihren Kopf zur Tür herein. "Hallo, Bernd", sagt sie. "Ich wollte nur mal eben reinschauen." Meike Messerig bekommt einen Keks, und sie erzählt, dass sie oft "einfach so" bei Bernd Berenz hereinschaue. "Mit ihm kann man gut reden, wenn man Probleme hat, und die Freizeiten mit ihm sind ganz toll", erklärt sie. Dass Berenz im Sommer weg geht, findet Meike Messerig schade. So unkompliziert wie ihr Besuch, ist die Arbeit von Berenz in der Regel nicht. Der Schulsozialarbeiter hat ein kleines Büro in der Dauner Hauptschule. An drei Vormittagen in der Woche ist er dort anzutreffen, an den beiden anderen Tagen hat er Sprechzeit an der Grund- und Hauptschule Niederstadtfeld. Schüler kommen mit privaten und schulischen Problemen zu ihm, oder sie erkundigen sich nach Aktionen und Projekten im Dekanat Daun. "Manchmal ist es ein Asyl für ein paar Minuten", sagt Berenz. Wichtig sei zunächst, einfach zuzuhören und nahe liegende Lösungen aufzuzeigen. Zuweilen verweise er auf außerschulische Hilfsangebote: die Caritas, das Jugendamt, die Polizei, das Arbeitsamt, die Lebensberatung. "Eine Reihe von Problemen lassen sich schon im Gespräch hier im Büro klären", sagt der Schulsozialarbeiter. Bernd Berenz ist 33 Jahre alt. Er stammt aus Landkern (Kreis Cochem-Zell) und wohnt heute in einem kleinen Dorf in der Nähe seines Heimatorts, in Brieden. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst in der Flüchtlingsbegleitung der Verbandsgemeinde Cochem-Land und studierte Sozialarbeit in Koblenz. Nach dem Diplom machte er ein Anerkennungsjahr beim Kreisjugendamt Cochem. Bevor er im Sommer 2000 die Projektstelle im Dekanat Daun bekam, arbeitete er bei der Beratungs- und Koordinierungsstelle des Caritasverbands Cochem-Zell. In wenigen Monaten beginnt für Bernd Berenz ein neuer Lebensabschnitt. Wenn Ende Juli die auf fünf Jahre befristete Projektstelle "Schulseelsorge und Schulsozialarbeit" endet, wird er an der Katholischen Fachhochschule in Mainz Praktische Theologie studieren, um später als Gemeindereferent zu arbeiten. In den knapp fünf Jahren als Schulsozialarbeiter hat Berenz einige Projekte realisiert. Er hat an der Hauptschule Daun das Streitschlichten eingeführt, ein Programm zur Primärprävention von Sucht und Gewalt ins Leben gerufen sowie Aktionen zum jährlichen Welt-Aidstag zur festen Einrichtung gemacht. Er hat in den Klöstern Maria Martental und Engelport sowie im Jugendzentrum Steineberg Kennenlern-, Orientierungs- und Gemeinschaftstage für Schulklassen organisiert. Vor kurzem endete die vierte "Wohngemeinschaft auf Zeit" - auch diese Maßnahme zur Identitätsfindung von Neunt- und Zehntklässlern hat er konzipiert. "Schulsozialarbeit läuft auch in der unterrichtsfreien Zeit", sagt er und berichtet von Aktionen und Projekten an Nachmittagen, Wochenenden und in Schulferien: Höhlenexkursionen, Kletterausflüge, Wanderungen, Umwelt- und Naturprojekte.Arbeits-Motto: "Sehen, urteilen, handeln"

Berenz' Arbeit läuft nach dem Grundsatz der kirchlichen Jugendarbeit: "Sehen, urteilen, handeln". Als er die Projektstelle übernahm, gab es kein Konzept. "Es war nicht immer leicht", sagt er rückblickend. "Ich hatte manchmal ganz schön zu kämpfen und einige harte Auseinandersetzungen zu führen. Trotzdem denke ich schon mit Wehmut an das Ende meiner Arbeit im Dekanat." Er habe sich in seiner Funktion nie als Feuerwehrmann oder Richter gesehen. "Mein erstes Anliegen war immer, Ansprechpartner und Vermittler zu sein", sagt Berenz.