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Infrastruktur
Erweitertes Liniennetz: Der Bus kommt künftig in fast alle Orte

Jede Menge "Schwarzfahrer": Mit Fahrten von Daun nach Kelberg ist symbolisch das neue Busnetz in der Verbandsgemeinde Kelberg und Teile der Verbandsgemeinde Kelberg eröffnet worden. Los geht geht es nächsten Montag. Foto: Stephan Sartoris
Jede Menge "Schwarzfahrer": Mit Fahrten von Daun nach Kelberg ist symbolisch das neue Busnetz in der Verbandsgemeinde Kelberg und Teile der Verbandsgemeinde Kelberg eröffnet worden. Los geht geht es nächsten Montag. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris
Daun/Kelberg. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region wird komplett neu geregelt. Los geht es am 9. Dezember, wenn das Busangebot rund um Kelberg deutlich größer wird.

Er ist ein echtes Sorgenkind, der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem Land – und das nicht erst seit gestern. Gut gefüllte Busse sind die, mit denen die Schüler gefahren werden, ansonsten sind die Fahrzeuge in der Regel eher spärlich besetzt. Das überschaubare Angebot ist nur noch mit hohen Zuschüssen zu betreiben, und mit dem Rückgang der Einwohnerzahlen ist eine Besserung nicht in Sicht.

Aber die Region Trier will sich nicht einfach in das vermeintliche Schicksal fügen. In mehrjähriger Vorarbeit wurde für den Bereich des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT) ein neues Buskonzept entwickelt, das bis 2025 umgesetzt wird.

Der Startschuss für die Umsetzung des ÖPNV-Konzepts für einen Teil des Kreises Vulkaneifel ist nun gefallen: mit symbolischen Fahrten in neuen, einheitlich gestalteten Bussen von Daun nach Kelberg und zurück.

Die Bevölkerung wird ab dem 9. Dezember von fast 900 neuen Busverbindungen profitieren können. Die derzeit in vielen Bereichen noch vorhandene Wochend-Lücke wird dann geschlossen: Die meisten Busse fahren künftig von Montag bis Sonntag mehrmals am Tag, und das mindestens alle zwei Stunden.

Zudem sind die Verbindungen so geplant, dass auch der Umstieg von einem Bus in den nächsten keine längere Wartezeit in Anspruch nimmt.

Die größte Veränderung sind die sogenannten Rufbusse. Sie müssen mindestens eine Stunde vor Abfahrt telefonisch bestellt werden und stehen in der Regel jeden Tag zur Verfügung. Ist ein Rufbus bestellt, kann es vorkommen, dass ein Taxi die Fahrt übernimmt, ohne Mehrkosten für den Fahrgast. Vertragspartner für den Betrieb des sogenannten „Linienbündel Östliche Vulkaneifel“ ist die DB Regio Bus Rhein-Mosel GmbH.

Für Werner Rätz, 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg, ist das neue Angebot „gigantisch“. Nun gelte es, der Bevölkerung davon zu überzeugen, es auch zu nutzen: „Wenn der Zweit- oder Drittwagen künftig schon mal zugunsten einer Busfahrt stehen bleibt, wäre das schon ein Erfolg.“

Für Landrat Heinz-Peter Thiel gibt es angesichts der Erweiterung des Busangebots „keine Ausrede mehr, den ÖPNV nicht zu nutzen.“ Und den lässt sich der Kreis Vulkaneifel einiges kosten: Allein er investiert 1,3 Millionen Euro.

Aber was nutzt das beste Busangebot ohne die entsprechende Infrastruktur: Darauf verwies Andy Becht (FDP), Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium und nach eigenem Bekunden „leidenschaftlicher Busfahrer“, bei der offiziellen Eröffnung des runderneuerten Zentralen Busbahnhofs (ZOB) in Daun, besser bekannt als Michel-Reineke-Platz (oder landläufig auch der „Hemmer“). Auch dort wurde kräftig investiert: rund 1,1 Millionen.

Davon steuert die Stadt Daun gut die Hälfte bei. Schon 2007 gab es Überlegungen für einen neuen ZOB, konkret wurde es dann ab 2012. Nachdem Eigentumsverhältnisse und Finanzen geklärt waren, konnte der Umbau in diesem Jahr umgesetzt werden. „Angesichts des Zustands des Platzes war eine Modernisierung überfällig. Nun hat Daun endlich einen zeitgemäßen ZOB“, sagt Stadtbürgermeister Martin Robrecht.

Für den Vorsitzenden des VRT-Zweckverbands und Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Joachim Streit, heißt es nun: „Trommeln, trommeln, trommeln“, damit das „tolle Angebot“ auch angenommen werde.

Das Ziel: „Wir wollen in den nächsten Jahren eine neue Welt im ÖPNV schaffen – und wenn dann noch das Handynetz gestärkt wird...