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Warum Rentiere besser sind als Elektroschlitten

Glückliche Schauspieler: die Schüler der St.-Laurentius-Schule und Theaterpädagogin Laura Freisberg (vorne Mitte) nach der Aufführung des Schauspiels „Der Weihnachtsmann mit dem Navigationsgerät“. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Glückliche Schauspieler: die Schüler der St.-Laurentius-Schule und Theaterpädagogin Laura Freisberg (vorne Mitte) nach der Aufführung des Schauspiels „Der Weihnachtsmann mit dem Navigationsgerät“. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Daun. Elektroschlitten für den Weg zur Erde, E-Mails als Wunschzettel, Geschenke aus dem Internetshop: Um solche gutgemeinten Ratschläge für bessere Abläufe im Weihnachtsgeschäft ging es bei einer Theateraufführung, die die St.-Laurentius-Förderschule als krönenden Abschluss einer Projektwoche präsentiert hat. Brigitte Bettscheider

Daun. "Oh, wie schön", flüstert ein Kind in der ersten Zuschauerreihe, als der Vorhang aufgezogen und der Blick in die Stube des Weihnachtsmanns freigegeben wird. Vor einer farbenfrohen Kulissenwand mit verschneiten Tannen hinter dem Fenster und leuchtenden Feuerscheiten im Ofen sitzt im Ohrensessel der Weihnachtsmann und brütet über einer Liste. Seine Helfer plagen sich mit Bergen von Geschenkpaketen. Der Chor probt "Alle Jahre wieder" und "In der Weihnachtsbäckerei". Der himmlische Briefträger bringt noch einen Wunschzettel.
Da betreten zwei Berater die Szene. Sie kommen vom "Amt für bessere Abläufe im Weihnachtsgeschäft". Sie empfehlen - statt Rentier und Orientierung am Sternenhimmel - einen Elektroschlitten mit Navigationsgerät. Sie erklären den handgeschriebenen Wunschzettel, das Bummeln durch die Geschäfte und die traditionellen Weihnachtslieder für veraltet, empfehlen stattdessen E-Mails, Internetshops und eine Auswahl an englischsprachiger Musik. Man ist nicht abgeneigt.
Doch eine Befragung auf der Erde ergibt, dass "mit Weihnachten am besten alles so bleibt wie bisher". Gesagt, getan. In das Schlusslied "Fröhliche Weihnachten überall" mischt sich der lang anhaltende Applaus des Publikums: Eltern, Geschwister, Freunde, Gäste sind begeistert.
Was die 18 Mädchen und Jungen als Darsteller in dem Schauspiel "Der Weihnachtsmann mit dem Navigationsgerät" auf die Bühne gebracht haben, war in einer Projektwoche vorbereitet und von allen anderen der insgesamt 82 Schüler mitgetragen worden.
"Jeder ist wichtig, jeder wird gebraucht", brachte es die Schülerin Ronja auf den Punkt. Sie war gemeinsam mit Lukas, Vivien, Ruth, Pauline und Simon in der Projektgruppe Doku, die ihre Mitschüler bei der Arbeit fotografierte, filmte, interviewte, ob sie nun Musiker, Kulissenbauer, Dekorateure, Bühnentechniker, Plätzchen- und Kuchenbäcker waren oder eine von vielen weiteren Aufgaben erfüllten. Alle Betreuer und Lehrer waren im Einsatz. Unterstützung gaben zudem der Schulseelsorger Carlo Fischer-Peitz, der Jugendamtsmitarbeiter Kurt Laux und die Theaterpädagogin Laura Freisberg. "Alle haben teilgehabt, und alle haben ihre Sache super gemacht", lobte am Ende der Schulleiter Heinz-Peter Schneider.Extra

Laura Disch (Gillenfeld), Schülerin der St.-Laurentius-Schule und "Mädchen 1" in dem Theaterstück: "Ich war sehr aufgeregt, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Das Üben mit Laura Freisberg war sehr schön. Vorher hatten wir ja keine Ahnung vom Theaterspielen." Kerstin und Johannes Reitz (Daun), Eltern der neunjährigen Hanna, die in dem Stück eine Maus spielte: "Die Kinder haben Unglaubliches geleistet. Dass sie vor so vielen Zuschauern im Rampenlicht standen, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Toll, dass alle Schüler entsprechend ihrer Möglichkeiten mitgewirkt haben." Birgit Berlingen (Hinterweiler), Mutter des 19-jährigen Alexander, der ein "Befrager" war: "Das Stück war superschön! Für Alexander war sein Auftritt eine große Herausforderung und eine große Freude. Er ist seit dem ersten Schuljahr an dieser Schule, und wir sind mit dem Engagement aller Lehrer und Betreuer sehr zufrieden." Carlo Fischer-Peitz (Daun), Schulseelsorger: "Ich bin beeindruckt davon, wie im Laufe der Projektwoche das Gemeinschaftsgefühl immer größer geworden ist und wie viele Schüler über ihre bisher bekannten Fähigkeiten hinausgewachsen sind." bbExtra

Die St.-Laurentius-Förderschule Daun engagiert sich seit Jahren bei den Special Olympics als der größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. 2012 wird eine Schülergruppe mit den Trainern Simone Fischer, Tanja Hallebach und Thomas Wollwert an den Wettkämpfen in München teilnehmen. Zur Finanzierung des Trainings und der Teilnahme ist die Schule auf Sponsoren und Spenden angewiesen. Im Rahmen der Theateraufführung zum Abschluss der Projektwoche überreichte Helga Disch aus Gillenfeld dem Trainerteam 400 Euro. Das ist die Hälfte des Erlöses aus dem diesjährigen Spielzeug- und Bücherbasar, der traditionell Anfang November in Gillenfeld veranstaltet wird. bb