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Kriminalität
Entspanunng, aber noch lange keine Entwarnung

Die Polizei registrierte weniger Wohnungseinbrüche als in den Vorjahren.
Die Polizei registrierte weniger Wohnungseinbrüche als in den Vorjahren. FOTO: Daniel Maurer / dpa
Daun/Gerolstein/Hillesheim/Kelberg. Polizeibilanz für 2017: Weniger Straftaten und vor allem weniger Wohnungseinbrüche im Landkreis Vulkaneifel. Zugeschlagen wird aber noch immer. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Die Eckpunkte der Kriminalitätsstatistik 2017 weisen auf ein zufriedenstellendes Jahr für die Polizeiinspektion (PI) Daun hin, die für den Kreis Vulkaneifel (ohne die Verbandgemeinde (VG) Obere Kyll) zuständig ist (siehe Info): Das Gesamtaufkommen an Straftaten ist um 84 auf 2624 registrierte Fälle (2016: 2708 Fälle) gesunken. Zwei Drittel davon wurden aufgeklärt. Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier, zu dem die PI Daun zählt, lag die Aufklärungsquote mit 70 Prozent zwar höher, der Landesdurchschnitt von knapp 62 Prozent dafür aber deutlich niedriger. Lebt es sich in der Vulkaneifel also sicher: „Ich denke schon“, sagt Herbert Etzig, stellvertretender Leiter der PI Daun. Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die Polizei und Bevölkerungen in den Vorjahren noch in Atem gehalten hat, deutlich gesunken. Hier die Eckpunkte der Kriminalitätsstatistik für den Bereich der PI Daun:

Rohheitsdelikte/Körperverletzung: Die Anzahl der sogenannten Rohheitsdelikte (Körperverletzung, Raub, Freiheitsdelikt) ist gegenüber dem Vorjahr fast gleich geblieben und lag bei 465 Fällen (+2). Die Aufklärungsquote war in diesem Bereich sehr hoch (92,4 Prozet), was laut Herbert Etzig daran liegt, dass sich „hier Täter und Opfer meist gegenüberstehen, sich eventuell kennen, es oft Zeugen gibt und wir so in der Regel viele Ermittlungsansätze haben“. Positiv ist ebenfalls, dass es 2017 keinen Toten zu verzeichnen gab – jedoch 102 gefährliche und 202 einfache Körperverletzungen.

285 Tatverdächtige wurden ermittelt  (2016: 253). Hiervon waren 37 Tatverdächtige unter 21 Jahren. PI-Leiter Alfred Haas sagt: „In  den überwiegenden Fällen ging Alkoholmissbrauch den Taten voraus. Festzustellen ist, dass es sich vielfach um Wiederholungstäter handelt, die nicht mehr aus der Spirale von Alkoholmissbrauch, Suchtverhalten, individueller Gewaltbereitschaft, Arbeitslosigkeit und damit einhergehenden Perspektivlosigkeit herauszukommen scheinen.“ Dass trotz aller Präventionsmaßnahmen immer noch viele jugendliche und heranwachsende Täter auffallen, weil sie betrunken sind und dann zuschlagen, nennt er „unerfreulich“. dass nach wie vor viele Minderjährige an Alkohol kommen „besorgniserregend“.

Sexueller Missbrauch/sexuelle Belästigung: Eine Aussage darüber, wie oft sexueller Missbrauch und sexuelle Belästigung im Zuständigkeitsbereich der PI Daun 2017 angezeigt wurden, konnte die Polizei nicht sagen. Begründung: Darum kümmert sich die Krimininalinspektion (KI) Wittlich. Von dort ist aber nur zu erfahren, wie viele dieser Taten für den gesamten Zuständigkeitsbereich der KI erfasst wurden – und der ist deutlich größer als der Dauner PI-Bezirk: Die Anzahl der registrierten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung liegt bei 57 im Jahr 2017. Es wurden somit 20 Fälle (54 Prozent) mehr als im Vorjahr erfasst. Die Aufklärungsquote wurde um 0,3 auf 86 Prozent gesteigert. Die Schwerpunkte in diesem Bereich bildeten die sexuelle Belästigung (13 Fälle) und der sexuelle Missbrauch (17 Fälle).

Wohnungseinbrüche: Bei den Wohnungseinbrüchen ist eine Entspannung zu verzeichnen. Auch eine Entwarnung? „Nein“, sagt Herbert Etzig prompt. Dennoch seien die Zahlen natürlich deutlich besser als in den Vorjahren. 45 registrierte Wohnungseinbrüche sind 30 weniger als im Jahr zuvor und sogar 55 weniger als noch 2015, dem vorläufigen negativen Höhepunkt. Es gab 13 Tageswohnungseinbrüche zwischen 6 und 21 Uhr und 32 Delikte zur übrigen Zeit. Niedrig ist aber auch die Aufklärungsquote: 8,9 Prozent.

Auffällig jedoch: In 60 Prozent aller Fälle blieb es beim Versuch, in ein Haus einzudringen. Dies verdeutlicht laut Polizei, dass gut gesicherte Fenster und Türen und eine rasche Alarmierung der Polizei von besonderer Bedeutung sind. Den Rückgang der Fälle bringt die Polizei auch mit der Einrichtung der speziellen Ermittlungsgruppe für den Bereich des gesamten Polizeipräsidiums Trier in Verbindung, der sich auch in Täterkreisen herumgesprochen habe dürfte.

Betrug: Es gab insgesamt 536 Fälle (+2) und eine Aufklärungsquote bei von 62,9 Prozent. Im Fünfjahresvergleich ist festzustellen, dass die Fallzahlen ständig leicht steigen – und das Internet sowie dort angesiedelte Verkaufsplattformen eine immer größere Rolle spielen.

Rauschgiftdelikte: 213 Rauschgiftdelikte, und somit 36 weniger als im Vorjahr, wurden registriert. Sie gingen auf das Konto von 191 Tatverdächtigen, davon 68 unter 21 Jahren. Die Aufklärungsquote lag bei 96,7 Prozent. Schwerpunkte der Szene bilden nach wie vor Gerolstein und Daun. Am meisten wurde laut Polizei mit Marihuana und Amphetaminen gedealt, aber auch mit Kokain und Heroin sowie mit Kräutermischungen (Legal Highs). Deren Boom, der noch vor zwei, drei Jahren zu verzeichnen war, scheint laut Polizei aber ein wenig zurückgegangen sein.

Diebstähle: 382 einfache Diebstähle wurden 2017 registriert, das sind 28 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Diebstähle unter erschwerten Umständen ist um 55 auf 169 Fälle gesunken.

Tatverdächtige: 1421 Tatverdächtige (-58) konnten ermittelt werden. 1083 waren männlich (-54) und 338 weiblich (+4).

Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren lag bei  knapp 20 Prozent  (279 Personen). Das waren 16 mehr als im Vorjahr. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen lag bei 208 Personen, was einem Anteil von 14,6 Prozent entspricht.