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Wildkatzen sind im Ahrtal zu Hause

Ahrweiler. Die Hälfte aller Wildkatzen in Deutschland lebt in Rheinland-Pfalz, ein großer Teil davon in der Eifel. Dort gibt es optimale Lebensbedingungen für die scheuen Tiere, deren Zahl in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Niki Radtke

Ahrweiler. Sie ist scheu, reagiert auf kleinste Beunruhigungen und fühlt sich speziell in den Wäldern rund um das Ahrgebirge und im westlichen Kreis Ahrweiler anscheinend richtig wohl - die Wildkatze. Weil sich diese wilde Katzenart ausschließlich dort aufhält, wo Gebüsche als Versteckmöglichkeit vorhanden sind, stellen die regionalen Laub- und Mischwälder einen perfekten Lebensraum für die bis zu 95 Zentimeter lange Katze dar. Denn die rheinländischen Wälder sind zum größten Teil wild, kaum erschlossen und zusammenhängend - also ohne großes sogenanntes Offenland.Ein Beleg für diesen idealen Lebensraum ist, dass von den geschätzten 6000 Wildkatzen in Deutschland allein die Hälfte in den rheinland-pfälzischen Wäldern vorkommt. Ein gutes Drittel davon ist wiederum in der Eifelregion zu Hause. Jürgen Wagner, Revierleiter vom Forstrevier Heckenbach (VG Altenahr), erklärt, dass die Wildkatze in den Wäldern an der Ahr nie ausgestorben war, doch ist deren verstärktes Vorkommen seit 2006 auch für ihn ein unerklärliches Rätsel. "Vor dieser Zeit habe ich maximal eine Katze im Jahr gesehen. Mittlerweile kann ich bis zu vier Katzen auf einer Wiese in einem viel kürzeren Zeitraum beobachten", freut sich Wagner. Wie viele Wildkatzen in seinem Revier unterwegs sind, kann er nicht sagen. "Den Bestand durch Zählen aufzunehmen, wäre undenkbar. Dafür ist das Gebiet einfach viel zu groß - und die Katzen viel zu scheu", erläutert der Revierleiter.Die Paarung der durch internationale Abkommen streng geschützten Wildkatzen geschieht übrigens zufällig. Oftmals überschneiden sich die Reviere von weiblichen Wildkatzen (200 bis 1500 Hektar) mit Revieren der männlichen Wildkatzen, die bis zu 4000 Hektar groß sind. "Laufen sich die Katzen dabei über den Weg, wird sich gepaart", sagt Wagner. Auch wenn die Katzen keine gleichgeschlechtlichen Artgenossen im eigenen Revier zulassen, ist es umso erfreulicher, dass die Reviere "bis zum Rand ausgelastet sind", ist sich Wagner sicher.Extra

Die männliche Wildkatze heißt in der Jägersprache Kuder und ist gut 20 Zentimeter kleiner als eine weibliche Katze. Geschlechtsreif werden die wilden Katzen mit ein bis zwei Jahren. Sie erreichen ähnlich wie Hauskatzen ein Alter von mehr als 15 Jahren. Ihre Hauptbeute sind Kleinsäuger (Mäuse), Vögel und andere Kleintiere. Die Wildkatzen haben keine natürlichen Feinde. Unterschlupf suchen sie unter Stein- und Baumhöhlen. Das Berühren oder Entfernen von Jungtieren ist strengstens verboten. Das Muttertier würde aufgrund des Fremdgeruchs ihr Junges nicht mehr erkennen und ablehnen. Mehr auf wildkatze-rlp.de