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Windkraft als Segen für Gemeindekasse

Retterath. Sieben Orte in der Verbandsgemeinde Kelberg, die Windkraftanlagen auf ihren Gemarkungen befürworten, müssen sich weiter in Geduld üben. Der Plan, auf dem die Windkraftflächen ausgewiesen sein werden, ist nach wie vor in der Bearbeitung. Wann er vorliegen wird, ist noch offen. Stephan Sartoris

Retterath. Vermutlich halten viele Deutsche Windräder für eine gute Sache. Verursachen sie doch keine auf Tausende Jahre noch strahlende Altlasten wie bei der Atomenergie und sind auch keine Klimakiller. Doch wenn es darum geht, die Anlagen vor der Haustür oder zumindest in Sichtweite zu installieren, hört es oft mit der Begeisterung für diese alternative Energie auf.
Ein Konflikt, den es mittlerweile oft in Deutschland gibt - und längst auch in der Vulkaneifel. In den Verbandsgemeinden (VG) Hillesheim und Kelberg haben die Windkraftgegner nicht nur protestiert, sondern sind politisch aktiv geworden. Mit Erfolg: Die Gruppierung Sturm im Wald ist nach der Kommunalwahl in beiden Verbandsgemeinde- und in einigen Gemeinderäten vertreten.
Kein Wildwuchs gewünscht



Deren ablehnende Haltung der Windkraft gegenüber wird in sieben Orten in der Verbandsgemeinde Kelberg kritisch gesehen. "Denn was ist mit der Zukunft unserer Dörfer?", fragen die Bürgermeister von Lirstal, Retterath, Kolverath, Bereborn, Arbach, Oberelz und Mannebach. Sie wollen Windkraft, "kein Wildwuchs, sondern konzentriert auf wenige Standorte", und sind überzeugt, dass auch die Mehrheit der Einwohner in ihren Gemeinden dafür ist.
Die Bürgermeister hoffen auf eine neue Geldquelle für die Dörfer, für viele wäre es die einzig nennenswerte, denn auf große Gewerbesteuereinnahmen können sie nicht bauen. "Wenn uns vorgeworfen wird, wir würden beim Thema Windkraft aufs Geld schauen, sagen wir: Ja, natürlich schauen wir aufs Geld. Das ist doch unsere Pflicht als Bürgermeister", sagt Walter Eich (Mannebach). "Eine
solche, vermutlich historisch einzigartige Chance, an Geld zum Erhalt der Infrastruktur unserer Orte zu kommen, können wir nicht einfach
vorbeiziehen lassen."
Die Einnahmen sicherten die Finanzierung der Gemeinden "für Jahrzehnte", ergänzt Uwe Schöne (Arbach). Das Geld werde nicht für "beheizte Bürgersteige" ausgegeben, sondern für das, was für die Dörfer unverzichtbar sei: vernünftige Straßen, Winterdienst, Spielplätze, Kindergarten, Brauchtumspflege und vieles mehr.
Wer das erhalten will, braucht Geld, sagen die Bürgermeister, Geld, das sie vom Land nicht bekommen werden, zumindest bei Weitem nicht genug, um alle Aufgaben zu bewältigen. "Aber von irgendwoher muss das Geld ja kommen", sagt Hermann Hay (Retterath).
Im Bereich Retterath/Kolverath könnten vier Windkraftanlagen (WKA) entstehen, im Bereich Mannebach/Bereborn sieben, in Lirstal drei bis vier und im Bereich Arbach/Oberelz sechs, alle zwischen 180 und 200 Meter hoch. "Alle auf Gemeindeflächen", sagt Dirk Grombein (Lirstal), "die Einnahmen kommen also direkt den Dörfern und ihren Einwohnern zugute." Zudem profitierten nicht nur die sieben, sondern alle Dörfer in der VG. Denn es ist sogenannter Solidarpakt eingerichtet worden. Was bedeutet: Die Gemeinden mit Windpark geben denen ohne einen Teil ihrer Einnahmen ab.
Kritik an Sturm im Wald


Aber wann könnte denn Geld fließen? "Wir haben uns schon ziemlich in Geduld üben müssen", sagt Albert Grohnert (Oberelz). Denn die
Erstellung des Flächennutzungsplans, durch den die Windkraftflächen ausgewiesen werden, geht nach Auffassung der Bürgermeister "nur schleppend voran". Vor drei Jahren habe es erste Gespräche gegeben; wann der fertige Plan, erstellt von der VG-Verwaltung, vorliege, sei derzeit aber nicht absehbar, monieren die Bürgermeister. Ihrer Ansicht nach sind diese Verzögerungen "hauptsächlich verursacht durch die vielen Eingaben und Forderungen der Gruppe Sturm im Wald".
Im Rathaus in Kelberg weist Bürgermeister Karl Häfner darauf hin: "Alle Arbeits- und Verfahrensschritte wurden ständig mit den politischen Gremien der VG abgestimmt: Ältestenrat, Ausschuss Bauen, Planen, Umwelt und VG-Rat. An dessen Sitzungen nehmen die Ortsbürgermeister regelmäßig teil. Von keinem von ihnen wurde bisher auf Schnelligkeit des Verfahrens Wert gelegt. Wichtig für die Gremien und Ortsbürgermeister war immer: Rechtssicherheit muss vor Schnelligkeit gehen."Extra

Nicht nur Lirstal, Retterath, Kolverath, Bereborn, Arbach, Oberelz und Mannebach wollen Windkraft. Auch in Kelberg, Bodenbach, Bongard, Gelenberg, Boxberg und Borler macht man sich darüber Gedanken. Deshalb wird auch dort gespannt auf die Entscheidung gewartet, welche Flächen für die Windkraft ausgewiesen werden. sts