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Debatte um "gierige Ärzte"

Debatte um "gierige Ärzte"

Statt mehr haben viele weniger: Der Unmut unter den niedergelassenen Ärzten wächst. Statt der von der Politik zugesagten höheren Honorare sinken die Einnahmen in einigen Praxen. Krankenkassen und Politiker kritisieren die Ärzte: Noch stehe gar nicht fest, was sie wirklich verdienten.

(wie) 1300 Patienten betreut Martin Dieudonné pro Quartal. Für jeden Patienten bekommt der Trierer Hausarzt rund 13 Euro im Monat, egal wie häufig er ihn behandeln muss. "Ich verdiene im Quartal nicht mehr als acht Euro an einem Patienten", sagt der 45-Jährige. Von der von der Politik zugesagten Honorar-Erhöhung habe er bislang noch nichts gespürt, sagt Dieudonné. Er rechnet, wie viele niedergelassene Ärzte, mit einem Minus. Von den drei Milliarden Euro, die die Politik für die bessere Vergütung der Ärzte zur Verfügung gestellt hat, komme bei vielen nichts an, kritisieren die Mediziner. Einige weigern sich, Patienten zu behandeln.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) hat kein Verständnis für die Proteste. Die rheinland-pfälzischen Ärzte erhielten 112 Millionen Euro mehr als vor zwei Jahren, sagte Dreyer im Gespräch mit unserer Zeitung. "Ich appelliere an die Ärzte, ihren Verteilungskampf nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen." Einige Arztgruppen hätten bereits in den vergangenen Jahren durch Änderungen im Honorarsystem deutliche Einkommens-Zuwächse gehabt. Auch die Krankenkassen warnen vor überzogenen Protesten der Ärzte. Es sei noch offen, wie sich die Honorar-Reform auswirke, sagt Armin Lang, Chef des Ersatzkassenverbandes Rheinland-Pfalz. "Das Jammern der Ärzte ist unberechtigt."

Innerhalb der Ärzteschaft tobt zudem ein Streit um die Zukunft der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Der Vorsitzende der KV Bayern, Axel Munte, sieht die eigene Standesvertretung als "Sinnbild des gierigen Arztes". Notfalls müsse sie aufgelöst werden.
Malu Dreyer stellt sich heute, 15 Uhr, in der Ärztekammer Trier (Balduinstraße, Nähe Hauptbahnhof) einer öffentlichen Diskussion mit Ärztevertretern zu dem Thema "Gefährdung der Patientenversorgung".

Die TV-Reporter Dieter Lintz und Bernd Wientjes berichten in der Freitagausgabe des TV in einer großen Reportage über den Alltag von zwei niedergelassenen Ärzten.