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Der Flughafen Hahn hat laut Geschäftsbericht sein Minus im Jahr 2018 verringert.

Luftverkehr : Noch keine Kehrtwende in Sicht

Der Flughafen Hahn hat laut Geschäftsbericht sein Minus im Jahr 2018 verringert. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn tatsächlich ist das Defizit höher als prognostiziert. Und die Aussichten werden wohl auch nicht besser.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob der Flughafen Hahn unter chinesischer Führung die Kehrtwende geschafft habe. 2018 hat der Hunsrückflughafen laut des kürzlich im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsberichts sein Defizit vom 17,2 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 5,1 Millionen Euro verringert. Seit 2015 gehört der Flughafen mehrheitlich der chinesischen HNA Airport Group. Diese hatte die Anteile des Landes Rheinland-Pfalz von 82,5 Prozent für rund 15 Millionen Euro gekauft. Das Land Hessen hält weiter 17,5 Prozent am Hunsrückflughafen.

Bei näherer Betrachtung des Geschäftsberichts zeigt sich jedoch, dass die Zahlen nicht ganz so glänzend sind und dass der Hahn noch weit weg ist von einem rentablen Unternehmen. Denn laut des Jahresabschlusses hat das Land der Flughafengesellschaft eine Betriebsbeihilfe von rund sieben Millionen Euro gewährt. Zusammen mit dem auch in den Jahren zuvor gezahlten Sicherheitskostenzuschuss etwa für die Flughafenfeuerwehr beläuft sich die finanzielle Unterstützung des Landes für den Hahn im Jahr 2018 auf etwas mehr als zehn Millionen Euro. Zieht man diese Beihilfen ab, beläuft sich der Verlust des Flughafens für das Geschäftsjahr auf über 15 Millionen Euro. Geplant war für 2018 laut der nun veröffentlichten Bilanz ein Minus von 12,5 Millionen Euro. Das geringere Defizit habe durch höhere als geplante Erträge verbessert werden können, heißt es in dem Bericht.

„Auch nach der Privatisierung fährt der Hahn Jahr für Jahr massive Verluste ein, die nun durch Zahlungen aus dem Landeshaushalt gedrückt werden“, kritisiert der Vize der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Licht. Bislang sei nicht erkennbar, wie die Vorgaben der EU-Kommission erfüllt werden sollen. Danach muss der Hahn bis 2024 schwarze Zahlen schreiben und ohne staatliche Beihilfen auskommen.

Auffallend im Geschäftsbericht ist, dass HNA 2018 gerade mal 700 000 Euro in den Hahn investiert hat. Das sind rund fünf Millionen Euro weniger als 2017. Das Land hat sich beim Verkauf verpflichtet, bis 2024 Investitionsbeihilfen in Höhe von insgesamt bis zu 22,6 Millionen Euro zu gewähren. Falls investiert wird und HNA die Beihilfen beantragt. Bislang seien jedoch keine Auszahlungen erfolgt, sagt ein Sprecher des zuständigen Innenministeriums auf Anfrage unserer Zeitung.

Warum nicht mehr in den Hahn investiert wird, ist unklar. Die Flughafengesellschaft hat entsprechende Fragen des TV nicht beantwortet. Auch zu dem nun veröffentlichten Geschäftsbericht und zu den Zahlen des vergangenen Jahres gab es trotz Anfrage keine Reaktion seitens der Hahn-Verantwortlichen. Es ist nicht das erste Mal, dass Presseanfragen von der Flughafengesellschaft nicht beantwortet werden.

Laut der Bilanz geht HNA für das vergangene Jahr von einem Minus von 12,7 Millionen Euro aus. Die Flughafengesellschaft soll den „veränderten Marktbedingungen“ angepasst werden, heißt es in dem Bericht. Unter anderem ist von einer Überprüfung des Geschäftsmodells die Rede. „Dies soll dazu beitragen, dass die Vorgaben der EU-Leitlinien erfüllt werden.“ Wie das neue Geschäftsmodell aussehen soll, wird allerdings nicht erläutert. Die Zahlen für 2019 sind noch nicht veröffentlicht.

Fakt ist: Die rückläufigen Passagierzahlen belasten weiterhin die Bilanz des Flughafens. Im vergangenen Jahr lag die Zahl bei rund 1,5 Millionen, 2018 waren es knapp über zwei Millionen. Seit 2015 hat der Hahn über eine Million Passagiere eingebüßt. Zwar konnte in der Zeit bis 2018 das Frachtaufkommen um fast 100 000 Tonnen gesteigert werden. Allerdings gingen die Zahlen im vergangenen Jahr wieder etwas zurück.

Der Hahn stecke weiter in schweren Turbulenzen, sagt Licht. „Eine Trendumkehr ist nicht erkennbar.“ Dies belegt auch eine sogenannte Patronatserklärung der Muttergesellschaft der HNA Airport Goup. Laut Geschäftsbericht hat sich der chinesische Konzern HNA verpflichtet für die Flughafengesellschaft einzustehen.

Durch ein Darlehen des Mehrheitsgesellschafters von 28,6 Millionen Euro sei die Liquidität der Flughafengesellschaft gesichert, heißt es in der Bilanz. Bislang seien davon 5,2 Millionen Euro in Anspruch genommen worden. Diese sollen bis Januar kommenden Jahres zurückgezahlt werden.

CDU-Fraktionsvize Licht will von der Landesregierung wissen, wie sie die Entwicklung auf dem Hahn beurteilt. „Die Landesregierung und damit die Steuerzahler sind trotz Verkauf weiter im Boot“, warnt der Politiker.