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Der Hafen Trier feiert sein 55-jähriges Bestehen

Verkehr : Die Logistik-Drehscheibe an der Mosel

Der Hafen Trier feiert in diesem Jahr sein 55-jähriges Bestehen. Rund 2500 Menschen arbeiten im Hafen- und Güterverkehrszentrum.

Der Hafen Trier ist der einzige öffentliche Binnenhafen an der Mosel. Als Umschlagsplatz für viele Güter nimmt er in der Region eine besondere Stellung ein. Vor allem können Transporte über Flüsse auch die Umwelt entlasten. Mit dem Geschäftsführer der Hafengesellschaft, Volker Klassen sprach TV-Redakteur Heribert Waschbüsch. Trotz der Corona-Krise ist nämlich 2020 für den Hafen ein besonderes Jahr.


Welche Aufgaben übernimmt der Trierer Hafen als Logistikdrehscheibe?

Klassen: Der Hafen Trier mit seinen Partnern versteht sich als Logistikdrehscheibe der Region Trier. Wir verknüpfen in idealer Weise die Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasserstraße zum Vorteil der Kunden und der Umwelt.

Welche Bedeutung hat die Containerzugverbindung Trier – Antwerpen für die Entwicklung des Hafens?

Klassen: Das Ziel, als Hafen auch für die Containerverkehre in der Region eine Drehscheibe zu werden, konnten wir mit unserem Partner „Am Zehnhoff-Söns Multimodal Terminal Trier“ erreichen. Das Unternehmen ist seit 2015 unser Vertragspartner und betreibt sowohl eine Schifffahrtslinie zwischen Trier und Bonn als auch eine Zugverbindung in die Seehäfen Antwerpen und Rotterdam. Die Verbindung nach Rotterdam läuft seit Januar 2017 mit zunächst einer Abfahrt pro Woche, welche im Oktober 2017 auf zwei Abfahrten gesteigert wurde.

Im Januar 2019 konnte mit Antwerpen der zweite wichtige Seehafen für die Region Trier in den Zugverkehr eingebunden werden. Seit Februar 2020 verkehren drei Züge je Woche.

Das abgelaufene Jahr 2019 hat der Hafenbahn im Hafen Trier insgesamt ein Rekordergebnis beschert. Neben dem Stahlwerk hat hierzu die Containerzuglinie einen wesentlichen Anteil geliefert.

Welche Unternehmen sind im Trierer Hafen angedockt und welche Bedeutung haben sie?

Klassen: Die wichtigsten im Hafen Trier angesiedelten Unternehmen sind: VARO Tanklager, Steil-Gondert, Remondis, DB-Schenker, Comes, Stahlwerk, Spedition Bayer, GKN, Westrock, ART GmbH, Am Zehnhoff, Basalt und Kran-Steil. Für den Schiff- und Bahnverkehr wichtig sind: Tanklager, Steil-Gondert, Am Zehnhoff, Stahlwerk, GKN und Spedition Bayer.

Die Corona-Krise hat große Teile der Wirtschaft lahmgelegt. Wie sieht das beim Trierer Hafen aus?

Klassen: Der abgelaufene Monat März hat für die beiden Verkehrsträger Bahn und Binnenschiff eine normale Entwicklung gezeigt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Auswirkungen der Corona-Krise in den kommenden Wochen deutlich zeigen werden. Eine genaue Prognose ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt mehr als schwierig. Die angesiedelten Logistikunternehmen arbeiten derzeit noch ohne Unterbrechung und stellen damit u.a. die Versorgung der Bevölkerung sicher.

Die Heizölpreise halten sich seit Wochen auf niedrigem Niveau. Bemerken Sie das auch im Hafen?

Klassen: Der im Vergleich zum Jahresanfang deutlich gesunkene Heizölpreis ist im Umschlag des Tanklagers deutlich spürbar. Dieser ist im März 2020 deutlich gestiegen. Die Verbraucher ordern derzeit und füllen ihren Vorrat auf. Wobei aber auch klar ist, dass sich die Umsätze im Herbst 2020 dann relativieren werden.

Was sind die wichtigsten Güter, die im Trierer Hafen umgeschlagen werden?

Klassen: Die wichtigsten Massengüter für die Verkehrsträger Schiff und Bahn sind: Heizöl, Diesel, recyceltes Metall, Holz, Drahtrollen und Sand.

Der Inhalt in den Containern ist uns nur teilweise bekannt. Die bekannten zeigen eine bunte Vielfalt an Produkten. Zu nennen sind zum Beispiel Wein und medizinische Geräte sowie Konsumgüter.

Können Sie etwa sagen, wie viele LKW diese Güter sonst transportieren müssten? Mit Blick auf die Umweltbelastung ist der Gütertransport über Flüsse doch eine große Umweltentlastung?

Klassen: Das Binnenschiff verfügt über die Kapazitätsreserven, die für einen umweltgerechten Transport gebraucht werden. Im Durchschnitt transportieren die im Hafen Trier be- und entladenen Schiffe eine Tonnage von rd. 1800 Tonnen. Hierfür benötigen Sie 100 LKW zum Transport über die Straße.

Allerdings verteufeln wir nicht den LKW. Wir sagen für die lange Distanz das Binnenschiff oder den Zug und für die kurze Distanz (letzte Meile) den LKW!

Wie sieht derzeit der Arbeitsablauf im Hafenbetrieb aus? Wie viele Menschen arbeiten dort? Welchen Einfluss hat die Corona-Krise?

Klassen: Wie bereits beschrieben, hat die Corona-Krise im März 2020 für den Hafenbetrieb noch keine wesentlichen Einschränkungen gebracht. Über den eigentlichen Hafenbetrieb hinaus haben jedoch einige Unternehmen, zum Beispiel GKN, den Betrieb reduziert. Ich hoffe, dass es nun im Mai und Juni wieder in Richtung Normalbetrieb geht. Insgesamt sind bei den über 40 Unternehmen im Hafen- und Güterverkehrszentrum Trier mehr als 2500 Menschen beschäftigt.

In welchem Ausmaß die Corona-Krise den Hafenbetrieb zukünftig belasten wird, hängt ganz entscheidend vom Fortgang der Krise ab.

Vor zwei Jahren hat das Niedrigwasser die Geschäfte der deutschen Häfen beeinträchtigt. Wie sehen Sie die mittelfristige Entwicklung des Logistikzentrums?

Klassen: Auf der einen Seite könnte der Hafen dazu beitragen, die Umweltbelastung und den CO2-Ausstoß zu senken, auf der anderen Seite könnte der Klimawandel aber auch die Geschäfte schwieriger machen.

Wir verstehen uns nicht ausschließlich als ,Binnenhafen mit angeschlossenem Gewerbe- und Industriegebiet, sondern als Verkehrsknotenpunkt, an dem die Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraße bestens verknüpft werden.

Hierzu halten wir Infrastruktur für alle drei Verkehrsträger vor. Somit gewährleisten wir eine Verfügbarkeit für fast alle Ereignisse. Unser Fokus liegt dabei natürlich auf dem Binnenschiff und der Bahn. Die sich in den Jahren 2018 und 2019 gleichmäßig entwickelt haben.

Zusätzlich zu den Geschäftszweigen mit direktem Hafen- und Infrastrukturbezug sind wir auch als Immobilienvermieter aktiv und vermarkten mit gutem Erfolg hauptsächlich Logistikimmobilien der ehemaligen Industriebrache Agrob.

Der Hafen besteht 2020 seit genau 55 Jahren. Eigentlich wollten Sie das Jubiläum auch groß feiern. Wenn sich die allgemeine Lage normalisiert, was haben Sie noch geplant?

Klassen: Mit der Corona-Krise im Blick lässt sich eine zuverlässige Prognose möglicher Veranstaltungen derzeit nicht abgeben.

Der Kran im Trierer Hafen kann Güter mit einem Gewicht von 47 Tonnen an den Haken nehmen. Foto: Trierer Hafengesellschaft
Fast 800 000 Tonnen Güter sind im vergangenen Jahr wasserseitig im Hafen Trier umgeschlagen worden. Fast ebensoviel wurden auf die Bahn umgeschlagen. Foto: Trierer Hafengesellschaft

Sofern wieder „größere“ Veranstaltungen möglich sind, planen wir ein Konzert mit dem Chor über Brücken im Hafen und eine Kunstausstellung „Ahoi – mach Dir ein Bild vom Hafen“ – zehn Künstler aus der Region Trier und internationale Künstler zeigen den Hafen und den Fluss aus verschiedenen Blickwinkeln und mit völlig verschiedenen Techniken und Gestaltungsformen. Derzeit arbeiten die Künstler an ihren Werken und wir gehen aktuell davon aus, dass die Veranstaltungen so bald wie möglich stattfinden können.