Jahresrückblick 2017: Der Hahn bleibt ein Sorgenkind

Jahresrückblick 2017 : Der Hahn bleibt ein Sorgenkind

Der Hunsrückflughafen ist in diesem Jahr an die chinesische HNA verkauft worden. Das Passagiergeschäft lahmt weiter. Und das Land zahlt noch bis 2024 Millionen für den angeschlagenen Airport.

Es ist ruhig geworden um den Flughafen Hahn. Zumindest nach außen hin. Nachdem der finanziell flügellahme Hunsrückairport im vergangenen Jahr hauptsächlich wegen des geplatzten Verkaufs an eine nicht existierende chinesische Firma in den Schlagzeilen war, hat er in diesem Jahr tatsächlich den Besitzer gewechselt. Seit August haben nun wirklich Chinesen das Sagen auf dem Hahn. Das Land Rheinland-Pfalz hat seine 82,5-Prozent-Anteile an dem angeschlagenen Flughafen an den Logistikkonzern HNA für 15,1 Millionen verkauft. Die restlichen 17,5 Prozent hält weiterhin das Land Hessen. Bereits im März war der Verkauf perfekt, allerdings dauerte es noch bis August, bis alle Verträge in trockenen Tüchern waren. Noch vorher, nämlich Ende Juni, schied der bisherige Flughafen-Chef Markus Bunk aus. Sein Nachfolger kommt aus China. Es ist der Präsident der HNA Airport Group, Hexin Wang.

Die chinesische Unternehmensgruppe hat in den vergangenen Jahren immer wieder Firmen aus der Flug- und Tourismusbranche eingekauft, seit Mai gehört auch die Deutsche Bank zu zehn Prozent dem Konsortium. Allerdings gibt es immer wieder Kritik an angeblichen undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen und Berichte über Finanzprobleme. Erst kürzlich hat HNA dementiert, in Nöten zu sein.

Bislang läuft die Übernahme des Hahn durch die Chinesen nach außen hin geräuschlos. Umfangreiche Umstruktrukturierungen sind bislang nicht erkennbar. Allerdings scheint sich das bislang rückläufige Frachtgeschäft langsam zu erholen. Die Flughafenverantwortlichen rechnen bis Ende des Jahres damit, wieder deutlich mehr als 100 000 Tonnen Fracht auf dem Hahn umzuschlagen. Bis Ende Oktober stieg das Frachtgeschäft um 6,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Was auch an der Rückkehr der ursprünglich unter dem Namen Yangtze River Express vom Hahn gestarteten Frachtfluggesellschaft liegt. Bis 2015 flog diese vom Hunsrück aus, bevor sie den Abflug nach München machte. Seit August startet die zu HNA gehörende Gesellschaft wieder vom Hahn, unter dem Namen Suparna.

Düsterer sieht es bei den Passagierzahlen aus. Nach 2,6 Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr wird für dieses Jahr mit maximal 2,4 Millionen Passagieren im Hunsrück gerechnet. Die Aufnahme der angekündigten regelmäßigen Passagierflüge nach China lässt auf sich warten. Derzeit gibt es dafür keine freien Flugrechte in Deutschland. Auch Platzhirsch Ryanair ist ein Unsicherheitsfaktor. Die irische Fluggesellschaft hat in diesem Jahr ihr Angebot auf den jeweils 100 Kilometer entfernten Flughäfen Frankfurt und Luxemburg ausgeweitet. Auch in diesem Jahr hat es trotz entsprechender Ankündigungen keine zusätzliche Passagierfluggesellschaft auf dem Hahn gegeben. HNA-Sprecher Christoph Goetzmann machte allerdings immer wieder deutlich, dass selbst mit zusätzlichen Passagier- und Frachtflügen der Hahn allein nicht aus der finanziellen Schieflage gerettet werden kann. Immer wieder hat er betont, dass der Sanierungsstau 50 bis 70 Millionen Euro betrage. Trotz des Verkaufs steckt das Land weiterhin Millionen in den defizitären Flughafen, bis 2024 zahlt Rheinland-Pfalz noch über 70 Millionen Euro für Zuschüsse zu Investitionsbeihilfen.

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