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Umwelt
Der lange Weg des gefährlichen Uranerzes

Transporte wie dieser vor gut vier Jahren kommen immer wieder vor: Ein Atomzug fährt durch Trier-Ehrang.
Transporte wie dieser vor gut vier Jahren kommen immer wieder vor: Ein Atomzug fährt durch Trier-Ehrang. FOTO: g_pol3 <tdt@volksfreund.de>
Warum die Transporte quer durch Deutschland  gehen, statt den Stoff direkt per Schiff nach Frankreich zu bringen. Von Bernd Wientjes

Narbonne liegt in Südfrankreich, direkt am Mittelmeer. Einen größeren Hafen hat die 50 000-Einwohner-Stadt nicht. Der nächste Überseehafen liegt im rund 250 Kilometer entfernten Marseille. Der dortige Europort ist der viertgrößte Hafen Europas. Täglich legen dort große Container-Schiffe an. Trotzdem wird das Uranerzkonzentrat, das in einer Fabrik in Narbonne in Urantetrafluorid umgewandelt wird, um es später in Brennelementen von Kernkraftwerken zu verwenden, per Schiff etwa aus Namibia nach Hamburg transportiert. Dort werden die Container dann auf einen Zug umgeladen, der quer durch Deutschland (unter anderem an der Mosel entlang, durch Cochem, Trier, Konz, Nittel und Perl) und Frankreich bis nach Narbonne fährt – wie am vergangenen Wochenende. Über 1500 Kilometer beträgt die Entfernung.

Warum aber wird das Uranerzkonzentrat, das in Minen abgebaut wird, nicht direkt per Schiff nach Frankreich gebracht? Die Umweltschutzorganisation Robin Wood in Hamburg vermutet, dass der Grund dafür bei der Reederei Macs liegt. Diese hat ihren Sitz in Hamburg und bietet laut ihrer Internetseite Linienverbindungen für Frachttransporte nach Afrika an. Immer wieder werden Schiffe dieser Reederei in Verbindung gebracht mit Uranerz-Transporten nach Hamburg. Der dortige Hafen hat eine Genehmigung für den Umschlag radioaktiver Stoffe, auch wenn das Uranerz eher schwach radioaktiv ist. Das Gefährliche an dem Konzentrat ist, dass es mit Sauerstoff reagieren und dann zu Umweltschäden führen kann. Die Züge, mit denen das Uranerz transportiert wird, gelten als ganz normale Gütertransporte. Auch der, der am Wochenende durch die Region gerollt ist. Atomgegner hatten die Bahnstrecke bei Winningen blockiert und so den in Koblenz wartenden Zug zunächst an der Weiterfahrt gehindert (der TV berichtete).

Die Container mit dem Uranerzkonzentrat würden im Laufe der Fahrt mehrmals um- und mit anderen Containern zusammengekoppelt, sagte eine der Teilnehmerinnen der Protestaktion vom Samstag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Nach unseren Beobachtungen ist immer weiteres Gefahrgut dabei, wie Propan, Benzin und Chemikalien.“

Genehmigt werden die Transporte vom Eisenbahnbundesamt. Nach Beobachtungen von Atomgegnern gehen mehrmals im Monat solche Urantransporte per Zug durch Deutschland und die Region Trier. Allerdings, so die Atomgegnerin, komme das in Frankreich in chemischen Prozessen umgewandelte Uranerzkonzentrat zumeist wieder zurück nach Deutschland, um etwa in der Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau weiterverarbeitet zu werden. Diese Transporte erfolgen dann per LKW und wieder quer durch Frankreich und Deutschland.