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Gesellschaft : Der lange Weg in die Normalität

Gesellschaft : Der lange Weg in die Normalität

Es wird über verschiedene Wege aus der Ausnahmesituation diskutiert. Klar ist nur: Einschränkungen wird es noch monatelang geben.

„Es sollte aber deutlich gemacht werden, dass ‚Business as usual’, d.h. sich schnell wieder so zu verhalten, wie vor dem Ausbruch des Coronavirus, zu Zeiten einer Pandemie nicht nur potenzielle Selbstbeschädigung ist, sondern bewusst die Schädigung anderer in Kauf nimmt und entsprechend geahndet werden muss.“ Es sind deutliche, mahnende Worte, die Forscher verschiedener Disziplinen in einem Positionspapier finden, in dem es um eine „tragfähige“ Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie geht. Kernaussage des Papiers ist es, dass allenfalls eine schrittweise Lockerung der derzeit rigiden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Ausbreitung möglich ist. Und dass die Bürger über Monate mit weiteren Einschränkungen leben müssen. Strikte Maßnahmen müsse es aber etwa beim Besuch von Risikopersonen geben.

Das für die Seuchenbekämpfung zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) betrachtet als solche Risikopersonen, bei denen die Gefahr besteht, dass eine Corona-Infektion einen schweren Verlauf nehmen kann, alle Menschen ab 50 Jahre. „Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken“, heißt es auf der Internetseite des RKI. Auch verschiedene Grunderkrankungen wie  etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebs könnten laut RKI unabhängig vom Alter das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Corona-Infektion  erhöhen.

Mediziner wie der Trierer Facharzt für Geriatrie, Thomas Biundo, plädieren dafür, diese Personen auch über eine mögliche Lockerung der Maßnahmen hinaus weiter zu schützen. „Das Beste wäre bis es ein wirksames Medikament oder eine Impfung gibt“, sagt Biundo.

Die Autoren des Positionspapiers gehen davon aus, dass nicht vor 2021 mit „einer wirksamen Impfung oder mit einer akut wirksamen Therapie“ zu rechnen sei und die Pandemie bis weit ins nächste Jahr reichen werde. Forscher um den Präsidenten des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, halten es auch für möglich, dass die Maßnahmen regional unterschiedlich gelockert werden, abhängig von der Zahl der Infizierten und der bestehenden Krankenversorgung.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rechnet nicht damit, dass sich das Leben in Kürze wieder komplett normalisieren werde. Es werde beispielsweise nicht so schnell wieder möglich sein, zu Großveranstaltungen zu kommen, sagte Dreyer am Mittwoch in Mainz.  Sie hält es jedoch für denkbar, dass kleinere Läden wieder öffnen dürfen – unter der Bedingung, dass dort Abstandsregeln eingehalten werden. Noch müsse aber abgewartet werden, so Dreyer. Das Virus sei „ein starker Gegner“.

Wie die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen und der Kontaktsperren aussehen werden und wann es diese gibt, ist bislang unklar. Wahrscheinlich ist aber, dass das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit verpflichtend werden könnte. Auf diese Weise könnten dann auch Treffen kleinerer Gruppen wieder erlaubt werden.

Welche Rolle die Handy-Überwachung über sogenannte Tracking-Apps bei der Diskussion über eine Exit-Strategie spielt, ist noch nicht ganz klar. Das RKI hat am Dienstag eine App freigeschaltet, mit der Daten von Fitnessarmbändern und Smartwatches gesammelt werden sollen. Bestimmte Daten wie etwa Schlafrhythmus, Puls und Atemfrequenz können Hinweise auf Symptome einer Infektion mit COVID-19 liefern.  Zusammen mit Daten aus anderen Quellen sollen die Daten der Fitnessuhren dem RKI helfen, die Ausbreitung des Coronavirus besser zu erfassen und zu verstehen. Es geht bei der Corona-Datenspende-App – wie sie offiziell heißt – allerdings nicht darum, Infizierte oder deren Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Generell könne eine App hilfreich bei der Eindämmung des Corona-Virus sein, sagt Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer. Die RKI-App scheint ihm jedoch technisch noch nicht komplett ausgereift. „Je besser eine solche App jedoch einsetzbar ist, desto hilfreicher ist sie.“ Wichtig sei natürlich auch, dass die Datenschützer ihre Zustimmung dafür gäben. „Es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um die Chancen der Digitalisierung zum Schutz unserer Gesundheit zu nutzen“, so Matheis.

Luxemburg setzt bei seiner Exit-Strategie auf die Testung eines repräsentativen Anteils der Bevölkerung. Mit dem großangelegten Bluttest soll die tatsächliche Verbreitung des Corona-Virus nachgewiesen werden und wie hoch der Anteil derjenigen ist, die immun dagegen sind (der TV berichtete). 1500 Luxemburger sollen in den nächsten Tagen getestet werden.