| 19:15 Uhr

Medizin
Der Region Trier gehen bis zum Jahr 2022 die Ärzte aus

Landärzte gesucht: In Rheinland-Pfalz drohen bis 2022 massive Engpässe in der ärztlichen Versorgung.
Landärzte gesucht: In Rheinland-Pfalz drohen bis 2022 massive Engpässe in der ärztlichen Versorgung. FOTO: Armin Weigel / dpa
Trier/Mainz. Das Gesundheitsministerium und Verbände schnüren ein Paket, das Mediziner aufs Land locken soll. Kritikern fehlt es an ausreichend Studenten und Signalen vom Bund. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm wartet seit einigen Wochen mit einem Konzept auf, um den Ärztemangel zu bekämpfen. 234 Ortsbürgermeister sollen prüfen, ob Exil-Eifeler als Mediziner in ihre Heimat zurückkehren wollen. Denn nicht nur in der Eifel drohen bald massive Engpässe, wenn es um die ärztliche Versorgung auf dem Land geht. Im Raum Trier müssen bis zum Jahr 2022 insgesamt 183 Hausärzte und 298 Fachärzte nachbesetzt werden, schätzt die Kassenärztliche Vereinigung in Rheinland-Pfalz. Deren Vorsitzender Peter Heinz geht davon aus, dass landesweit bis dahin mehr als die Hälfte aller Hausärzte aufhören wird. Der einfache Grund: Sie kommen in die Jahre. 178 Haus­ärzte in der Region sind schon jetzt älter als 55 Jahre, 68 haben bereits das sechzigste Lebensjahr überschritten.

Gemeinsam mit Medizinerverbänden schnürt das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium nun ein Paket, um Ärzte aufs Land zu locken. Das Land will stärker Medizinstudenten fördern, die sich für Allgemeinmedizin entscheiden. Ausweiten will es die Zuschüsse für neue Hausärzte, denen die Niederlassung mit bis zu 15 000 Euro versüßt wird. 97 Verbandsgemeinden profitieren bislang von dem Programm, in das seit 2011 gut 1,3 Millionen Euro geflossen sind, sagt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Zwölf Millionen Euro stellt die Kassenärztliche Vereinigung in diesem Jahr in ihren Haushalt ein, um Ärzte für Förderregionen zu gewinnen und sie weiterzubilden.

Die Landesärztekammer kritisiert dagegen, es fehle an ausreichend Studenten. Hauptgeschäftsführer Jürgen Hoffart fordert, die Zahl der Uniplätze in Medizin in Rheinland-Pfalz um mindestens zehn Prozent zu steigern. Er moniert, dass die vom Land angedachte regionalere Ausbildung, bei der Studenten Praxiserfahrung in Kliniken in Trier und Koblenz sammeln sollen, nicht mit mehr Uni-Plätzen einhergehen soll. Bätzing-Lichtenthäler schließt es nicht aus, Uni-Plätze aufzustocken, sieht damit aber nicht das Problem behoben.

CDU-Landeschefin Julia Klöckner spricht sich dafür aus, schleunigst Uni-Plätze zu erweitern und Stipendien für Landarzt-Programme auszuschreiben. Im Bund will die große Koalition – sofern sie zustande kommt – mehr Landärzte und Studienplätze. Peter Heinz von der Kassenärztlichen Vereinigung kritisiert die Pläne als „zu schwammig“.

Landesärztekammer kritisiert Rheinland-Pfalz dafür, zu wenig junge Mediziner auszubilden

Politik läuft Gefahr, den Ärztemangel zu verschlafen