| 16:12 Uhr

Verkehr
Kostenloses Busfahren: Trier will Modellstadt werden

Symbolbild.
Symbolbild. FOTO: Roland Morgen / roland morgen (rm.) - roland morgen (rm.)
Trier .. Der Trierer Oberbürgermeister Leibe findet kostenlose Busse und Bahnen gut, aber wer soll das bezahlen? Der Verkehrswissenschaftler Monheim fordert eine Nahverkehrsabgabe für alle Bürger. Von Bernd Wientjes

Der Trierer Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim hält kostenlosen Nahverkehr grundsätzlich für machbar. Er schätzt, dass bundesweit kostenlose Busse und Bahnen 32 Milliarden Euro kosten würden, inklusive zusätzlicher Fahrzeuge, die aufgrund der gestiegenen Nachfrage notwendig seien.

Die Bundesregierung hat der EU-Kommission vorgeschlagen, in fünf Städten kostenlosen Nahverkehr zugunsten besserer Luft zu testen.

Monheim nennt den Vorschlag „dilettantisch“. Es sei nicht ausreichend, kostenloses Bus- und Bahnfahren nur in fünf Städten zu testen. „Das bringt nichts für sauberere Luft“, sagt der Experte. Eine Finanzierung sei machbar unter anderem durch die Abschaffung der Steuervergünstigung für Diesel und Dienstwagen. Allein dadurch verschenke der Bund jährlich rund elf Milliarden Euro. Statt eines steuerfinanzierten kostenlosen Nahverkehr favorisiert Monheim allerdings ein sogenanntes Bürgerticket. Finanziert werden soll es durch eine Nahverkehrsabgabe, die alle Bürger zahlen müssten.

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hält nichts vom Vorschlag der Bundesregierung. „Ein absurder, milliardenteurer Vorschlag. Kostenlos ist nicht kostenfrei“, sagte Wissing unserer Zeitung. „Wenn die Nutzer nicht zahlen, müssen es die Steuerzahler und damit die Arbeitnehmer sowie Unternehmen im Land finanzieren.“ Die rheinland-pfälzischen Grünen, die gemeinsam mit FDP und SPD regieren, sind jedoch anderer Meinung. Kostenloser Nahverkehr sei „eine wichtige Stellschraube für saubere Mobilität“, sagt Grünen-Fraktionsvize Jutta Blatzheim-Roegler. Das sieht auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe so: „Einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr würde ich begrüßen – aber wir als Kommunen könnten das finanziell nicht stemmen.“ Trier stelle sich gerne auch als Modellstadt für den angekündigten Versuch zur Verfügung. Der rheinland-pfälzische Gemeinde- und Städtebund hält einen kostenlosen Nahverkehr erst innerhalb mehrerer Jahrzehnte für realisierbar. Zunächst müsse das Bus- und Bahnangebot attraktiver werden und zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden, sagt Gemeindebunds-Geschäftsführer Karl-Heinz Frieden. „Wer den öffentlichen Nahverkehr benötigt, sollte dafür nach individueller Nutzung zahlen“, meint der Präsident des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes, Rainer Brüderle. Was nichts koste, werde nicht wirklich wertgeschätzt, so Brüderle.

Laut Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm und Vorsteher des Zweckverbandes Verkehrsverbund Region Trier, kostet der Nahverkehr in der Region jährlich rund 30 Millionen Euro. Wenn Busse und Bahnen kostenlos genutzt werden sollen, müsse der Bund diese Kosten dann auch übernehmen.

Auch in Luxemburg hält man einen landesweiten kostenlosen Nahverkehr für nicht finanzierbar. Verkehrsminister François Bausch sagte kürzlich, dass dies den Staat jährlich 30 Millionen Euro mehr kosten würde. Bislang sind Busse nur samstags in der Hauptstadt kostenlos. Allerdings ist der Nahverkehr im Nachbarland hoch subventioniert.

Allein den Busverkehr fördert der Staat jährlich mit über 150 Millionen Euro. Daher sind Busse und Bahnen in Luxemburg relativ günstig. Vier Euro kostet ein Tagesticket für das ganze Land. Zum Vergleich: Ein Einzelfahrschein von Trier nach Prüm kostet 12,60 Euro.