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Verkehr
Die Bahn kommt – aber oft viel zu spät

„Später“, „Verzögerung“, „Ersatzzug“, „Zug fällt aus!“: Zum Ärger vieler Fahrgäste kommt es bei der Bahn immer wieder zu Verspätungen.
„Später“, „Verzögerung“, „Ersatzzug“, „Zug fällt aus!“: Zum Ärger vieler Fahrgäste kommt es bei der Bahn immer wieder zu Verspätungen. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Trier. Unternehmen müssen Strafgelder für ausgefallene Züge zahlen. Chaos auf der Eifelstrecke sorgt für Ärger. Von Bernd Wientjes

Bernhard Henter fährt häufig mit dem Zug. Zumeist von seiner Heimatstadt Konz nach Mainz. Dort ist er Abgeordneter im Landtag. Daher kennt der CDU-Politiker die Probleme, die Bahnfahrer haben. Und immer wieder thematisiert Henter diese auch. Mal sind es die schlecht aufeinander abgestimmten Verbindungen der Züge von Mainz nach Koblenz – und von dort weiter nach Trier. Mal ist es die insgesamt schlechte Bahnanbindung der Region Trier.

Henter hat kürzlich wieder eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Darin geht es um die seiner Meinung nach „absolute Überfüllung“ der Regionalexpresszüge an Sonntagen von Konz nach Koblenz. An einem Sonntag Anfang November seien alle Sitzplätze „restlos besetzt“ gewesen, und in den Gängen hätten Fahrgäste „in drei Reihen gedrängt“ stehen müssen. Diese Situation, so Henter in seiner Anfrage, sei nach Auskunft eines Zugbegleiters keine Ausnahmesituation, sondern stelle sich jeden Sonntag so dar.

Noch hat der CDU-Politiker keine offizielle Antwort der Landesregierung. Doch der Geschäftsführer des für die Regionalzüge in der Region zuständigen Zweckverbands SPNV Nord, Thomas Geyer, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es zwischen Mannheim und Saarbrücken vor allem an  Wochenenden „mehr oder weniger regelmäßig“ zu Überlastungen der Regionalexpresszüge komme. Grund dafür seien oftmals Fernverkehrszüge, die zwischen Mannheim und Saarbrücken ausfielen. Betroffene Fahrgäste stiegen dann auf den Regionalexpress um.

Ansonsten, so Geyer, gebe es in den Zügen in der Region Trier kaum Kapazitätsengpässe. Zu Beschwerden komme es immer dann, wenn etwa die Bahn „vertragswidrig“ zu kleine Zugeinheiten einsetze. Das, so geht aus den wiederholten Beschwerden von Bahnfahrern hervor, geschieht fast täglich auf der Eifelstrecke.

Immer wieder berichten betroffene Kunden von völlig überfüllten Zügen. Die Bahn gibt zu, derzeit massive Probleme auf der Strecke zwischen Trier und Köln zu haben. Weil Züge defekt sind und wegen technischer Fehler und erforderlicher Nachrüstungen nach und nach in die Werkstatt müssen, fehlt es an ausreichenden Fahrzeugen. Daher fahren viele Züge mit verkürzten Einheiten oder fallen aus. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden führt das auf der Strecke nach und von Köln zu teils chaotischen Zuständen. In diesem Jahr sind laut Bahn nur 88,41 Prozent der Züge auf der Eifelstrecke pünktlich. Das heißt, dass sie nicht mehr als fünf Minuten verspätet sind.

Falls es zu massiven Verspätungen oder Zugausfällen kommt, werden die jeweiligen Bahnunternehmen zur Kasse gebeten. Oder besser gesagt: Sie bekommen für die „Schlechtleistung“, wie Geyer sagt, weniger Geld von den Auftraggebern. Für den Bahnverkehr in der Region ist das der Zweckverband SPNV Nord. Zu den verminderten Zahlungen kann es laut dem Zweckverbands-Geschäftsführer zusätzlich noch Vertragsstrafen geben, dann nämlich, wenn die sogenannten Schlechtleistungen durch das jeweilige Unternehmen verursacht worden sind. Wenn es also aufgrund von Personalmangel zu einem Zugausfall kommt.

Im vergangenen Jahr haben die in der Region fahrenden Bahnunternehmen dem SPNV Nord 4,3 Millionen Euro zahlen müssen. Die Hälfte dieser Strafgelder ist deshalb fällig geworden, weil Züge unpünktlich waren.