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Betrugsmasche
Die Gutgläubigkeit ausgenutzt

Vor dem Trierer Landgericht hat der Prozess gegen drei Männer begonnen, die zu einer Bande gehören sollen, die als falsche Polizisten Senioren abgezockt haben sollen.
Vor dem Trierer Landgericht hat der Prozess gegen drei Männer begonnen, die zu einer Bande gehören sollen, die als falsche Polizisten Senioren abgezockt haben sollen. FOTO: Bernd Wientjes
Trier. Die Bande der falschen Polizisten hat sich offenbar gezielt Senioren als Opfer ausgesucht. Von Bernd Wientjes

Er sei von der Polizei, sagte der Anrufer am Telefon. Und beim Blick auf die Nummernanzeige war das durchaus glaubwürdig. Denn entweder wurde die Telefonnummer der örtlichen Polizei angezeigt – oder die Notrufnummer 110, allerdings mit Vorwahl. Der Anrufer hat die richtige Telefonnumer missbraucht. Relativ einfach möglich ist dieses sogenannte Spoofing durch entsprechende Angebote im Internet. Dadurch wird die wirkliche Telefonnummer des Anrufers durch eine andere, tatsächlich existierende ersetzt. In dem Fall durch die der Polizei. Vielleicht haben die angerufenen Senioren auch gar nicht so genau hingeschaut. Immerhin haben sie geglaubt, ein wirklicher Polizist rufe sie an. Und dieser teilt ihnen mit, die Polizei sei einer Diebesbande auf der Spur, die bei dem Angerufenen einbrechen wolle. Daher sollte der Betroffene der Polizei alle seine Wertgegenstände und sein Bargeld übergeben.

Die angerufenen Senioren sollten ihr Geld, ihren Schmuck und andere wertvolle Gegenstände verpacken und zu einem bestimmten Zeitpunkt vor die Tür, in den Hausflur oder in den Vorgarten stellen, hieß es am Telefon weiter. Ein Polizist, der wegen der Ermittlungen unerkannt bleiben müsse, hole die Umschläge oder Päckchen dann ab.

Nicht wenige Menschen sind offenbar auf diese doch sehr merkwürdige Geschichte hereingefallen. Ein Mann aus Schweich (Kreis Trier-Saarburg) rückte in seiner Gutgläubigkeit den falschen Polizisten 25 000 Euro heraus, eine Frau aus Züsch (Trier-Saarburg) wurde auf diese Art um 11 000 Euro erleichtert.

Die Opfer waren womöglich gezielt ausgesucht worden. Die Anrufer wählten zumeist kurze Telefonnummern aus, die darauf hindeuten, dass die Besitzer diese schon länger haben und dass damit die Chance groß ist, dass es sich um Senioren handelt. Klar ist, dass hinter den betrügerischen Anrufen eine Bande steckt. Drei ihrer mutmaßlichen Mitglieder stehen nun in Trier vor Gericht. Sie sind allerdings nicht  diejenigen, die sich am Telefon als falsche Polizisten ausgaben. Die drei Angeklagten im Alter von 23, 27 und 31 Jahren sind die Boten, die das Geld und die Wertgegenstände abholten – im Auftrag eines Unbekannten, der vermutlich von der Türkei aus agiert hat. Bei den Dreien handelt es sich um Zufallsbekannte. Der 31-Jährige und der 27-Jährige haben sich vor einiger Zeit bereits in Bernkastel-Kues kennengelernt, sich dann aus den Augen verloren und im vergangenen Herbst in Idar-Oberstein, wo beide zuletzt wohnten, wieder gesehen. Der 23-Jährige, der ebenfalls in der Nahestadt lebt, ist der private Autoschrauber des 31-Jährigen, über ihn lernt er den anderen Angeklagten kennen. Allen Dreien gemein ist, dass sie aufgrund mangelnder beruflicher Qualifikation stets finanzielle Probleme haben. Und sie haben Kinder. Außerdem sind sie vorbestraft.

Als dann der 27-Jährige dem Älteren im vergangenen November „das schnelle Geld“ verspricht, springt dieser sofort darauf an, angeblich ohne zu fragen, wie er das Geld verdienen soll. Der 31-Jährige spricht bei seinem Geständnis, in dem er alle ihm vorgeworfenen Taten zugibt – dreimal soll er beim Geldabholen dabei gewesen sein – fast pausenlos und wirkt dabei an einigen Stellen etwas naiv, vielleicht auch unglaubwürdig. Die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz lässt ihn reden, unterbricht ihn kaum. Von wem er oder der 27-Jährige per Telefon die Instruktionen beim Abholen des Geldes bekommen habe, wisse er nicht.

War es der Hintermann in der Türkei? Der 23-Jährige sagt, er habe bis zu dem Zeitpunkt, als er am 27. November vorigen Jahres in der Trierer Innenstadt zusammen mit dem 27-Jährigen von zwei Zivilpolizisten festgenommen wurde, nicht gewusst, warum er überhaupt mit diesem im Taxi von Idar-Oberstein nach Schweich unterwegs war. Angeblich habe man ihm einen Unfallwagen zeigen wollen, den der Hobby-Autoschrauber reparieren solle. Davon sei dann aber keine Rede mehr gewesen. Stattdessen habe der Mann ihn in Schweich kurze Zeit alleine gelassen, um danach mit ihm per Taxi nach Trier zu fahren.  Um so erstaunter sei er gewesen, als er nach der Festnahme gesehen habe, was der 27-Jährige in der Tasche dabei hatte: 25 000 Euro. Das Geld, das ein Mann in Schweich vor seine Wohnung zur Abholung bereitgestellt hatte.