Die Energieversorger und Kommunen bereiten sich auf Blackouts vor.

Energie : Mehr E-Autos – mehr Stromausfälle

Die Netze reichen nicht aus für Millionen von Ladestellen. Energieversorger, Städte und Kreise bereiten sich auf Blackouts vor. Experten raten privaten Haushalten, Vorsorge zu treffen.

14 Stromausfälle hat es allein vom vergangenen Donnerstag auf Freitag in ganz Deutschland gegeben. Täglich gehen irgendwo für mehrere Minuten die Lichter aus. Das zeigt anschaulich die interaktive Karte stromausfall.org im Internet.

Zuletzt traf es Anfang Februar Bitburg. 1300 Menschen waren für Minuten ohne Strom. Zwei Stürme sorgten im Januar dafür, dass in einigen Orten der Region der Strom zeitweise weg war.

Doch nicht immer ist das Wetter oder ein bei Baggerarbeiten gekapptes Kabel schuld daran. Im November vergangenen Jahres sorgte ein Kurzschluss in einem Umspannwerk dafür, dass in und um Wiesbaden Ampeln ausfielen oder Menschen in Fahrstühlen steckenblieben. Den bislang größten Stromausfall in der Region hat es 2004 gegeben. Mehr als eine halbe Million Menschen war für vier Stunden ohne Strom. Ursache war unter anderem ein Kurzschluss in einer  220 000-Volt-Leitung.

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Stromausfälle in den kommenden Jahren zunehmen wird. Mit ein Grund dafür: die zunehmende Zahl von Elektroautos. 2035 werde vermutlich mehr als jedes dritte Auto auf den deutschen Straßen elektrisch angetrieben sein, sagt David Kryszons, Sprecher des Energieversorgers Innogy in Trier. Für diese Menge an E-Autos sei das deutsche Stromnetz nicht ausgelegt.

Die Folge: „Bereits ab einer E-Auto-Quote von 30 Prozent wird es ohne Gegenmaßnahmen zu flächendeckenden Stromausfällen kommen“, sagt David Kryszons. Vereinzelt werde es schon in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu Versorgungsengpässen kommen, vor allem in städtischen Gebieten „mit einer höheren Affinität zur Elektromobilität“. Die Stadtwerke Trier (SWT) sehen sich diesbezüglich „gut“ aufgestellt. Allerdings, so SWT-Sprecher Carsten Grasmück, „können punktuelle Netzverstärkungen notwendig werden“, etwa dann, wenn in Tiefgaragen in Mehrfamilienhäusern viele Ladestellen für E-Autos errichtet würden.

Wenn man nicht gegensteuere, könne es durchaus sein, dass öfter die Lichter ausgehen, sagt auch Hermann Guss vom Institut für Zukunftsenergie und Stoffsysteme in Saarbrücken. Er geht aber nicht davon aus, dass durch mehr E-Autos und mehr private Ladestationen das Stromnetz zusammenbrechen wird. Vorher werde eher die Zahl der zusätzlichen Ladestationen begrenzt, meint der Experte.

Trotzdem bereiten sich die Kommunen auf längere Stromausfälle vor. Es gebe einen Einsatzplan, in dem alle zur Verfügung stehenden Notstromgeneratoren und deren Leistung aufgelistet seien, sagt Michael Schmitz, Sprecher der Stadt Trier. Der Kreis Vulkaneifel hat in einer Risiko-Analyse erfasst, was ein flächendeckender mehrtägiger Stromausfall bedeuten würde. Ergebnis: Der öffentliche Nahverkehr würde zusammenbrechen, weil es keinen Treibstoff mehr geben würde, da die Zapfsäulen per Strom betrieben werden. Die Gesundheitsversorgung wäre in Gefahr, da die vorgeschriebene Notstromversorgung in den Krankenhäusern nicht für mehrere Tage ausreiche. In Altenheimen werde die Lage kritisch, weil viele nicht über Stromgeneratoren verfügten. Ebensowenig wie die meisten Privathaushalte, daher würden dort Heizungen ausfallen, die Küche bliebe kalt und die Wohnung dunkel.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät den Bürgern, haltbare Essens- und Getränkevorräte für mindestens zwei Wochen im Haus zu haben, außerdem Streichhölzer, Kerzen, Taschenlampen und Batterien.

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