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Feuerwehr : Die Grenze steht Rettern oft noch im Weg

Feuerwehr : Die Grenze steht Rettern oft noch im Weg

Bei der Zusammenarbeit in Notfällen hapert es noch. Mit Luxemburg gibt es kein Abkommen für gemeinsame Rettungseinsätze.

Wenn von irgendwo in der Region die Notrufnummer 112 gewählt wird, landet der Anrufer automatisch in der integrierten Leitstelle bei der Trierer Berufsfeuerwehr. Bis zu 300 Einsätze pro Tag werden von dort koordiniert – und zwar für die komplette Region, immerhin gut 5000 Quadratkilometer groß. Von den insgesamt sieben Arbeitsplätzen aus werden nicht nur Krankentransporte und Notarzteinsätze in dem kompletten Zuständigkeitsgebiet organisiert und überwacht. Auch für die Alarmierung der Feuerwehren ist die Kommandozentrale in Trier zuständig.

Alarmiert wird nach einer bei der Leitstelle hinterlegten Alarm- und Ausrückanordnung (AAO), die es für jede größer Kommune und Verbandsgemeinde gibt. Darin ist genau festgelegt, wann welche Wehr alarmiert werden muss. Entscheidend sei die für die Feuerwehr gesetzlich festgelegte Hilfsfrist von acht Minuten, sagt Michael Schmitz, Sprecher der Stadt Trier, zu der die Berufsfeuerwehr und die Leitstelle gehören. Innerhalb von acht Minuten nach dem Eingang des ersten Notrufes muss eine Wehr am Einsatzort sein.

Doch offenbar werden dabei nicht immer automatisch auch alle am nächsten liegenden Feuerwehren alarmiert, wie sich am Wochenende in Lorscheid (Trier-Saarburg) bei dem tödlichen Wohnhausbrand und bei zwei Bränden in Freudenburg (Trier-Saarburg) gezeigt hat. In Lorscheid wurde nach dem ersten Notruf nicht die Feuerwehr in dem nur vier Kilometer entfernten Bescheid in Bewegung gesetzt. Für alle Orte in der Verbandsgemeinde Ruwer, zu der Lorscheid gehört, gebe es eine AAO, die den Anforderungen des Landesbrand- und Katastrophenschutzgesetzes entspreche, teilte die Verbandsbürgermeisterin Stephanie Nickels auf TV-Anfrage mit. Eine zusätzliche Alarmierung der Feuerwehr im nur vier Kilometer entfernten Bescheid habe nach dem ersten Notfruf „keinerlei Auswirkung auf den Einsatzverlauf gehabt“, so Nickels.

 Dass bei den beiden Wohnungsbränden in Freudenburg nicht auch die Feuerwehr im benachbarten saarländischen Weiten alarmiert worden ist, hält der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Saarburg, Bernhard Hein, für unproblematisch. Hätten sich die Brände ausgeweitet, wären auch die Wehren aus den umliegenden saarländischen Gemeinden alarmiert worden, so wie das bei Einsätzen in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Als im Sommer das Gebäude der Verbandsgemeinde Saarburg gebrannt hat, wurden durch Hein auch die Feuerwehren aus Mettlach und Merzig im Saarland alarmiert.

Brand- und Katastrophenschutz seien in Rheinland-Pfalz Aufgaben der Kommunen, heißt es aus dem Innenministerium. Die Leitstelle sei in der Lage, bei Notfällen auch die benachbarten Leitstellen in anderen Bundesländern zu informieren, sagt der Sprecher der Stadt Trier. So gebe es etwa im Sauertal eine deutsch-luxemburgische Feuerwehreinheit, die von der Leitstelle auch grenzüberschreitend alarmiert werden könnte. Auch ein auf dem Luxemburger Flughafen stationierter Rettungshubschrauber könnte von Trier aus zu Einsätzen in der Region gerufen werden.

Bei den Rettungswagen gibt es allerdings noch immer keine Vereinbarung mit Luxemburg, dass diese bei grenznahen Einsätzen nach Deutschland fahren dürfen. Solche Abkommen zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst hat Rheinland-Pfalz nur mit Frankreich und Belgien. Laut Innenministerium werden die Retter aus den Nachbarländern nur dann alarmiert, wenn dies zu einem „relevanten Zeitvorteil“ führe. In der Praxis spiele das aber kaum eine Rolle, jährlich gebe es auf Basis der Vereinbarung mit Frankreich und Belgien weniger als zehn grenzüberschreitende Einsätze, sagt eine Ministeriumssprecherin. Man hoffe, dass man bald auch mit Luxemburg, das seinen Rettungsdienst in den vergangenen Jahren umstrukturiert habe, über ein solches Abkommen verhandeln könne.