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Die größte Volkszählung seit 24 Jahren stößt auf Protest in der Region

Wer sind die Deutschen und wenn ja, wie viele? Die Volkszählung soll diese Fragen frei nach dem Titel eines Buch-Bestsellers beantworten. Foto: iStock
Wer sind die Deutschen und wenn ja, wie viele? Die Volkszählung soll diese Fragen frei nach dem Titel eines Buch-Bestsellers beantworten. Foto: iStock
Trier. Knapp ein Jahr vor dem Stichtag für den „Zensus 2011“, der abgespeckten Variante der Volkszählung, zeichnen sich erste Protestaktionen ab. Experten rechnen aber nicht mit ähnlich heftigen Auseinandersetzungen wie 1987. Derweil entsteht an der Uni Trier das statistische Auswertungsprogramm für den Zensus.

(DiL) Spätestens, seit das Verfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung gekippt hat und eine Reihe von Klagen gegen die geplante Volkszählung eingegangen sind, regt sich auch in der Region zunehmend Unmut. Im Mittelpunkt: die Piraten-Partei, deren Trierer Vorsitzender Thomas Heinen vor dem „hohen Missbrauchspotenzial“ der Datensammlung warnt. Er schlägt vor, statt einer zentralen Datenermittlung die auf kommunaler Ebene ermittelten Statistiken nur als anonymisierte Summen zu erfassen. Zudem solle auf die geplante Personenkennziffer verzichtet werden. Generell ist der Zensus aus Sicht der Piraten „keinesfalls notwendig“. Für die von der EU geforderten Datenangaben reiche eine kleinere Stichproben-Erhebung aus.

Die Befürworter verweisen im Gegenzug darauf, dass der Zensus 2011 nur zu einer direkten Befragung von zehn Prozent der Bürgern führe – anders als die „Komplett-Volkszählung“ 1987. Es gebe einen dringenden Bedarf, die unterschiedlichen Daten von Kommunen, Ortskatastern, statistischen Ämtern, Sozialkassen und Arbeitsagenturen zu vereinheitlichen. Das Bundesinnenministerium hält das noch von der Großen Koalition verabschiedete Zensus-Gesetz für „gut und solide“.

Wie man aus den Teilmengen der Befragung belastbare Ergebnisse mit verlässlichen Angaben erhält, wird derzeit mit Hochdruck an der Uni Trier erforscht. Der Trierer Statistik-Professor Ralf Münnich hat vom Statistischen Bundesamt den Auftrag erhalten, bis September ein Konzept für die Erhebung vorzulegen, das „möglichst geringe Kosten und einen moderaten Befragungsaufwand für die Bürger mit qualitativ hohen Erkenntnissen verbindet“.

Geht es nach Piraten-Sprecher Heinen, werden Münnichs Bemühungen ins Leere laufen: Er und seine Mitstreiter wollen die Bevölkerung in der Region bald mit Infoständen, Flugblättern und Mahnwachen auf das Thema aufmerksam machen. Dass dabei Trier – wie 1987 – als Widerstandsnest in den bundesweiten Fokus gerät, hält er dennoch für unwahrscheinlich. Die Bürger seien heute „daran gewöhnt, dass alles überwacht wird“ und gäben ihre eigenen Daten oft freiwillig heraus.