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Trockener Sommer
Die Hitze hält ganz Deutschland im Griff

Symbol der Dürre: staubtockene Äcker, wenig Grün. Ein Mähdrescher fährt bei Hildesheim (Niedersachsen) über ein Getreidefeld (Luftaufnahme aus einem Ultraleichtflugzeug).
Symbol der Dürre: staubtockene Äcker, wenig Grün. Ein Mähdrescher fährt bei Hildesheim (Niedersachsen) über ein Getreidefeld (Luftaufnahme aus einem Ultraleichtflugzeug). FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Trier/Berlin . Während die Region bisher noch glimpflich davonkommt, hat die Dürre für viele Bauern in Nord- und Ostdeutschland dramatische Folgen. Die Politik berät über die Lage. Von Katharina De Mos

Sengende Sonne. Das Gras verdorrt, und viele Pflanzen weigern sich bei der Hitze, weiter zu wachsen. Angesichts bedrohlicher Einbußen durch die wochenlange Dürre in vielen Regionen Deutschlands dringen die Bauern auf rasche Nothilfen. „Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Dafür sollten der Notstand erklärt und dann ein solches Budget bereitgestellt werden. An diesem Dienstag wollen Bund und Länder eine erste Bestandsaufnahme zu Schäden auf Feldern und Wiesen machen. Das Bundesagrarministerium bekräftigte, dass über besondere Bundeshilfen erst nach der für Ende August geplanten Abschlussbilanz der Ernte entschieden werden soll.

Wegen anhaltender Hitze und Trockenheit vor allem im Osten und Norden Deutschlands befürchten viele Bauern massive Ausfälle bei der Ernte von Getreide, aber auch von Gras als Tierfutter. An diesem Mittwoch will Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) dann auch das Kabinett informieren.

Obwohl die Region und Rheinland-Pfalz bisher nicht so stark unter der Dürre leiden wie viele andere Regionen, unterstützen die hiesigen Bauernverbände Rukwieds Anliegen. „Die Forderungen sind absolut berechtigt“, sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau. Betriebe seien reihenweise zum Aufgeben gezwungen. Viele stünden finanziell mit dem Rücken zur Wand.

In Rheinland-Pfalz ist die weitgehend abgeschlossene Getreideernte nach Angaben der Verbände vergleichsweise zufriedenstellend ausgefallen. Auch beim Grünfutter ist die Situation in der Region nicht so besorgniserregend, da die meisten Betriebe laut Horper zwei gute Schnitte machen konnten. Im Osten des Landes hingegen fehlt vielen ein Schnitt. Dort besteht die Gefahr, dass Rinder wegen Futtermangels geschlachtet werden müssen.

Große Sorge bereitet die Trockenheit aktuell im Maisanbau. Auch in der Region. „Wenn wir in den nächsten zehn Tagen keinen Regen bekommen, dann ist der Mais auch bei uns tot“, sagt Horper. Statt Landregen ist allerdings weiter große Hitze mit vereinzelten Gewittern in Sicht. Und wo genau der Niederschlag fällt, ist ungewiss und zudem lokal begrenzt.

Glück hatte Carlo Bauer, einer der beiden Landwirte, die bei Wittlich Tabak anbauen. Ein einziger, ganz punktueller Gewitterguss hat ihm auf 22 Hektar die Tabakernte gerettet und auch die Kartoffeln. Dennoch rechnet er mit Einbußen. „Diese gewaltige Hitze schadet selbst bei feuchtem Boden“, sagt er.

Die Traubenlese beginnt dieses Jahr so früh wie nie zuvor. Den Anfang macht am 6. August ein Weingut in Lörzweiler (Kreis Mainz-Bingen), wie das Deutsche Weininstitut mitteilte. Während ältere Reben dank tiefer Wurzeln recht gut zurechtkommen, leiden die jungen Pflanzen unter der Trockenheit.

Rukwied sagt: „Wir fordern jetzt Liquiditätshilfen, damit wir Betriebe, deren Ertrag mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegt, direkt unterstützen können.“

Zuerst liegt die Zuständigkeit für Unterstützungsangebote bei den Ländern, die Zuschüsse geben können. Als Hilfen möglich sind unter anderem auch schon Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank, zudem dürfen ökologische Vorrangflächen ausnahmsweise bewirtschaftet werden. Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Volker Wissing hat Bauern bereits vor Wochen in vielen Regionen genehmigt, brachliegende Ackerflächen zur Beweidung zu nutzen oder zu Futterzwecken zu mähen.

Erst wenn Schäden von „nationalem Ausmaß“ festgestellt werden, kann auch der Bund Finanzhilfen leisten. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall und 2013 wegen Hochwasserschäden.

Klöckner äußerte sich erneut „sehr besorgt“ über die Auswirkungen. Eine kleine Entlastung sei für den einen oder anderen Hof, dass Erzeugerpreise um etwa zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen seien.

Eventuelle Folgen der Dürre für Supermarktkunden sind derzeit noch ungewiss. Auswirkungen auf die Preise könnten aus heutiger Sicht seriös noch nicht abgegeben werden, hieß es zum Beispiel bei der Rewe Group.

21.04.2018, Rheinland-Pfalz, Idar-Oberstein: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken(Bündnis 90/Die Grünen) spricht beim Landesparteitag in Idar-Oberstein. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
21.04.2018, Rheinland-Pfalz, Idar-Oberstein: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken(Bündnis 90/Die Grünen) spricht beim Landesparteitag in Idar-Oberstein. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Harald Tittel