| 17:27 Uhr

Schwimmern in Flüssen
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Suche nach einem untergegangenen Schwimmer in der Mosel zwischen Konrad-Adenauer-Brücke und Römerbrücke durch die Wasserschutzpolizei mittels Echolot und die Feuerwehr Trier.  Foto: Friedemann Vetter
Suche nach einem untergegangenen Schwimmer in der Mosel zwischen Konrad-Adenauer-Brücke und Römerbrücke durch die Wasserschutzpolizei mittels Echolot und die Feuerwehr Trier. Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Jedes Jahr ertrinken Menschen in Flüssen. Der häufigste Grund: Sie sehen das Risiko nicht und geraten im Wasser in Panik. Großaufgebot an Einsatzkräften sucht bis gestern Nachmittag in Trier nach einem vermisstem 19-Jährigen, der in der Mosel untergegangen ist. Von Bernd Wientjes

Immer wieder bleiben Jogger oder Spaziergänger am Moselufer stehen, schauen zu den beiden Booten auf dem Wasser. Auf dem Feuerwehrboot machen sich gerade zwei Taucher fertig. Die hintere Klappe des Bootes geht nach unten, ein Taucher steigt in den Fluss. Ein Kollege führt das Seil, das an dem Taucher befestigt ist. In der Mitte der Mosel fährt langsam ein Boot der Wasserschutzpolizei. Als ein Ruderer langsam an der Einsatzstelle vorbei fährt, ertönt ein Warnsignal von dem Polizeiboot, er möge weiter fahren signalisiert ihm ein Beamter. Ein Ausflugsschiff, die Undine II, wird an der Weiterfahrt an der Einsatzstelle gehindert.

Seit acht Uhr am Morgen haben die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei die Suche nach dem 19-Jährigen fortgesetzt, der seit Sonntagnachmittag vermisst wird. Mit einem Freund ist er am Barbara-Ufer, einen Steinwurf entfernt von der Wache der Trierer Berufsfeuerwehr, in die Mosel gestiegen. Sie wollten zum gegenüberliegenden Westufer schwimmen. In der Mitte des Flusses verliert der 20-Jährige offenbar seine Kraft und geht unter. Bis in den späten Sonntagabend hinein haben bis zu 60 Einsatzkräfte unterstützt von zwei Hubschraubern nach dem jungen Mann gesucht.

Es ist brütend heiß, 29 Grad zeigt das Thermometer gestern Mittag an, als das Polizeiboot langsam von der Römerbrücke aus den Fluss abfährt. Per Echolot  untersucht es  die Schifffahrtsrinne. „Sobald das Gerät etwas Auffälliges anzeigt, gehen die Taucher der Berufsfeuerwehr an der entsprechenden Stelle ins Wasser, um sich das näher anzusehen“, erklärt Michael Schmitz, Sprecher der Stadt Trier. Ein weiteres Boot der weiteres Boot der Berufsfeuerwehr fährt beide Uferseiten ab und sucht dort nach dem Vermissten. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Trier-Olewig suchen mit spitzen Stöcken das Gebüsch am Moselrand ab.  

Am Nachmittag rufen Freunde des Vermissten über Facebook dazu auf, sich an der Suche nach dem 20-Jährigen zu beteiligen und die Moselufer abzusuchen. „Vielleicht finden wir ihn. Bitte helft mit, die Hoffnung stirbt zuletzt!!!!“ schreibt die junge Triererin, die die Aktion initiert hat auf ihrer Facebook-Seite. Gegen 17 Uhr wird die offizielle Suche von Feuerwehr und Polizei ergebnislos zunächst eingestellt.

Immer wieder komme es vor, dass sich Menschen beim Schwimmen in Flüssen überschätzten, sagt Marco Vogt. Er ist Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Egal ob Rhein, Mosel oder Saar – die Gewässer seien generell gefährlich. Vor allem die unterschätze Strömung unter der Wasseroberfläche sei ein unterschätztes Risiko. „Das Wasser hat Kraft. Das merken viele aber erst, wenn sie drin sind und versuchen gegen die Strömung anzuschwimmen“, sagt Vogt. Unerfahrene Schwimmer hätten dabei zumeist keine Chance. Viele gerieten dann in Panik, weil sie erkannten, dass sie sich in Lebensgefahr befänden, sagt der DLRG-Sprecher. „Sie verlieren dann die Kraft, gehen schnell unter.“ Die Chancen zu überleben würden von Minute zu Minute, in denen die Betroffenen unter Wasser sind geringer.

Neben den gefährlichen Strömungen ist auch die überschätzte Wassertemperatur ein Risiko für die Schwimmer. Auch wenn die Mosel an der Stelle in Trier gestern bis zu 26 Grad aufweist, gebe es immer wieder Bereiche, die deutlich kühler sind. Bei Außentemperaturen von über 30 Grad sei der Körper aufgeheizt, ein Sprung ins deutlich kühlere Flusswasser könne schnell zu Kreislaufproblemen bis hin zum Herzstillstand führen, sagt Vogt. „Generell ist Schwimmen in der Mosel überall dort erlaubt, wo es nicht ausdrücklich verboten ist“, sagt Michael Schmitz, Sprecher der Stadt Trier. Verboten sei es zum Beispiel an Schleusen, an Schiffanlegestellen oder im Bereich von Häfen. Es sei allerdings ein Unterschied, ob man am Ufer ein bisschen plantscht oder den Fluss durchschwimmt. „Binnengewässer sind nach wie vor die Gefahrenquelle Nummer eins. Nur vergleichsweise wenige Gewässerstellen werden von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, an unbewachten Seen und Flüssen zu ertrinken, ist auch deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern“, warnt Achim Haag, Präsident der DLRG. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Gesellschaft in Deutschland mindestens 404 Menschen ertrunken. 329 Männer und Frauen verloren in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen ihr Leben. Die meisten davon im Juni vergangenen Jahres, als eine Sommerphase gegeben hat. Mit 69 etrunkenen Männern, Frauen und Kindern habe es allein in diesem Monat, mehr als ein Sechstel der tödlichen Wasserunfälle des gesamten Jahres gegeben, sagt Haag. Eine besondere Risikogruppe stellten weiterhin die Flüchtlinge dar. Laut DLRG ertranken im vergangenen Jahr 23 Asylsuchende, die so gut wie alle Nichtschwimmer gewesen seien.

In diesem Jahr wurden nach Angaben der Lebensretter bereits 280 Menschen Opfer von tödlichen Badeunfällen. „Eine Mehrzahl dieser Ertrinkungsfälle könnte durch umsichtiges Verhalten verhindert werden“, heißt es bei der Wasserschutzpolizei Rheinland-Pfalz. Und beim DLRG in Rheinland-Pfalz geht man davon aus, dass die Zahl der Badetoten in diesem Jahr deutlich steigen wird. Schuld daran sei die anhaltende Hitze, sagt Vogt. Bei hochsommerlichen Temperaturen suchten die Menschen überall Abkühlung. „Auch in unbewachten Gewässern.“