| 16:15 Uhr

Wetter
Rekord-Sommer: Hitzefrei in Schulen, Dürre auf den Feldern

Trier. Bis Donnerstag soll es noch heiß bleiben, dann droht „Abkühlung“. Die Lage bei den Viehzüchtern ist wegen Futterknappheit sehr angespannt. Von Bernd Wientjes

Gestern hat für die Schüler nach sechs Wochen Sommerferien der Unterricht wieder begonnen. Doch in vielen Schulen findet in den nächsten Tagen ein verkürzter Unterricht statt oder die Nachmittagsstunden fallen aus. Der Grund: Die noch bis Mitte der Woche anhaltenden hohen Temperaturen bescheren den Schülern Hitzefrei. In einigen  Schulen werden die Unterrichtsstunden von 45 auf 30 Minuten gekürzt, so dass bereits um zwölf Uhr Schulschluss ist. Die Integrierte Gesamtschule Salmtal  (BernkastelWittlich) weist die Eltern darauf hin, dass sie das Recht haben, die Kinder zu entschuldigen „wenn sie durch übergroße Hitze Gesundheitsgefahren vermuten“. Der Schulleiter des Trierer Max-Planck-Gymnasium hat seine Schüler dazu aufgerufen, „genug zu trinken“.

Eine landesweit einheitliche Regelung für Hitzefrei gibt es nicht, jede Schule kann selbst bestimmen, ob sie Schüler bei hohen Temperaturen früher nach Hause schickt.

Die seit über zwei Wochen andauernde Hitzewelle mit Temperaturen über 35 Grad sei für Deutschland schon sehr ungewöhnlich, sagt Volksfreund-Wetterexperte Dominik Jung. Heute könnte es in der Region bis zu 38 Grad werden mit Gewittern am Abend, bevor es dann am Donnerstag mit um die 25 Grad deutlich kühler werden soll.

Die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass die Waldbrandgefahr weiter sehr hoch ist. Laut deutschem Wetterdienst gilt heute in fast der gesamten Region die zweithöchste Warnstufe (hohe Waldbrandgefahr). Das Forstamt Saarburg weist daher auf das ständig bestehende Rauchverbot in rheinland-pfälzischen Wäldern hin, Spaziergänger sollten keinen Müll im Wald hinterlassen, vor allem Glasscherben könnten schnell ein Feuer auslösen.

Die Trockenheit führt zu einer Dürre, die vor allem den Viehzüchtern in der Region zu schaffen macht. Die Lage bei der Ernährung der Tiere sei angespannt, sagt Herbert Netter, Sprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. „Da ja überall um uns herum ebenfalls Dürre herrscht, können die Betriebe kaum Futter aufkaufen.“ Hinzu kommt, dass der Futtermais aufgrund der Trockenheit nicht richtig wächst. Es bestehe die Gefahr, dass viele Betriebe ihre Tiere über das eigene Futter nicht mehr durchfüttern könnten, sagt Netter. Für die neue Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wird die Dürrekrise zur ersten ernsthaften Herausforderung.

Keine Probleme bestehen derzeit für die Trinkwasserversorgung in der Region. Es sei genügend Rohwasser vorhanden, heißt es von den Trierer Stadtwerken (SWT). „Dennoch“, sagt SWT-Sprecher Carsten Grasmück, „rufen wir die Bürger zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserem Trinkwasser auf.“ Bei Rasenflächen sollte je nach Lage und Zustand entschieden werden, ob eine Bewässerung Sinn macht.

Das Mainzer Umweltministerium hat gestern Unternehmen an Mosel und Rhein dazu aufgerufen, weniger Wasser zur Kühlung aus den Flüssen zu entnehmen. Die Temperatur des Rheins sei mittlerweile auf 28 Grad angestiegen. Zwar sei es bislang noch nicht zu einem massenhaften Fischsterben gekommen, doch sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne): „Die Situation ist besorgniserregend.“