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Die Lage in den Heimen ist angespannt

Pandemie : Die Lage in den Heimen ist angespannt

Ein Großteil der an Covid Gestorbenen ist über 80 und kommt aus Pflegeeinrichtungen. Es ist schwierig, Infektionen dort einzudämmen.

Mit 46 Todesfällen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion hat es gestern einen neuen Höchststand in Rheinland-Pfalz gegeben. Seit Beginn der Pandemie sind damit (Stand Donnerstagmittag) 805 Personen an oder mit Covid gestorben. Ein Großteil der Verstorbenen ist über 80. Bundesweit ist die Zunahme der Sterbefälle im Zusammenhang mit Corona im Oktober fast ausschließlich auf diese Altersgruppe zurückzuführen.

Das bestätigen auch Zahlen des Gesundheitsamtes Trier. Der Altersdurchschnitt der seit Beginn der Pandemie insgesamt 31 im Zusammenhang mit einer Sars-Cov2-Infektion Gestorbenen in Trier und Trier-Saarburg liegt bei 79,9 Jahren. Wobei dieser gegenüber der ersten Welle deutlich gestiegen ist. Lag der Altersdurchschnitt zu Beginn der Pandemie in Trier und Trier-Saarburg noch bei 69,4 Jahren, so beträgt er derzeit 85,7 Jahre. Elf der seitdem Gestorbenen kamen aus einer Pflegeeinrichtung. Wobei auch dort eine deutliche Zunahme in der zweiten Welle zu beobachten ist. In der ersten Welle waren drei der zehn an Covid verstorbenen Menschen Bewohner eines Altenheimes, seit September hat sich dieser Anteil auf 38 Prozent erhöht, acht von 21 Todesfällen haben einen Bezug zu einer Pflegeeinrichtung.

Wie die Lage landesweit ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Eine Anfrage unserer Zeitung an das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium zu den Corona-Fällen in Pflegeheimen ist bist gestern Abend unbeantwortet geblieben.

Die Lage in den rheinland-pfälzischen Alten- und Pflegeheimen sei überaus angespannt, sagt Benjamin Henze, Sprecher der Landespflegekammer. „Wir erleben, dass zahlreiche Pflegeheime von einem massiven Corona-Ausbruch betroffen sind.“ Die Einrichtungen kämen dabei schnell an ihre Belastungsgrenzen. Doch offenbar ist es schwierig, die Ausbrüche zu verhindern. „Wenn so viele Menschen hohen Alters auf engem Raum zusammen wohnen und gepflegt werden, ist es extrem schwierig, einer Infektionswelle mit diesem Ausmaß zu begegnen“, sagt Henze. Auch das Pflegepersonal sei zunehmend von Infektionen betroffen, das verschärfe die Lage noch zusätzlich. Oft könne die Versorgung der Bewohner nicht mehr ohne Unterstützung von externem Personal, wie etwa Freiwilligen, sichergestellt werden.

Zwar seien die Hygiene- und Schutzmaßnahmen in den Heimen, falls sie konsequent umgesetzt würden, zielführend. Schutzkleidung und Schutzmasken sowie flächendeckende und regelmäßige Corona-Schnelltests der Bewohner, des Personals und der Besucher, könnten, so Henze, zum Schutz beitragen, falls diese „hinreichend vorhanden sind“.

Oberstes Ziel müsse es sein, die Risikogruppen „bestmöglich“ zu schützen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Problem beim Corona-Schutz in Pflegeheimen seien aber die baulichen Gegebenheiten. „Eine Isolierung, wie man es aus den Infektionsbereichen in einem Krankenhaus kennt, ist dort nicht umsetzbar. Gemeinschaftszimmer und großzügig angelegte Essens- und Aufenthaltsbereiche, die von den Bewohnern gemeinsam genutzt werden, fördern das Miteinander und den gegenseitigen Kontakt“, erklärt der Kammersprecher. Bei einer Corona-Infektion, müsse schnellstens dafür gesorgt werden, dass die Infizierten und Nicht-Infizierten räumlich voneinander getrennt würden. Das Personal müsse dann auch auf die zwei Bereiche aufgeteilt werden und darf, nach Möglichkeit, nicht durchmischt werden. All das zeige: „Die ohnehin angespannte Personalsituation in der professionellen Pflege macht die derzeitige Situation zu einem echten Stresstest und zeigt wieder, dass es in naher Zukunft dringend grundlegender Änderungen bedarf, um gute Pflege sicherzustellen“, so Henze.