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Verkehr
Die Notreserven werden angezapft

Kein Super mehr. An der Total-Tankstelle in Trier-West/Euren kann man den Kraftstoff zurzeit nicht tanken. Margret Hepp informiert ihre Kunden mit einem Schild an der Zapfpistole.
Kein Super mehr. An der Total-Tankstelle in Trier-West/Euren kann man den Kraftstoff zurzeit nicht tanken. Margret Hepp informiert ihre Kunden mit einem Schild an der Zapfpistole. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Weil es Engpässe bei Sprit gibt, hat der Bund seine Tanklager geöffnet. Die Preise sind wegen Lieferproblemen so hoch wie lange nicht. Von Bernd Wientjes

„In Wittlich kommt es seit dem 21. Oktober zu vereinzelten Lieferengpässen“, meldet der Nutzer mit dem Namen Michael Stoffel auf der Volksfreund-Facebook-Seite. „Diesel in Uersfeld leer“, schrieb Esther Manderscheid am Montag. Auch in Mülheim an der Mosel habe es am Wochenende an einer Tankstelle keinen Diesel mehr gegeben. Ebenso wird von einzelnen Tankstellen berichtet, die verschiedene Spritsorten zeitweise nicht hatten.

Erstmals machen sich die seit Tagen andauernden Nachschubprobleme bei Kraftstoff und Öl in der Region bemerkbar. Zu Lieferproblemen scheint es vor allem in Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Teilen von Baden-Württemberg zu kommen. Und die betreffen nicht nur Kraftstoff, sondern können sich auch bei Heizöllieferungen auswirken. Weil die Öllager am Rhein weitestgehend leer sind und daher an einigen Orten Heizöl knapp ist, hat der Bund erlaubt, dass auf die sogenannte strategische Notfallreserve (siehe Info) zugegriffen werden darf. Die Erlaubnis gilt für ein halbes Jahr. Konkret geht es um Benzin, Diesel und Kerosin im Umfang von rund 270 000 Tonnen. Damit sollen Engpässe gemildert werden: Durch den niedrigen Rhein-Pegel können die Tankschiffe von Rotterdam aus nur noch ein Fünftel der sonst üblichen Kraftstoffmengen in die hiesigen Tanklager transportieren.Einige Ölhändler in der Region Trier melden auf TV-Nachfrage, dass sie keine Lieferprobleme haben: „Im Norden Deutschlands befindet sich Öl in Übermengen, und durch unsere eigene Logistik beliefern wir unsere Kunden innerhalb von zwei Wochen ab Tanklager Bremen oder Hamburg“, sagt etwa Marco Schmitt, Inhaber eines Brennstoffhandels in Wittlich. Auch Peter Hommes, Ölhändler und Tankstellenbetreiber in Daun, meldet: „Keine Engpässe und keinerlei Versorgungsprobleme“, weder bei Heizöl noch beim Kraftstoff.

Allerdings muss an den Zapfsäulen wie auch für Öl derzeit deutlich mehr gezahlt werden als noch vor ein paar Wochen. Vor allem in den Regionen, in denen es Nachschubprobleme gibt, sind die Preise deutlich gestiegen. Und das macht sich auch bei der Teuerungsrate für den Oktober bemerkbar. Laut Statistischem Landesamt sind die Verbraucherpreise im Vergleich zum Oktober 2017 um 2,6 Prozent gestiegen. Hauptgrund dafür seien die deutlichen Preisanstiege bei Heizöl (plus 49,7 Prozent) und Kraftstoffen (plus 16,2 Prozent).

Vorerst werde es bei diesen hohen Preisen bleiben, sagt Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV). Selbst wenn es wieder genügend Wasser im Rhein gebe, würden Sprit und Öl nur langsam wieder billiger. Die Mineralölkonzerne gäben zwar schnell höhere Kosten an die Kunden weiter, aber wenn es darum geht, die Preise zu senken, ließen sie sich zumeist Zeit, sagt Rabl. Er betont auch, dass es keine allgemeine Spritknappheit gebe. Verschiedene Ursachen hätten zu den Problemen vor allem in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen geführt. Zum einen nennt er einen Brand in einer Raffinerie im bayrischen Ingolstadt Anfang September. Dadurch komme es immer noch  zu Lieferengpässen bei Kraftstoff in Bayern und in Österreich. So könne der in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz wegen des Rhein-Niedrigwassers fehlende Sprit nicht aus Bayern geliefert werden, sondern müsse aus Tanklagern in Norddeutschland oder eben aus der Notreserve des Bundes herbeigeschafft werden. Das führt laut Rabl nicht nur zu höheren Kosten, sondern auch zu logistischen Problemen. Die Speditionen müssten ihre Touren anders planen, und Tankstellen würden weniger oft beliefert. Da könne es durchaus sein, dass die dortigen Erdtanks zeitweise mal weniger voll seien.

Rabl glaubt aber nicht, dass es Tankstellen gibt, die gar keinen Sprit mehr haben. Trotzdem: „Wir haben eine schwierige Situation.“ Eine Situation, die vor allem die Kunden bezahlen müssen. Laut Rabl sind die Spritpreise derzeit so hoch wie schon seit fünf Jahren nicht mehr. Allerdings nicht überall in Deutschland. Im niedersächsischen Hameln zum Beispiel kostete der Liter Super gestern Mittag 1,499 Euro, in Wittlich waren es 1,619 Euro.

Dass Luxemburg keine Nachschubprobleme beim Sprit hat, zeigt sich darin, dass dort die Preise seit Anfang des Monats gefallen sind, Super kostete dort gestern 1,219 Euro. Anfang Oktober waren es 1,292 Euro gewesen. Auch Diesel ist billiger geworden. Die Tankstellen in Luxemburg werden überwiegend mit Kraftstoff beliefert, der mit Lkw aus Belgien kommt.