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Konzept gegen Ärztemangel
Medizinstudenten lernen bald in Trierer Kliniken

FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Trier/Mainz. Die Stadt Trier soll Standort für eine sogenannte Medical School werden. Das Land legt ein Konzept gegen Ärztemangel vor. Von Bernd Wientjes

Trier wird wohl Standort einer sogenannten Medical School, an der Medizinstudenten der Uni Mainz einen Teil ihres Studiums absolvieren können. Das teilte am Freitag der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf in Mainz mit. Es soll insgesamt 20 zusätzliche Medizinstudienplätze an der Mainzer Uni geben, und das Studium soll regionalisiert werden. Die klinische Ausbildung sollen die Studenten ab dem Wintersemester 2020/21 auch in Trier in dortigen Kliniken absolvieren können. Die Landesregierung und die Universitätsmedizin Mainz arbeiteten derzeit an einem Konzept dafür, sagte Wolf. Bis Mitte nächsten Jahres soll das Konzept vorgelegt werden.

Es ist Teil der sogenannten Landarzt-Offensive, die Wolf gemeinsam mit Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) vorstellte. Damit soll die ärztliche Versorgung auf dem Land sichergestellt werden. Dazu gehört auch eine Landarzt-Quote. „Damit werden wir bis zu zehn Prozent der Medizin-Studienplätze in Rheinland-Pfalz an Bewerber vergeben können, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung für bis zu zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Hausarzt zu arbeiten“, so Bätzing-Lichtenthäler. Auch die Medical School soll dazu beitragen, dass die dort ausgebildeten angehenden Ärzte nach Ende des Studiums in der Region bleiben. „Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten gerade auf dem Land ist hoch“, sagte Wolf.

Der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis, begrüßt, dass Trier Standort für ein regionalisiertes Medizinstudium werden soll. Das sei Ausdruck des „hohen Niveaus“ der Patientenversorgung und der akademischen Bemühungen der beiden dortigen Krankenhäuser, sagte er unserer Zeitung. Das Konzept der Medical School in Trier geht größtenteils auf Matheis zurück, der als Arzt im dortigen Brüderkrankenhaus tätig ist. Bereits zu seiner Zeit als Vorsitzender der Bezirksärztekammer hat er für das Projekt bei der Landesregierung geworben. Auch Koblenz war zwischenzeitlich als Standort für eine derartige Medizinausbildung im Gespräch. Das Land greife mit der angekündigten Erhöhung der Medizinstudienplätze eine Forderung der Landesärztekammer auf. Das sei „eine der wichtigsten Maßnahmen zur Behebung des Ärztemangels“.

Die Erhöhung der Medizinstudienplätze und die Regionalisierung der Mediziner-Ausbildung reichten nicht aus, um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, meint hingegen die Landeschefin der Krankenkasse Barmer, Dunja Kleis. Sie fordert, dass niedergelassene Ärzte in Regionen mit Ärztemangel auch als Angestellte in Praxen arbeiten dürfen.