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Diebstahl von Endoskopen aus Kliniken: Die Angeklagten schweigen weiter

Trierer Landgericht : Diebstahl von Endoskopen aus Kliniken: Die Angeklagten schweigen weiter

Im Prozess um den Diebstahl von Endoskopen aus Kliniken bleiben die Hintergründe unklar.

Die dreisten Diebe haben vermutlich irgendwann am Samstagabend im April vor zwei Jahren zugeschlagen. Sie sind unbemerkt in das Herz-Jesu-Krankenhaus in Dernbach (Westerwald) gegangen und dort dann wohl zielstrebig zu der Endoskopieabteilung. In einem Abstellraum neben dem Eingang haben sie eine Tür aufgebrochen und von dort dann in das Vorbereitungszimmer gelangt, wo die hochwertigen Untersuchungsgeräte, die Endoskope, in einem unverschlossenen Schrank gehangen haben. Sechs Stück, alle von einer Marke, haben die Diebe mitgehen lassen. Wert: zwischen 14 000 und 18 000 Euro das Stück. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 129 000 Euro.

Ein Zeuge sieht an dem Aprilabend zwei Männer mit Sporttaschen aus dem Krankenhaus kommen. Sie steigen in einen davor wartenden Wagen zu einem Dritten ein und fahren davon. Möglicherweise sind das die Diebe gewesen.

Eine Arzthelferin aus dem Dernbacher Krankenhaus hat gestern vor dem Trierer Landgericht geschildert, wie der Diebstahl der Endoskope, die für sogenannte Spiegelungen etwa von Magen oder Darm eingesetzt werden, vermutlich abgelaufen ist. Die beiden Männer, zwei Kolumbianer, 43 und 30-Jahre alt, die dafür verantwortlich sein sollen, sitzen seit Ende April auf der Anklagebank. Kurz vor der Tat habe sie vor der Endoskopieabteilung einen Mann gesehen, der sich nur auf Englisch habe verständigen können und sich auffallend benommen habe, sagt die Helferin. Er habe nicht plausibel erklären können, was er wolle. Womöglich ein Mitglied der Bande, die für den massenweisen Klau der medizinischen Geräte in Rheinland-Pfalz und Saarland verantwortlich ist. Vielleicht hat der Mann die Lage in dem Krankenhaus ausgekundschaftet. Es sei keiner der beiden Männer gewesen, die auf der Anklagebank sitzen, ist die Klinikmitarbeiterin überzeugt.

Einen Tag bevor der Zeuge die drei Männer vor dem Krankenhaus in dem Wagen hat wegfahren sehen, hat die Solinger Polizei ein Auto des gleichen Typs wegen zu schnellen Fahrens angehalten. Vier Männer hätten darin gesessen, heißt es in dem Protokoll. das der Vorsitzende Richter Armin Hardt verliest. Im Auto hätten sich leere Sporttaschen und Kabelbinder befunden, hat eine Polizistin notiert. Die Vier hätten nicht erklären können, warum sie in der Gegend unterwegs sind. Die Beamten, die die Männer kontrolliert haben, vermuten, dass es sich um eine Diebesbande gehandelt hat. Nachdem sie eine Geldbuße bezahlt haben, haben die Polizisten die Vier weiter fahren lassen. Eine Notiz lässt Hardt aufhorchen. Die Männer hätten neue, ungetragene Turnschuhe getragen. Für den Richter ein Hinweis auf einen der Angeklagten, der angibt zuletzt in Kolumbien Schuhhändler gewesen zu sein.

Der Lebenslauf, den Hardt mithilfe der Dolmetscherin von den beiden erfragt, gibt auf den ersten Blick keine Hinweise auf kriminelle Verbindungen. Beide haben stammen aus mehr oder weniger geordneten Familienverhältnissen, haben einen höheren Schulabschluss, eine Berufsausbildung – der Ältere als Elektroniker, der Jüngere war dreieinhalb Jahre in der kolumbianischen Armee und hat dann als Hilfsarbeiter und Softwareentwickler gearbeitet. Die beiden Familienväter, die miteinander verwandt sind – der 30-Jährige ist der Schwager des 43-Jährigen – haben Schulden. Ob das ein Grund sein könnte, dass die beiden möglicherweise Mitglied einer Bande geworden sind, die Endoskope klaut, bleibt auch an diesem zweiten Prozesstag unklar. Die Angeklagten haben sich weiterhin nicht zu den Vorwürfen geäußert.