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Dom-Orgeltage in Trier: Programm mit Witz und Anspruch

Konzerte : Eine Orgel und vier Gitarren

Dom-Orgeltage überraschen mit unkonventionellem Start und bieten ein anspruchsvolles Programm.

Es nimmt sich aus wie ein kleiner, dezenter Witz. Die Trierer Dom-Orgeltage eröffneten dieses Jahr nicht mit dem üblichen, spektakulären Auftritt der Instrumenten-Königin sondern mit vier Gitarren und einer Orgel. Ein wenig Risiko war zweifellos dabei. Die Befürchtung, der Gitarrenklang könne sich im halligen Dom verlieren, ist keineswegs abwegig. Und mehr noch: decken Orgel und Gitarren nicht ohnehin ganz unterschiedliche Emotionsfelder ab? Sind der fromme Orgelton und der Gitarrenklang mit seinen folkloristischen Assoziationen nicht so etwas wie Feuer und Wasser?

Wie gut, dass sich schon nach den ersten Klängen alle Befürchtungen erledigen. Schon im Einstieg mit einem Quartett von Boccherini und vollends im „Concierto de Aranjuez“ und „Concierto Andaluz“ von Joaqin Rodrigo kamen Musik und Akustik glücklich zusammen. Der hallige Trierer Dom wurde Basis für Klänge von überzeugender Größe und Differenzierung Das um zwei Kollegen auf vier Musiker aufgestockte „Amadeus Guitar Duo“ setzte in den großflächigen Orgelklang immer wieder detailliert Akzente. Und in diesem Zusammenhang wirkt das „Kaleidoskop“ von Dale Kavanagh (*1958) als sei es von moderner bildender Kunst inspiriert - ungemein reich an Klangfarben und von einer sorgfältigen, kalkulierten Zeitlosigkeit.

Mitten in das Konzert hatte Josef Still Bach ins Programm gesetzt – eine Choralbearbeitung und die so genannte „dorische“ Toccata und Fuge (die so heißt, weil ihre Partitur ohne Vorzeichen auskommt). Eine wunderbare, eine großartige Interpretation. Still baut über beide Sätze einen Bogen, der atemlos macht – was für eine Komposition! Aber zugleich ist dieser Bach auch Anlass zum Nachdenken. Erledigt dessen Musik wirklich alles, was in diesem Konzert sonst noch gespielt wurde? Oder spielt da einfach nur Vertrautheit mit Bach hinein? Es scheint als hätten sich die 200 begeisterten Besucher im Konzert für die zweite Version entschieden.

Im Übrigen bleibt der Dom-Orgelzyklus bei seiner Linie. Bearbeitungen finden sich allenfalls ausnahmsweise. Und mit Kleinklein geben sich Still und die vier Gastorganisten gar nicht erst ab. „Wir machen große Orgel“, sagt Still. Große Orgel – das ist zum Beispiel Messiaens Klangdichtung „Himmelfahrt“ (l’ Ascension), die Domorganist Michael Hoppe aus Aachen mitbringt. Große Orgel sind Messiaens „Pfingstmesse“ und Regers 2. Orgelsonate, die Pier Damiano Perretti spielt. Bart Jacobs, Organist an der Brüsseler Kathedrale, bringt eine Toccata Buxtehudes und den a-Moll-Choral von César Franck zusammen. Der wurde übrigens vor 200 Jahren geboren. Samuel Kummer von der Dresdener Frauenkirche hat sein Programm unter das theologische Motto „Von Ostern bis Pfingsten“ gestellt. Und ein Motto hat sich auch Josef Still gegeben. „Te Deus laudamus“ heißt es. Und erinnert damit in vielfältigen Varianten an den alten ambrosianischen Lobgesang aus Mailand.