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Drahtzieher droht: Ich lege das ganze Internet lahm

Kriminalität : Drahtzieher droht: Ich lege das ganze Internet lahm

Einer der mutmaßlichen Akteure hinter dem Cyberbunker in Traben-Trarbach attackiert im Internet die deutsche Polizei.

Minister für Außenangelegenheiten und Telekommunikation in der Republik Cyberbunker. Das steht auf der Facebook-Seite des Niederländers Sven Olaf K., der angibt in Barcelona zu leben und aus
Amsterdam zu stammen. Zusammen mit Herman-Johan X. hat er das Unternehmen Cyberbunker geleitet, das in dem ehemaligen Bundeswehr-Bunker in Traben-Trabach ein riesiges, mutmaßlich illegales Rechenzentrum betrieben hat.

X. sitzt seit dem 26. September in Untersuchungshaft, nachdem die Polizei mit mehreren Hundert Einsatzkräften und Hilfe der Terrorspezialeinheit GSG9 in die Bunkeranlage eingedrungen ist. K. ist weiterhin aktiv im Internet, postet regelmäßig auf seiner Facebook-Seite und hat die Seite Cyberbunker wieder ins Netz gebracht. Offiziell ist sie vom Landeskriminalamt beschlagnahmt. „Seized back by the government of Cyberbunker“ steht auf der inhaltslosen Seite. Frei übersetzt: „Zurück gekapert durch die Regierung von Cyberbunker“. Auf seiner Facebook-Seite droht er damit, dass man das mit jeder Internetseite in Deutschland tun könne. Und er kündigt an, dass das Unternehmen Cyberbunker bald wieder eröffnet werde. Womöglich in Nigeria.

Auf Facebook droht er auf Englisch damit, den Stecker aus dem „ganzen verdammten Ding“ zu ziehen und alle wieder in die Steinzeit zu schicken. Er meint damit wohl, das Internet zu kapern und lahmzulegen. Immerhin eilt dem Niederländer tatsächlich der Ruf voraus, fast das Internet zerstört zu haben. K. soll hinter einem bis dahin nie dagewesenen Angriff auf ein Unternehmen stecken, das Internetnutzer vor Spam-Mails schützt.

Dessen Server wurden mit massenhaften Anfragen überflutet und lahmgelegt. Als die Polizei dem Hacker in Spanien auf die Spur kam, gab er an, diplomatische Immunität zu genießen, als Repräsentant des Landes Cyberbunker. K. sei in der Lage, „beinahe überall ausgeklügelte Computersysteme aufzubauen. Und sei es im Laderaum seines großen orangen VW-Vans mit deutschen Kennzeichen, mit dem er eines Sommertages im verschlafenen Örtchen Granollers, rund 25 Kilometer von Barcelona entfernt, vorfuhr“, hat die österreichische Zeitung Der Standard über den Niederländer geschrieben.

K. zeigt sich auf seiner Facebook-Seite offen, zeigt sein Gesicht. Er scheint noch aktiv zu verfolgen, was rund um den Bunker geschieht. So kommentiert er auch den Absturz des US-Kampfflugzeugs in Zemmer: „Nein, wir haben es nicht runter geschossen. Es ist ganz von selbst gefallen.“

Auch attackiert er dort die deutschen Behörden. Allen voran das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA). Dieses hat die Ermittlungen gegen Cyberbunker geleitet. Die Kunden des Unternehmens sollten das LKA verklagen, rät K. Die Ermittler hätten Standorte geschlossen, indem sie „eine ausländische militärische Basis und diplomatische Residenz mit einem Haufen Möchtegern-Polizisten überfallen und ausländische Mitglieder der Regierung entführt“ hätten. Er und X. hätten nicht damit gerechnet, dass die deutschen Ermittlungsbehörden ihnen Probleme bereiten könnten, wird K. in einem Internet-Blog zitiert.

Vielmehr habe er damit gerechnet, dass der Tüv den Bunker dichtmachen könnte, wegen „abgelaufener Erste-Hilfe-Kästen“ oder „veralteter Feuerlöscher“. „Die hätten sich mit ihren über 600 Polizisten einfach an ihre eigenen Gesetze halten müssen. Doch eben genau das haben sie nicht getan“, heißt es dort. Auch macht er sich über den Einsatz der Spezialeinheit GSG9 am 26. September lustig und zeigt darunter ein Video, das angeblich zeigt, wie die Ermittlerfahrzeuge ungehindert durch das sich öffnende Tor der Bunkeranlage fahren.

Cyberbunker habe sich an die deutschen Gesetze gehalten, behauptet er. Dabei beruft er sich auf das Telemediengesetz, wonach Anbieter von Internetdienstleistungen nicht verantwortlich sind für die von Dritten über ihre Server verbreiteten Daten.