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Dreyers Dilemma: Niedrige Zahlen, aber große Sorge

Pandemie : Malu Dreyers Dilemma: Niedrige Zahlen, aber große Sorge

Warum die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin trotz der Corona-Mutationen Hoffnung macht.

Malu Dreyer ist in einem Dilemma. Daraus macht die Ministerpräsidentin gestern keinen Hehl, als sie ihren Vier-Stufen-Plan präsentiert, mit dem sie in die heutigen Corona-Beratungen zwischen Bund und Ländern geht. Es sei „eine wirklich unangenehme Situation“, sagt die Triererin vor Journalisten in Mainz und meint damit den „spürbaren Rückgang“ der Infektionszahlen (die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag landesweit gestern bei 57, die Zahl der Corona-Neuinfektionen stieg um 294) und andererseits die Sorge vor der Ausbreitung der Virus-Mutationen. Man müsse „sehr sorgsam“ abwägen und gleichzeitig Perspektiven aufzeigen, sagte Dreyer. Und diese Perspektiven vor allem für Schulen aber auch für Friseure und Handel  („Es geht an die Substanz.“) will sie mit einem Vier-Stufen-Plan aufzeigen. Der Plan, den sie gestern vorstellte, soll als Diskussionsgrundlage für die heutigen Beratungen gelten. Dreyer sprach von einem „deutlichen Signal nach vorne“. Sie erwartet, dass sich die Länder auf ein gemeinsames Öffnungskonzept verständigen.

Dreyers Plan orientiert sich wie der einiger anderer Bundesländer an der Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche. Liegt diese Inzidenz über 50, sieht Dreyer keinen größeren Spielraum für Lockerungen. Es könnte dann auch regional begrenzt zu Verschärfungen wie etwa Bewegungseinschränkungen kommen. Unter diesem Wert könnte es dann die ersten Öffnungen geben, etwa bei Schulen, aber auch bei Friseuren oder einzelnen Geschäften. Der nächste Schritt wäre dann eine Inzidenz unter 35. Welche Öffnungsperspektiven es dann geben könnte, sagte Dreyer nicht explizit. Eine weitgehende Normalität könnte es an Werten unter zehn geben. Im Hinblick auf die Mutationen müsse es aber bei allen Öffnungen verschärfte Hygieneanforderungen geben.

Der rheinland-pfälzische Hotel- und Gaststättenverband begrüßt den Plan. Es sei ein „richtiges Signal“, sagte Verbands-Chef Gereon Haumann. „Damit besteht die realistische Chance, dass Gastronomie und Hotellerie spätestens an Ostern wieder komplett geöffnet sind.“ Er hatte vergangene Woche einen eigenen Vier-Stufen-Plan vorgelegt.