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Kommunalwahl
Eifeler ziehen Wahlkampf-Strippen

 Ein Eifeler: Gordon Schnieder.
Ein Eifeler: Gordon Schnieder. FOTO: TV / Privat
Birresborn/Oberweiler. Warum zwei lokale Politiker bei den größten Parteien eine wichtige Rolle spielen. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Gordon Schnieder gilt als leidenschaftlicher Sänger. Wenn der Vulkaneifeler mit dem Chor an Ostern aber wieder die Kirchenbesucher in Birresborn beschallen will, gibt es ein klitzekleines Problem. „Ich habe die Noten mit nach Hause genommen, doch nur am Mittwoch vor Ostern schaffe ich es zur Probe“, sagt der 43-Jährige und lacht. Denn Schnieder reist für die CDU im Kommunalwahlkampf kreuz und quer durch das Land. 3500 Kilometer bretterte er alleine in den ersten drei Monaten des Jahres über die Autobahnen. Schnieder ist rheinland-pfälzischer Vorsitzender der kommunalpolitischen Vereinigung der CDU, einer Unterorganisation der Union, die Ansprechpartner für kommunale Mandatsträger ist. Geht es um Listen, Wahlprogramme oder Fotoshootings mit CDU-Landeschefin Julia Klöckner für die Wahlplakate, sitzt Schnieder daher bei der Kommunalwahl im Boot oder steht vor der Kamera.

Und er ist nicht der einzige Eifeler, der bei einer großen Partei die Strippen im Wahlkampf zieht. Bei der SPD ist Nico Steinbach aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm inzwischen Geschäftsführer der sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) im Land. Schulungen, das Austüfteln von Wahlkampfrichtlinien mit SGK-Chef Michael Ebling (Oberbürgermeister von Mainz) und der Partei, Redaktionssitzungen für die Mitgliederzeitung? Da trägt der 35-Jährige inzwischen Verantwortung, der wie Schnieder im Landtag sitzt und inzwischen häufiger nach Mainz braust. Für Steinbach ist es ein steiler Aufstieg. Erfolglos wagte er auf einem SPD-Parteitag vor der Landtagswahl 2016 eine Kampfkandidatur, weil sein Listenplatz kaum Chancen versprach, erneut ins Parlament einzuziehen. Übel nahmen ihm die Genossen den Versuch später nicht mehr. Steinbach besiegte in seinem Kreis sensationell CDU-Rebell Michael Billen (CDU), was ihm viele Lorbeeren einheimste. SPD-Landeschef und Innenminister Roger Lewentz adelte den Eifeler, als er Geschäftsführer der SBK wurde: „Nico Steinbach ist ein Siegertyp!“ Wie er dem Urgestein Billen das Direktmandat abgejagt habe, nötige ihm absoluten Respekt ab, lobte Lewentz.

 Ein Eifeler: Nico Steinbach (SPD).
Ein Eifeler: Nico Steinbach (SPD). FOTO: TV / privat

Die neuen Ämter öffnen den Eifelern zugleich neue Türen: Denn Aufgaben, die engen Kontakt zu kommunalen Mandatsträgern erlauben, Netzwerke vertiefen und sie in strategische Pläne einbinden, können ein Sprungbrett für Politiker sein. Steinbach zählt nun erst recht zu einer talentierten Riege in der SPD-Landtagsfraktion, zu der aus der Region auch der Trierer Sven Teuber zählt. Gordon Schnieder gilt in der CDU-Fraktion als Nachwuchshoffnung und wird von manchem Beobachter gar als künftiger Minister-Kandidat gehandelt.

Doch träumen ist irgendwie nicht das Ding von Eifelern. Sie gucken lieber auf die Kommunalwahl. Schnieder – ein Kämpfer für das Aus von kommunalen Straßenausbaubeiträgen – will den Wahlkampf auf regionale Bedürfnisse der Menschen runterbrechen. Steinbach nennt als wichtige Themen Pflege, Digitalisierung und Infrastruktur.

Eine Frage muss abschließend aber erlaubt sein: Ist es Zufall, dass die stimmstärksten Parteien in Rheinland-Pfalz  ausgerechnet zwei Eifeler wichtige Fäden ziehen lassen? Ja, glaubt Schnieder, der einen anderen Grund vermutet. Beide seien Ortsbürgermeister, Schnieder in Birresborn, Steinbach in Oberweiler. „Wir kommen aus dem Dorf und wissen, wovon wir sprechen.“ Steinbach freut sich, dass im Wahlkampf zwei Eifeler in Mainz vertreten sind. „Das ist doch ein schöner Zufall.“