Ein anderer Trierer will für Malu Dreyer an die SPD-Spitze

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Gerhard Ludwig ist seit Jahrzehnten überzeugter Kommunalpolitiker. Jetzt zieht es den gebürtigen Moselaner in den SPD-Parteivorstand. Hat der 64-jährige Münsterländer Chancen?

Die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer wird der künftigen SPD-Spitze nicht mehr angehören. Das gab die 58-jährige Triererin am Montag offiziell bekannt, nachdem bereits in der Vorwoche über einen entsprechenden Schritt der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin spekuliert worden war. Sie wolle sich nun „auf unser schönes Bundesland konzentrieren“, sagte Dreyer, die in der Vergangenheit schon häufiger betont hatte, bei der Landtagswahl 2021 noch einmal antreten zu wollen.

Dafür hebt ein anderer, ursprünglich aus der Region Trier  stammender Bewerber für einen Sitz im neuen SPD-Bundesvorstand die Finger: der 64-jährige Gerhard Ludwig. Gemeinsam mit der vier Jahre älteren Elisabeth Lindenhahn will er die Talfahrt der Sozialdemokraten stoppen und die SPD als linke, bürgerliche Partei inhaltlich konsequent neu ausrichten.

Was auf den ersten Blick ein wenig ambitioniert klingen mag, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn das im nordrhein-westfälischen Borken wirkende Parteiduo Ludwig/Lindenhahn bringt einiges an kommunalpolitischer Erfahrung mit. Die Dame ist Vorsitzende der örtlichen SPD-Kreistagsfraktion, Gerhard Ludwig ist dort stellvertretender Landrat und saß darüber hinaus etliche Jahre in Kreistag und Stadtrat.

Das politische Engagement des im Moselort Thörnich geborenen Ludwig begann aber schon viel früher. Der ursprünglich einmal gelernte Winzer trat 1974 in die SPD ein, startete seine kommunalpolitische Karriere bei den Schweicher Jusos, saß unter dem späteren Finanzstaatssekretär Karl Diller im Trier-Saarburger SPD-Vorstand, bis er schließlich zum Studium ins Ruhrgebiet zog und dort auch hängenblieb.

Zuletzt leitete Gerhard Ludwig mehrere Altenheime der Arbeiterwohlfahrt, bis er vor kurzem in den Ruhestand ging und sich damit voll und ganz auf seine Lieblingsnebenbeschäftigung – die Kommunalpolitik – konzentrieren kann.

Nach Meinung Ludwigs mangelt’s der SPD-Spitze gerade an kompetenten Kommunalpolitikern. Derzeit sei im Bundesvorstand nicht einmal eine Handvoll aktiver Kommunalpolitiker vertreten – mit der Konsequenz, dass Berufspolitiker, Akademiker und Hauptamtliche dominierten. Der Anteil von Arbeitnehmern aus dem Niedriglohnsektor in den SPD-Vorständen sei sehr übersichtlich, frotzelt Ludwig, der allerdings selbst studiert hat.

Sein SPD-Unterbezirk hat für den am Freitag beginnenden Bundesparteitag einen Antrag eingereicht, der in Anlehnung an das legendäre Godesberger Programm der Sozialdemokraten Godesberg 4.0 überschrieben ist und sich für eine „echte programmatische und organisatorische Erneuerung der SPD“ ausspricht. Eine weitere Forderung: Der neue Parteivorstand möge einen Plan zum Verlassen der großen Koalition erarbeiten. „Nicht Hals über Kopf“, sagt Gerhard Ludwig, „aber möglichst bald.“

Nach Ansicht des gebürtigen Trierers wird die SPD in der Groko weder als bessere Regierungspartei noch als echte Alternative zur CDU wahrgenommen. „Als Juniorpartner kann man in einer Koalition nur verlieren“, so das Fazit des 64-Jährigen, dann wählten die Leute lieber das Original.

Ob Gerhard Ludwigs Ambitionen von Erfolg gekrönt sein werden, wird wohl am Samstag um die Mittagszeit feststehen. Sollte es nicht klappen, wird für den gebürtigen Trierer und langjährigen SPD-Kommunalpolitiker die Welt auch nicht untergehen. „Ich bin ja Realist“, meint der ehrenamtliche Vize-Landrat, „in Berlin wartet man ja nicht gerade auf jemanden aus Borken.“

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