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Ein Bischof auch für die schwierigen Fälle

Katholische Kirche : Ein Bischof auch für die schwierigen Fälle

Die Wahl des ehemaligen Trierer Generalvikars Georg Bätzing zum Chef der Bischofskonferenz  kam nicht völlig überraschend. Der 58-jährige Limburger Bischof genießt nicht nur bei den ganz normalen Gläubigen viel Sympathie und einen guten Ruf, sondern auch unter seinen Kollegen.

Das liegt vor allem an Bätzings freundlicher, zugewandter und bescheidenen Art. Der gebürtige Westerwälder ist kein Lautsprecher, was ihn von seinem Vorgänger Reinhard Marx unterscheidet. Und er ist niemand, der autoritär regiert.

Bei der Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz dürfte ihm aber etwas anderes entgegengekommen sein. Georg Bätzing ist weder ein radikaler Reformer, noch ein unverbesserlicher Traditionalist. Das unterscheidet ihn von den meisten seiner Kollegen, die im Vorfeld des Mainzer Treffens als heiße Anwärter auf die Marx-Nachfolge gehandelt worden waren. Wäre einer vom Schlage eines Rudolf Voderholzer oder Heiner Wilmer gewählt worden, um einmal zwei Extreme zu nennen, hätte dies die Vollversammlung wohl noch mehr gespalten, als sie es ohnehin schon ist. Georg Bätzing bringt den Vorteil mit, dass er für beide Seiten akzeptabel ist.

Und: Er hat in den zurückliegenden knapp vier Jahren bewiesen, dass er schwierige Situation meistern kann. Wer das von seinem Luxus liebenden Limburger Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst zertrümmerte Porzellan in so kurzer Zeit und ohne störende Nebengeräusche wieder kittet, wie dies Bätzing  getan hat, der empfiehlt sich für höhere Weihen.

Dabei sind die Aufgaben, die den 58-jährigen nun erwarten, nicht einfacher. Die Bischöfe sind, wie erwähnt, zerstritten – Bätzing brachte dies am Dienstag auf die verniedlichende Formel, das Miteinander in der Bischofskonferenz sei nicht nur einmütig. Und die katholische Kirche steht vor enormen Herausforderungen: Der Reformdialog synodaler Weg hat gerade erst begonnen, schon wird er von den konservativen Klerikern vom Schlage Voderholzer oder Woelki eifrig torpediert.

Auf der anderen Seite steht das Gros der Gläubigen, die notwendige Veränderungen fordern und es satt sind, auf den Sankt Nimmerleinstag vertröstet zu werden. Wann hört die katholische Kirche endlich auf, von Gleichberechtigung zu reden, und fängt an, sie zu praktizieren? Wann werden Frauen endlich zu Weiheämtern zugelassen und wird das verpflichtende Zölibat für Priester endlich über Bord geworfen? Wann machen die (derzeit noch blockierenden) Bistümer endlich ernst und klären auf über die jahrzehntelange Vertuschungspraxis bei Missbrauchsfällen und benennen die Verantwortlichen in den jeweiligen Generalvikariaten?

Der ehemalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat einiges in diese Richtung angeschoben. Sein Nachfolger Georg Bätzing wird vor allem daran gemessen werden, ob die katholische Kirche Reformen umsetzt, die den Namen auch verdienen. Das ist eine Herkulesaufgabe.

 r.seydewitz@volksfreund.de