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Ein europäisches Projekt an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Trier

Projekt KLASSE! : Beziehungen knüpfen und voneinander lernen

Ein europäisches Projekt an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Trier zeigt viele Facetten. Vier Nationen trafen sich in Trier, um im Rahmen ihres Erasmus+-Projektes die kulturellen Besonderheiten der Stadt und der Region zu entdecken.

Erasmus von Rotterdam, nach dem das aktuelle europäische Begegnungsprojekt benannt ist, ist ein Humanist, der die europäische Kultur vor zirka 500 Jahren nachhaltig prägte. Er hätte sich wahrscheinlich im Grab herumgedreht, wenn er gesehen hätte, wie Corona die Begegnungen begrenzt, hätte sich aber bestimmt gefreut, wie diese Probleme gelöst wurden.

 Das Erasmus+ Projekt an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Trier (BBSW) begann mitten in der COVID-19-Zeit, als Reisen in andere Länder ausgeschlossen waren. Durch die Kontaktbeschränkungen konnten die ersten Treffen mit den Partnern aus Spanien, Italien und Frankreich nicht wie geplant in den Schulen der jeweiligen Länder stattfinden, sondern wurden online veranstaltet. Die Jugendlichen tauschten sich online über kulturelle Themen aus, wie beispielsweise Schulalltag, Musik, Wein und regionaltypisches Essen.

Nach mehr als eineinhalb Jahren virtueller Zusammenarbeit über verschiedene Plattformen konnten dann im Frühjahr 2022 insgesamt 55 Schülerinnen und Schüler aus Bergamo, Masquefa/Barcelona, Dijon und Trier den Titel ihres europäischen Projekts in die Tat umsetzen: „Young digital natives discovering and sharing ‚glocal‘ highlights“. „Es ist das erste Mal, dass sich alle Erasmuspartner endlich live treffen können“, freut sich BBSW-Schulleiterin Gabriele Groß.

Montags reisten alle Nationen in Trier an und abends begann das Programm sportlich, damit sich alle kennenlernen konnten. Dienstags ging es nach gemeinsamem Klettern mit der Entdeckungsreise in der ältesten Stadt Deutschlands los. In einem Gallery Walk präsentierte das Schülerteam der BBSW seinen Gästen die Etappen der bisherigen Projektarbeit. Nachmittags startete ein von den Trierern kreierter „Actionbound“, eine multimediale Erlebnistour, durch Trier, bei der auf zeitgemäße Art und Weise die regionalen Besonderheiten mit den europäischen Partnern geteilt werden konnten.

Als Oberbürgermeister Wolfram Leibe alle Jugendlichen im Garten des Rathauses empfing, griff er das Projektmotto auf: „Wir haben nicht nur historische Highlights in Trier; es ist sehr wichtig, historische Stätten und junge Menschen zu haben – das ist unsere Chance als Stadt“, sagte Leibe. Zum Abschluss des Tages tauchten alle gemeinsam im Amphitheater live in die Antike ein. Mit authentischen Duellen in historischen Ausrüstungen wurden sie von den Akteuren der Gladiatorenschule in die Zeit des Römischen Reiches entführt. Sofia Thielgen, Schülerin der BBSW, haben die Kulisse und die Vorführung im Amphitheater besonders begeistert: „Mir hat die Gladiatoren-Show am besten gefallen, da man so was auch nicht täglich sieht.“

Mittwochs ging es wieder sportlich los: Die Austauschschüler und ihre Lehrkräfte starteten eine Fahrradtour an der Mosel und Saar entlang. Das Ausflugsziel war das Traditionsweingut von Othegraven in Kanzem, wo Kellermeister Swen Klinger Weinproduktion und -vermarktung des Gutes vorstellte. Abends konnten die internationalen Gäste dann traditionelle „Kappes Teerdisch“ probieren, auch wenn einige dann doch lieber wieder auf ein altbekanntes Schnitzel zurückgriffen.

Warum wurde Trier Weltkulturerbe? Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) erklärte donnerstags, dass Trier mit vier Kriterien aufwarten kann, die einen außergewöhnlichen Wert für die Menschheit bescheinigen. In seinem Impulsvortrag spannte er den Bogen zu aktuellen Aufgabenfeldern und Themen rund um Stadtmarketing, Veranstaltungen und Tourismus inklusive seiner Bedeutung als Wirtschaftsfaktor und eröffnete einen Workshop, in dem die Erasmusteilnehmer konkrete Konzeptideen für ihre vier Herkunftsstädte entwickelten.

Was ist typisch deutsch, französisch, spanisch oder italienisch? In einem schauspielerischen Workshop wurden nachmittags dann Stereotype und Vorurteile thematisiert, szenisch dargestellt und anschließend in gemischtnationalen Teams reflektiert.

Die sportlichen Events wie Bowling, Bouldern, eine geführte Wanderung durch die Naturlandschaft zur Mariensäule und auch ein Grillfest trugen dazu bei, dass die Schüler sich auf individuelle Begegnungen mit allen einließen und um neue Freundschaften zu schließen. „Ich fand es super, dass wir uns trotz der unterschiedlichen Kulturen und der Art zu leben so schnell so gut und ohne Probleme verstanden haben. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es ein paar Differenzen gibt, aber das gab es gar nicht. Mir hat es besonders gefallen, neue Menschen kennenzulernen und neue Erfahrungen zu machen. Ich habe meine Sprachkenntnisse vertieft und ich finde es interessant, wie unterschiedlich unsere Kulturen sind, trotz der jeweiligen Nähe des Landes“, lautete Sina Mossmanns Fazit am Ende der Erasmusbegegnung in Trier.   

 KLASSE_Seite Erasmus BBSW
KLASSE_Seite Erasmus BBSW Foto: TV/Inga Polzin
 KLASSE_Seite Erasmus BBSW
KLASSE_Seite Erasmus BBSW Foto: TV/Inga Polzin
 KLASSE_Seite Erasmus BBSW
KLASSE_Seite Erasmus BBSW Foto: TV/Inga Polzin
 Erasmus-plus-Schülerinnen und -Schüler tauchen live in die Antike ein und erleben authentische Duellkämpfe im Amphitheater Trier.
Erasmus-plus-Schülerinnen und -Schüler tauchen live in die Antike ein und erleben authentische Duellkämpfe im Amphitheater Trier. Foto: Björn Pazen
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KLASSE_Seite Erasmus BBSW Foto: TV/Inga Polzin

Insgesamt können alle sagen: Es war ganz schön anstrengend während der Coronazeit, dass man sich  nur online austauschen konnte, das hatten sich alle anders vorgestellt. Aber das Durchhaltevermögen hat sich gelohnt: Die „echten“ Begegnungen, das gemeinsame Erleben dieser Erasmus-Woche, die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen kultureller Bildung nehmen alle dankbar mit, und schon jetzt starten die Planungen zu den Folgetreffen im Herbst in Dijon und in Barcelona.