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Kriminalität
Junge Frauen geschockt: Private Partybilder auf Pornoseite

Eine Frau benutzt ihr Smartphone. Fotos von Frauenlandeten kürzlich ohne ihr Wissen auf einer anrüchigen Website.
Eine Frau benutzt ihr Smartphone. Fotos von Frauenlandeten kürzlich ohne ihr Wissen auf einer anrüchigen Website. FOTO: Stefan Sauer
Trier/Zell. Die Polizei warnt davor, sorglos mit Bildern im Internet umzugehen. Eine 19-Jährige schildert, wie sie zum Opfer geworden ist. Ein Bekannter soll Fotos von 80 Frauen veröffentlicht haben. Von Bernd Wientjes

Es war ein Schock für die 19-jährige Maria Müller (Name von der Redaktion geändert). Ein Bekannter hat sie am Sonntag vor zwei Wochen angerufen und ihr gesagt, dass Fotos von ihr und Freundinnen auf einer Pornoseite im Internet zu finden sind. Allerdings habe es sich nicht um freizügige oder sexuell motivierte Fotos gehandelt, sagt die 19-Jährige, die in einem kleinen Eifelort wohnt. Es seien „harmlose, alltägliche Bilder aus Facebook oder Instagram“.

Wie Maria Müller erging es, so der Stand der polizeilichen Ermittlungen, etwa 80 weiteren jungen Frauen (der TV berichtete). Noch immer meldeten sich vereinzelt Betroffene und erstatteten Anzeige, sagt Polizeisprecher Uwe Konz. Es komme immer wieder zu vergleichbaren Taten, aber in dieser Größenordnung, mit der Vielzahl der Opfer, sei dieser Fall bislang einmalig, sagt Konz.

Von den jungen Frauen seien  Porträt-Fotos und Selfies, zum Teil auch Party-Fotos etwa von Oktoberfesten, ohne deren Wissen und Zustimmung für die kostenlose Internetseite, auf der pornografische Amateurvideos und -fotos zu sehen sind, kopiert worden, sagt Polizeisprecher Uwe Konz.

Die Polizei beschuldigt einen 28-Jährigen, die Fotos von den privaten Seiten der jungen Frau kopiert zu haben. Allerdings habe es sich nicht um pornografische Darstellungen gehandelt. Auch seien die Fotos von dem Mann nicht verändert worden. Die Polizei wirft ihm vor, gegen das Kunsturheberrecht verstoßen zu haben. Hinzu komme der Verdacht der Beleidigung auf sexueller Grundlage.

Wie beleidigend und anrüchig manche Kommentare unter den Fotos auf der Pornoseite gewesen sind, schildert die 19-Jährige, die sich beim Trierischen Volksfreund gemeldet hat. Ihr sei schlecht geworden, als sie die gelesen habe, sagt sie. Ein noch vergleichsweise harmloser Kommentar, den sie unter einem ihrer Fotos zu lesen bekam, lautete: „Der würde ich auch gerne mal unters Dirndl greifen.“

Die 19-Jährige hatte schnell einen Verdacht, wer ihre Fotos auf der Pornoseite veröffentlicht haben könnte. Zusammen mit anderen, ebenfalls Betroffenen, ging sie vor zwei Wochen zur Polizei in Zell und zeigte den Mann an. Es handelt sich um einen Bekannten von ihr. Er habe ihr eine Freundschaftsanfrage über Facebook geschickt, die sie auch angenommen habe. Dadurch habe der Verdächtige dann aber Zugriff auf alle öffentlichen Profile der Opfer gehabt.

Weil sie ihn als „Freund“ auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken wie Instagram akzeptiert hatten, hatte er aber auch Zugriff auf Fotos, die eben nur Freunde sehen können.

Die Polizei rät, Fotos nicht öffentlich im Internet zu präsentieren und in den sozialen Netzwerken Profile geschlossen zu halten. „Insgesamt sollte man mit seinen persönlichen Daten, zu denen selbstverständlich auch Fotos gehören, sehr sensibel umgehen. Der Alltag belehrt uns aber, dass insbesondere junge User in den sozialen Medien sehr freigiebig mit ihren Daten und ihren Fotos sind.“

Die 19-Jährige ärgern solche Ratschläge. „Wenn ich jemanden kenne und derjenige mir auf Facebook eine Freundschaftsanfrage schickt, nehme ich diese an. Ich kann einem ja schließlich nur vor den Kopf schauen, nicht hinein.“

Hintergrund: Nicht jeder Freund muss alles sehen