1. Region

Eine Ordensträgerin zum Anfassen

Eine Ordensträgerin zum Anfassen

Trier ist seit Samstag eine Monarchie. Denn bei der Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) hat deren Präsident Peter Pries Ralf I. vom Heuschreck als Stadtprinzen inthronisiert. Doch die Sympathien der mehr als 950 Gäste in der Europahalle waren geteilt. Publikumsliebling war eindeutig Moderatorin Andrea Kiewel, die den 17. Kaiser-Augustus-Orden erhielt.

(mehi) „Ihr dürft mich nachher alle anfassen – und den Orden.“ Was Andrea Kiewel mit diesem Satz angerichtet hat, konnte sie nicht ahnen. Trauben von Fans umlagern den Tisch der Fernsehmoderatorin bei der ATK-Gala in der Europahalle. Jeder will ein Autogramm, sie in den Arm nehmen für ein Foto. Die 44-Jährige nimmt’s mit Humor und erweist sich als würdige Ordensträgerin: Sie scherzt, lacht, schunkelt und singt Karnevalslieder. Dabei ist sie – nach eigener Aussage – erst seit 2008 Fastnachterin.

Den 17. Kaiser-Augustus-Orden der ATK – verliehen für ihren Einsatz in der Welthungerhilfe – nimmt sie freudestrahlend von ATK-Präsident und Moderator Peter Pries in Empfang. Inmitten der römischen Legionen von Militis Bedensis und Vigilia-Romana-vindriacum scheint sie in ihrem goldfarbenen Kleid nicht auf der Bühne, sondern auf dem Trierer Hauptmarkt zu stehen. Denn das Bühnenbild zeigt die Stadtmitte und – getreu dem Rosenmontagszug-Motto „Närrisch grün, blau, rot und weiß von Paulin bis nach Mattheis“ – die Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Sichtlich beeindruckt ist Kiewel von der Feierlaune der 950 Trierer im Saal und von den Leistungen der „Tanzmädels“: den Solisten, dem Tanzpaar Denise und Sebastian Gouin, den Tänzern der Stadtgarde und von Grün-Weiß-Euren. „Ich würde euch alle in den Fernsehgarten einladen“, ruft sie – doch der hat Winterpause. Und nun ist die Zeit des Karnevals – und die „Geburt des Prinzen“, wie es Pries ausdrückt. Prinz Ralf I. (Burkhardt) bringt nicht nur die Stadtgarde Augusta Treverorum, Kooben- und Ehrengarde mit, sondern seinen gesamten Heuschreckchor und singt mit ihm „Das wird mit unsrem Prinzen eine supergeile Zeit“.

„Jetzt sind sie endlich auf der Mütze – die Federn“, ruft Burkhardt ungeduldig. Fünf sind es, die Pries dem 41-Jährigen an die Narrenkappe steckt. „Endlich kann ich als Prinz richtig durchstarten.“ Der Tradition seiner Gesellschaft folgend werde er als Alleinherrscher durch die Session führen – ein bedauerndes „Oh“ ist die Antwort seiner „Untertanen“. Oberbürgermeister Klaus Jensen beneidet den Stadtprinzen, „weil er extra jemanden hat, der die Steuern eintreibt“. Den könnte er wahrlich brauchen bei der klammen Stadtkasse. Es gebe viele, die denken: Karneval, das sei Köln oder Mainz. „Karneval ist Trier!“, ruft er. Das habe er als Rheinländer schnell gemerkt.

Bei so lockeren Sprüchen, rasanten und hochkarätigen Kinder-, Solo- und Gardetänzen sowie einer Band, die die Stimmung zum Kochen bringt, hätte es einen nicht benötigt: Bernd Clüver. Der „Junge mit der Mundharmonika“ schafft es mit seinen Schlagern und Stimmungshits nicht, alle Gäste in der Europahalle zu erreichen. Ganz anders Andrea Kiewel. Sie ist der unangefochtene Star des Abends, da kommt selbst der Stadtprinz nicht mit. Ihr, nicht ihm, huldigen die Gast-Prinzenpaare, deren prachtvolle Gewänder Kiewel ganz besonders bestaunt. Noch lange ist sie umringt von ihren Anhängern, schreibt unablässig Autogrammkarten und lässt sich auf zahlreiche Fotos bannen.

Mitwirkende:
Moderation: ATK-Präsident Peter Pries und Vizepräsident Andreas Peters; Tanzpaar Denise und Sebastian Gouin (Trainer Ernst Voigt); Kinder-Schautanz des KC Grün-Weiß-Euren (Christiane Blenkner, Sabrina Mertes), Stadtgarde, Koobengarde, Ehrengarde, Heuschreckchor (Leitung Stefan May); Mario Bares (Schirmherr des Rosenmontagszugs); Gardetänzer der Stadtgarde (Peter Oly, Desiree Leistner, Bianca Degen, Sven Gaab); Solotänzer: Tatjana Heinz, Carolin Stoffel, Sarah Klaß, Lars Brommert, Carina Krebs, Lena Wengler (Sabine Herschler, Jennifer Heilig, Lars Brommert); Bernd Clüver; Vigilia-Romana-vindriacum, Legio XXII Militis Bedensis; Showtanzgruppe der KG Moselland (Dunja Maas); Musik: Valendras, Achim Pfeiffer.

Hofstaat des Stadtprinzen Ralf I. vom Heuschreck: Jungfer und Kussministerin Anja May, Roger Müggenburg (Hofschreiberling), Niko Mohr (Steuereintreiber), Axel Bettendorf (Quartiermeister), Gustl Thormeyer (höfischer Minister zur besonderen Verwendung), Adjutantin Christina Ecken und Jürgen Klein (Kutscher).

EXTRA: Wertvoller als eine Olympia-Medaille
Laudatio auf Andrea Kiewel, 17. Trägerin des Kaiser-Augustus-Ordens
(mehi) Gute Laune sei ihr Markenzeichen, der Fernsehgarten ihr Hobby. ATK-Präsident Peter Pries ist sichtlich stolz auf die 17. Preisträgerin des Kaiser-Augustus-Ordens, Andrea Kiewel. Ganz persönlich ist seine Laudatio: Er erzählt von ihrer Kindheit in Berlin, vom Sommerurlaub, in den sie mit ihrer Familie in Papas vollgestopften Trabi auf den Campingplatz fuhr, und ihrem großen Hobby – dem Schwimmen.
Mehr als 7000 Meter habe die Wasserratte als 14-Jährige täglich im nassen Element zurückgelegt, berichtet er. Sie sei mehrfache deutsche Meisterin und Mitglied in der Jugend-Nationalmannschaft gewesen. Und er tröstet sie, weil sie nie eine Olympia-Medaille gewann: „Davon gibt es viele, den Augustus-Orden erst 16 Mal.“
Nach ihrem Pädagogik-Studium unterrichtete Andrea Kiewel als Sport- und Deutschlehrerin. 1990 moderierte sie ihre erste Kindersendung, später für ARD und das SAT1-Frühstücksfernsehen. Seit 2000 sei sie das Gesicht des ZDF-Fernsehgartens – mit Begeisterung, fügt Pries hinzu. „Da fliegen schon mal die Schuhe weg, und sie läuft barfuss durch den Garten.“
Beeindruckt ist er vom sozialen Engagement der 44-Jährigen. Mehr als 600.000 Euro habe sie in Fernsehsendungen für einen guten Zweck gewonnen, sei 2008 mit der Welthungerhilfe in Indien gewesen.
„Darauf kann man sich nicht vorbereiten“, sagt Kiewel. Erschreckend seien Armut und Elend, selbst in Gebieten, in denen die Welthungerhilfe aktiv sei. Deshalb stiftet sie die 5555,55 Euro Preisgeld dieser Organisation. Dafür und für den Orden bedankt sie sich: „Besser hätte dieses Jahr nicht beginnen können! Das ist wie Geburtstag, Verlobung, Hochzeit und das erste Kind an einem Tag!“

www.triererstadtprinz.de