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Einkaufen für Ostern: Bitte gut planen!

Handel : Einkaufen für Ostern: Bitte gut planen!

Einzelhandel rät Kunden vor den Feiertagen zu vorausschauendem Verhalten – Branche befürchtet Ansturm.

„Gehen Sie vorausschauend einkaufen. Überlegen Sie bereits jetzt, was Sie für die Feiertage benötigen.“ So lautet die Empfehlung des Hauptgeschäftsführers des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth. „Planen Sie Ihre Einkäufe und nutzen Sie dafür sowohl die breiten Öffnungszeiten als auch alle Einkaufstage der Woche“, ergänzt Franz-Martin Rausch. Er ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels. Damit appellieren die Vertreter des Einzelhandels an die Vernunft der Verbraucher. Statt die Ostereinkäufe auf den letzten Drücker zu erledigen, sollten sie möglichst frühzeitig ihre Vorräte für die Feiertage besorgen. Um so zu verhindern, dass sich am Donnerstag oder Samstag zu viele Menschen in den Supermärkten aufhalten und es schwierig würde die erforderlichen Abstandsregeln einzuhalten. Weil es auch Zugangsbeschränkungen in den Geschäften gibt und nur noch eine bestimmte Anzahl von Käufern rein darf, könnte ein massenhafter Ansturm auch zu größeren Menschenansammlungen vor den Läden und zu längeren Wartezeiten führen.

Der Lebensmitteleinzelhandel in Rheinland-Pfalz sei der Auffassung, dass das wichtigste Ziel im Augenblick sei, die Mitarbeiter, „die mit großem Einsatz daran arbeiten die Warenverfügbarkeit für die Bevölkerung aufrechtzuerhalten“, nicht zu überfordern, und vor der Infektion zu schützen, sagt Thomas Scherer. Er ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz. Eine zusätzliche  Öffnung an den Feiertagen rund um Ostern sei zur Zeit kein Thema im Handel.

Das Land hatte wegen der vor allem zu Beginn der Corona-Krise getätigten Hamsterkäufe Mitte März die Ladenöffnungszeiten erweitert. Alle Geschäfte, die derzeit noch öffnen dürfen, konnten grundsätzlich auch sonn- und feiertags aufmachen. „Um mit möglichst wenigen Menschen in Kontakt zu treten, ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten auch an Sonn- und Feiertagen dringend geboten“, heißt es in der von der Aufsicht- und Dienstleistungsdirektion (ADD) veröffentlichten Allgemeinverfügung. Das Versorgungsinteresse habe „ausnahmsweise“ Vorrang vor dem Schutz der Arbeitnehmer, heißt es darin.

Gestern nun die Rolle Rückwärts des rheinland-pfälzischen Arbeitsministeriums. Nach heftiger Kritik von Handelsverbänden, Gewerkschaften und Kirchen an Plänen einiger Einzelhändler auch in der Region, an den Feiertagen Supermärkte oder Metzgereien zu öffnen, kippte Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) die Ausnahmeregelung. Nicht nur an Karfreitag und Ostern sondern auch an allen Sonntagen müssen die Geschäfte, die derzeit überhaupt noch geöffnet sind, ihre Türen geschlossen lassen. Es sei wichtig, dass die Mitarbeiter „einen Ausgleich von der Arbeit in dieser schwierigen Situation benötigen und Zeit zuhause und bei ihren Familien verbringen“. „Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, dass die Geschäfte wie üblich und ohnehin praktiziert auch an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben“, so Bätzing-Lichtenthäler. Die Versorgungslage habe sich wieder normalisiert und kaum ein Händler habe von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sonntags zu öffnen, begründete sie die Entscheidung.

Zu Beginn der Corona-Krise ist es vermehrt zu Hamsterkäufen gekommen. Daher hat das Land die Ladenöffnungszeiten ausgeweitet.

„Die Beschäftigten im Einzelhandel haben in den vergangenen Wochen großartige Arbeit geleistet und sich den Gefahren einer Infektion an vorderster Front ausgesetzt. Es reicht aber nicht, den Beschäftigten zu applaudieren. Was sie jetzt auch brauchen, ist Zeit zur Erholung im Kreis ihrer Familien“, mahnte der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dietmar Muscheid. Der Schutz der gesetzlichen Feiertage sei ein hohes Gut. „Wir haben kein Versorgungsproblem und niemand muss Hunger leiden, wenn die Geschäfte über Ostern geschlossen bleiben“, so Muscheid.

Dieser Meinung ist auch die für den Einzelhandel zuständige Fachbereichsleiterin bei der Gewerkschaft Verdi Rheinland-Pfalz, Monika Di Silvestre. „Wir haben all die Jahre keine zusätzlichen Öffnungszeiten über Ostern gebraucht“, sagt sie. Den Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel werde derzeit viel abverlangt, so dass sie in diesem Jahr noch mehr als sonst Ruhe und Erholung über die Feiertage bräuchten.  Di Silvestre appelliert ebenfalls an die Kunden, über die Woche verteilt einkaufen zu gehen, um so zu verhindern, dass es am Samstag möglicherweise zu größeren Ansammlungen vor oder in den Supermärkten kommt.

Die Sonn- und Feiertage, und insbesondere auch die Kar- und Ostertage, seien dem Evangelischen Kirchenkreis Trier sehr wichtig, „als Tage der Arbeitsruhe aus religiösen Gründen, aber auch zur persönlichen Erholung der Menschen“, sagt Maike Roeber, Sprecherin des Kirchenkreises. „Auch und vielleicht besonders das Personal in all den Geschäften, welches in den vergangenen Wochen die Stellung gehalten und die Versorgung an diesen Stellen gewährleistet hat, braucht eine Pause, braucht Zeit zur Erholung.“

Die großen deutschen Lebensmittelhändler hatten zuvor schon angekündigt,  an den Osterfeiertagen ihre Geschäfte wie üblich geschlossen zu halten. Die Handelsketten appellierten an die Kunden, ihre Einkäufe für das Fest möglichst frühzeitig zu erledigen, um einen angesichts der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie nur schwer zu bewältigenden Kundenansturm am Gründonnerstag oder am Karsamstag zu vermeiden. Gleichzeitig betonten sie, die Warenversorgung sei grundsätzlich gesichert.

Ein Rewe-Sprecher sagte: „Die Mitarbeiter brauchen einmal eine Pause. Sie arbeiten seit Wochen am Anschlag.“