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Bildung
Eltern-Kritik: Realschule plus bringt unsere Kinder nicht voran

 Symbolfoto: Funktioniert das System Realschule plus nicht?
Symbolfoto: Funktioniert das System Realschule plus nicht? FOTO: picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte
Trier. Die Zahl der Schüler geht deutlich zurück, die Unzufriedenheit mit der Ausbildung wächst. Ist die vor zehn Jahren eingeführte Schulform ein „Desaster auf allen Ebenen“? Von Bernd Wientjes

Eltern üben massive Kritik an der Realschule plus. Die vor zehn Jahren erfolgte Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zu der neuen Schulform sei ein „Desaster auf allen Ebenen“, heißt es in einer Mitteilung des Vorstands des Landeselternbeirats, in dem auch der Elternvertreter für die Region, Reiner Schladweiler, vertreten ist.

Bei der Zusammenlegung einer Regionalligamannschaft mit einer Kreisklassenmannschaft könne eben nicht erwartet werden, dass plötzlich alle Kreisklassenspieler „wie durch ein Wunder Regionalliganiveau erreichen“. In ihrem Brandbrief erinnert der Landeselternbeirat an die seit Wochen andauernden Gelbwesten-Proteste in Frankreich. Diese sollten „Warnung genug sein, umgehend mehr in die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen zu investieren“. Einer der Kritikpunkte der Eltern: Die Lehrer an den Realschulen plus seien nicht ausgebildet für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. „Ein Orthopäde ist nun mal kein Zahnarzt und umgekehrt“, heißt es in dem Brandbrief gegen die Realschule plus. Weil die seit zehn Jahren bestehende Schulform noch immer von vielen Eltern nicht akzeptiert werde, gingen viele Schüler trotz Realschulempfehlung aufs Gymnasium. Die Folge seien später zahlreiche, zwangsweise Schulwechsel vom Gymnasium auf die Realschule.

Lehrer bestätigen das. Vor allem in Städten wie zum Beispiel in Trier wechselten nach der sechsten oder nach der achten Klasse häufig so viele Schüler vom Gymnasium zur Realschule plus, die ausreichten, um dort eine eigene Klasse zu bilden, sagt Frank Fremgen, Vorstandsmitglied der Lehrergewerkschaft GEW. Daher müsse mehr, etwa in den Grundschulen, für die Realschule plus geworben werden.

Die Schule ist besser als ihr Ruf, sagt Bernd Karst, Sprecher des Verbandes der Realschullehrer. Man müsse den Eltern deutlich machen, dass die Realschule plus keine Sackgasse sei, dass Realschüler auch die Möglichkeit hätten, Fachhochschulreife oder Abitur zu erreichen. Und im Hinblick auf den Fachkräftemangel gebe es zu der Realschule plus keine Alternative, da sie eine „fundierte Berufsorientierung“ biete.

Trotzdem ist die Zahl der Schüler an den Realschulen im Land seit 2009 von 126 500 auf 84 200 im Jahr 2017 geschrumpft. Auch an den Gymnasien ist die Zahl der Schüler in diesem Zeitraum zurückgegangen, allerdings nicht so stark, nämlich von 138 700 auf 125 600. Es sei ein klarer Trend zu höheren Schulabschlüssen erkennbar, analysiert das Statistische Landesamt. 59 Prozent der Grundschüler hätten sich im vergangenen Schuljahr nach der vierten Klasse für ein Gymnasium oder eine Integrierte Gesamt­schule, auf der auch die Möglichkeit besteht, Abitur zu machen, entschieden.

Ein Trend, der sich auch in der Region bemerkbar macht. Im vergangenen Schuljahr waren in den Real- und Realschulen plus 12 117 Schüler angemeldet, in den Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen, die auch das Abitur ermöglichten, waren es 20 517.

Das Land wehrt sich gegen die  Kritik an der Realschule plus: „Wer jetzt ein falsches Bild zeichnet, der trägt in keiner Weise zu einer qualifizierten Entscheidung der Eltern bei der Schulwahl für ihre Kinder bei“, sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).