EU-Geld für Hunde und Basilika

Projekte in der Region : EU-Geld für Hunde und Basilika

Brüssel fördert Projekte und grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region mit Geld aus dem Leader-Programm.

Was haben die Waldlehrwerkstatt in Hermeskeil (Trier-Saarburg), eine Treppe am sogenannten Franzosensteig in Traben-Trarbach (Bernkastel-Wittlich) und die Neugestaltung des Wellnessbereiches im Hotel zur Post in Meerfeld (Bernkastel-Wittlich) gemeinsam? Sie wurden allesamt mit EU-Mitteln gefördert. Und vermutlich wären sie ohne das Geld aus Brüssel nicht realisiert worden. Es stammt aus dem sogenannten Leader-Programm. Die englisch ausgesprochene Abkürzung steht für „Liaison entre actions de développement de l‘économie rurale“ („Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“). Mit diesem Maßnahmenprogramm fördert die EU seit 1991   innovative Aktionen und Projekte  im ländlichen Raum. Und gerade die Region Trier profitiere von dem Programm, sagt Philipp Goßler. Er ist Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Mosel. Die Arbeitsgemeinschaften, von denen es sechs in der Region gibt, seien „Motor der regionalen Entwicklung“. Sie sammeln Projektanträge, helfen bei der Beantragung der EU-Mittel und verteilen anschließend das Geld. Leader funktioniere nach dem Bottom-up-Prinzip, also von unten nach oben, erklärt Goßler.  „Die Menschen in der Region legen selbst fest, was gefördert werden soll und welche Projekte ausgewählt werden.“ Der LAG Mosel gehörten zur Zeit 26 Personen des öffentlichen Bereiches, von Vereinen, Verbänden und Unternehmen an. Das EU-Förderprogramm nehme durch dieses Prinzip „eine sehr wichtige Rolle im regionalen Entwicklungsprozess der deutsch-luxemburgischen Grenzregion ein“, sagt auch Matthias Faß. Er ist Geschäftsführer der LAG Moselfranken.  Seit dem Jahr 2000 nehme diese Arbeitsgemeinschaft an dem Leader-Programm teil. Dabei gehe es vor allem um grenzüberschreitende Projekte gemeinsam mit Luxemburg. „Diese transnationale Zusammenarbeit spiegelt sich in zahlreichen Kooperationsprojekten“, sagt Faß.

Das Leader-Programm hätten die Region mitgeprägt, meint auch Goßler. „Zahlreiche geförderte Projekt reihen sich an der Mosel wie Perlen an einer Schnur, gleich ob öffentliche, private oder gemeinnützige Projekte. Viele wären ohne eine Unterstützung durch Leader nicht oder nur eingeschränkt umgesetzt worden.“ Ein Beispiel dafür ist die Sanierung der Prümer St.-Savator-Basilika. Für die sogenannte „Touristische Inwertsetzung“ der Kirche, wozu unter anderem eine konzerttaugliche Beschallung und ein barrierefreies Informationssystem gehören, fließen 190 000 Euro aus dem Leader-Programm nach Prüm. Die LAG Bitburg-Prüm fördert derzeit 22 Projekte und verteilt dafür über zwei Millionen Euro an EU-Mitteln.

Auch der Hunsrück profitiert von Fördermaßnahmen. So flossen 9000 Euro nach Morbach (Bernkastel-Wittlich) um, ein Corporate Design für die Einheitsgemeinde zu unterstützen. Etwas skuril mutet die Förderung eines privaten Projektes in Thalfang (Bernkastel-Wittlich) an. Mit Caniplace soll ein Freizeit- und Gesundheitspark für Hundehalter und ihre Tiere entstehen mit Spielplätzen, einer Waschanlage und einem beheizten Freibad für Hunde entstehen. 74 000 Euro kommen dafür aus Brüssel.

Die Region profitiert aber nicht nur von Leader. Auch aus anderen Töpfen fließt Geld von der EU, wie aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler hervorgeht. Allein aus Interreg oder wie es offiziell heißt „Europäische territoriale Zusammenarbeit“ sind im vergangenen Jahr rund 4,7 Millionen Euro in die Region geflossen. Damit werden  grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Städten unterstützt, etwa bei Verkehr, Arbeitsmarkt und Umweltschutz.

Zwei Millionen Euro sind aus dem Europäischen Sozialfonds in die Region geflossen. Unter anderem gingen 78 700 Euro an Ibiza, ein Projekt des Kreises Bernkastel-Wittlich, mit dem arbeitlose Flüchtlinge unterstützt werden. Mit rund 25 000 Euro wird das Projekt Jugendscout im Eifelkreis Bitburg-Prüm gefördert. Damit werden arbeitslose Jugendliche „mit zum Teil schwierigen Schullaufbahnen und unzähligen negativen Erfahrungen“, wie es in der Projektbeschreibung heißt, unterstützt.

Blatzheim-Roegler hofft, dass das neugewählte Europaparlament bei der Neuverteilung der Fördermittel die Region weiterhin so berücksichtigen wird wie bisher.

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