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Evakuierungsübung auf dem Bitburger Flugplatz: 600 Soldaten proben den Ernstfall

Bundeswehrübung auf dem Flughafen Bitburg. TV-Foto: Klaus Kimmling
Bundeswehrübung auf dem Flughafen Bitburg. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: Klaus Kimmling
Bitburg. Ein westafrikanisches Land im Ausnahmezustand. Und mittendrin Deutsche, die evakuiert werden müssen. Dieses Szenario übt die Bundeswehr noch bis zum Wochenende auf dem Bitburger Flugplatz. Von unserer Redakteurin Nina Ebner

Landesweite Unruhen erschüttern den westafrikanischen Staat Atrea. Rebellen liefern sich erbitterte Kämpfe mit den Regierungstruppen. In Scharen flüchten Zivilisten in die Nachbarländer. Mitten im Krisenherd sitzen über 1000 Deutsche fest. Die Bundeswehr bereitet sich auf ihre Evakuierung vor. "Extricate Owl" heißt die militärische Operation - "Befrei' die Eule".

Afrika-Kenner haben es längst bemerkt: Atrea gibt es nicht. Das Land ist ebenso fiktiv wie die Bezeichnung "Extricate Owl". Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Bundeswehrübung, bei der die Streitkräfte aus sämtlichen Bereichen, etwa Heer, Marine, Luftwaffe, Sanitätsdienst, seit einigen Tagen unter Leitung des Einsatzführungskommandos der Streitkräfte in Potsdam gemeinsam den Ernstfall üben.

Landebahn wird zum Basislager

Insgesamt 1500 Soldaten bereiten sich auf die Evakuierung deutscher Staatsangehöriger aus einem Krisengebiet im Ausland vor - und das auch in der Region: Denn Bitburg, genauer der Flugplatz Bitburg, stellt in diesem fiktiven Szenario das Ausland dar. 600 Soldaten sind dort seit gestern im Einsatz. Warum die Wahl für den Übungsort gerade auf die Eifel fiel? "Weil das Bier in Bitburg so super ist", mutmaßt ein Sprecher des Heeres scherzhaft, während sein Kollege Günter Thiermann, Leiter des Presse- und Informationszentrums des Einsatzführungskommandos, erklärt: "Bitburg ist optimal, weil der Flughafen keine Einschränkungen im Luftverkehr hat." Zudem komme ein Großteil der Übungstruppe, die Division "spezielle Operationen", aus dem ebenfalls nicht so weit entfernten Regensburg.

Auf "Landebahn 06" des Flugplatzes haben die Soldaten ein Basislager aufgeschlagen, hier befindet sich "Sware" - ein Nachbarland Atreas, von dem aus die Operation gestartet werden soll. Mehrere Transalls sind bereits gelandet und haben Material geliefert, mit dem die Streitkräfte unter anderem ein kleines Krankenhaus aufbauen sowie einen Gefechtsstand, von dem aus die Operation geleitet wird.

Das Krisengebiet Atrea liegt übrigens nicht wirklich weit weg: Es befindet sich am anderen Ende des Flugplatzes, das genügt zum Üben. An diesem Donnerstag werden bereits die ersten 20 Deutschen evakuiert und in Sware medizinisch und psychologisch versorgt.

Manöverkritik in der nächsten Woche

"Wir müssen kontinuierlich üben, gerade in Friedenszeiten, damit wir im Ernstfall mit klarem Kopf ohne Stress operieren können", erläutert Thiermann.

Am kommenden Dienstag treffen sich die Befehlshaber aller Truppenteile zur Manöverkritik. Dann wird besprochen, ob die Streitkräfte im Ernstfall fit sind für den Einsatz im Ausland.