Ex-SPD-Chef Franz Müntefering sieht Bewerber-Casting skeptisch

Parteien : Ex-SPD-Chef Franz Müntefering sieht Bewerber-Casting skeptisch

Die Hälfte der Vorstellungsrunden ist vorbei – ohne dass es ein klares Favoritenduo gibt. Der ehemalige Spitzengenosse spricht im Volksfreund-Interview von einem mutigen Versuch.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering steht dem laufenden Auswahlverfahren für die neue Parteispitze skeptisch gegenüber. „Das ist ein Versuch, und es ist mutig“, sagte Müntefering im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Partei habe das Verfahren aber beschlossen. „Und das muss jetzt zum Erfolg geführt werden“, so der 79-jährig, der selbst schon zwei Mal SPD-Vorsitzender war: zuletzt von 2008 bis 2009. Damals folgte Franz Müntefering auf den aus Frust zurückgetretenen Rheinland-Pfälzer Kurt Beck.

Im Volksfreund-Interview lobt Müntefering den langjährigen Mainzer Ministerpräsidenten für dessen Entscheidung, Malu Dreyer als Nachfolgerin aufzubauen. Zugleich bedauerte er, dass die Trierer SPD-Politikerin und kommissarische Parteichefin nicht für den Vorsitz kandidiert: „Aber wenn sie das selbst für sich entscheidet, muss man das akzeptieren“, sagte Müntefering.

Dass die SPD künftig von einem Tandem geführt werden soll, begrüßt der ehemalige Vorsitzende. „Ich finde das gut; und ich finde auch gut, dass künftig eine Frau und ein Mann die Doppelspitze bilden“, so Müntefering am Rande eines Besuchs in Trier.

Inzwischen ist die Hälfte von insgesamt 23 Regionalkonferenzen vorüber. Auftakt war am 4. September in Saarbrücken. Die letzte Veranstaltung ist am 12. Oktober in München. Von den einst 17 Bewerbern sind noch 14 übriggeblieben, nachdem der einzige Einzelkandidat Karl-Heinz Brunner seine Bewerbung zurückgezogen hat. Zuvor hatte schon ein Team aufgegeben. Jetzt sind noch sieben Kandidaten-Paare am Start. Müntefering hält es für denkbar, dass bis zum Abschluss der bundesweiten Vorstellungsrunde „noch der ein oder andere aussteigt, weil er merkt, dass er keinen Erfolg haben wird“.

Nach Ansicht von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat sich zur Halbzeit der Kandidaten-Tour noch kein Bewerber-Duo absetzen können. „Es gibt keine Favoriten“, sagte Klingbeil.  Sein Zwischenfazit: Die Mitglieder hätten dieses Mal eine echte Entscheidung. Es sei wichtig, die Basis zu beteiligen. Es solle keine Entscheidung von wenigen Leuten im Hinterzimmer sein.

Ex-Vorsitzender Müntefering verweist darauf, dass wegen der großen Zahl an Bewerbern jeder einzelne bei den SPD-Regionalkonferenzen nur wenig sagen könne. „Da wird es schwierig, sich ein Bild davon zu machen, was der Einzelne insgesamt eigentlich will.“

 Die neue SPD-Spitze wird bei einer Befragung der 400 000 Mitglieder im Oktober bestimmt. Sollte niemand über 50 Prozent der Stimmen erhalten, gibt es eine zweite Befragung. Die Sieger schlägt der Vorstand dann dem Parteitag Anfang Dezember zur Wahl vor.

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