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Experten befürchten, dass die Energiewende durch striktere Vorgaben ausgebremst wird.

Energie : Flaute bei der Windkraft in der Region

Experten befürchten, dass die Energiewende durch striktere Vorgaben ausgebremst wird.

491 Windräder drehen sich in der Region. Die meisten davon – nämlich 244 – im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Mit dieser Zahl an Anlagen ist die Region spitze. Nirgends im Land gibt es mehr Windräder. Doch es könnten noch mehr sein. 141 Anlagen sind nach Zahlen der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) in der Region noch geplant. Ob sie realisiert werden, scheint unrealistisch.

Die Gründe dafür liegen laut Achim Hill, Geschäftsführer der Energieagentur Region Trier, zum einen in den strikteren Vorgaben des Landes für den Bau neuer Anlagen und der seit Anfang des Jahres geltenden bundesweiten Begrenzung des Windkraftausbaus und der Pflicht, jede Anlage ausschreiben zu müssen. All das habe dazu geführt, sagt Hill, dass viele bisherige Planungen nun auf Eis liegen würden. Eine der Konsequenzen: „Gemeinden können nicht mehr auf Pachteinnahmen hoffen.“ Pro Windrad wird mit Pachterlösen von rund 60 000 Euro gerechnet. Dies wiederum habe Auswirkungen auf die dörflichen Strukturen, sagt Hill.

Das Land hatte mit dem Einstieg der FDP in die Ampelkoalition die Regeln für den Bau neuer Windräder deutlich verschärft. 1000 Meter muss nun der Abstand zur Wohnbebauung betragen. Das hat vielerorts, etwa in der Südeifel, dazu geführt, dass die bereits begonnene Planung für neue Windräder habe überarbeitet werden müssen, erklärt der Geschäftsführer der Energieagentur. Außerdem dürften nun auch in Kernzonen von Naturparks keine neuen Windräder mehr gebaut werden. Das führe zum Beispiel dazu, dass in der Verbandsgemeinde Kell am See (Trier-Saarburg) Anlagen infrage gestellt seien. Die Ausschlusskriterien und -gebiete werden zentral vom Land vorgegeben und nicht mehr von den jeweiligen Planungsgemeinschaften, in denen die Kommunen vertreten sind, spezifisch für die einzelnen Regionen. „Daher sind viel weniger umgesetzte Anlagen zu erwarten als in der Vergangenheit“, sagt Hill.

Die Windenergie-Lobby spricht von einer Flaute in Rheinland-Pfalz. Wegen der im Erneuerbaren-Energien-Gesetz vorgeschriebenen Ausschreibungen neuer Anlagen gebe es kaum noch neue Windkraft-Standorte im Land, sagt Sandra Hook, Landesvorsitzende des Bundesverbandes Windenergie. Bei den Ausschreibungen erhalten die Bewerber von der Bundesnetzagentur den Zuschlag, die angeben, möglichst wenig Förderung vom Bund für den Bau der Anlagen zu benötigen. Seit Anfang des Jahres sind dem Verband Windenergie lediglich fünf Anlagen in Rheinland-Pfalz genehmigt worden, zuletzt hätten zwei Standorte in den Kreisen Alzey-Worms und Vulkaneifel den Zuschlag erhalten. „Sollten wir weiterhin bei den Ausschreibungen so schlecht abschneiden, wird Rheinland-Pfalz sein Ziel, einen großen Teil seines Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, verfehlen“, glaubt Hock.

Die regionale Energiewende werde ausgebremst, sagt auch Hill. Die eingespeiste Strommenge stagniere; es würden einige Arbeitsplätze weniger entstehen oder gesichert. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Energieministeriums arbeiten 3600 Beschäftigte im Land in der Windbranche.