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Parteien
Fake-Seite: AfD nutzt Internetadresse für Protest gegen Karl-Marx-Statue

So wirbt die Karl-Marx-Ausstellungsgesellschaft für die Ausstellungen in Trier
So wirbt die Karl-Marx-Ausstellungsgesellschaft für die Ausstellungen in Trier FOTO: Bernd Wientjes / xxxxx
Trier. Die Trierer AfD verärgert die Marx-Ausstellungsgesellschaft. Die Partei hat sich gleichlautende Internetadresse sichern lassen, um auf ihren Prostet gegen Statue aufmerksam zu machen. Von Bernd Wientjes

Von Bernd Wientjes

Wer sich über die Ausstellungen zu Karl Marx in Trier informieren will, kann das auf der eigenen Internetseite der Ausstellungsgesellschaft tun. Unter der Internetadresse www.karl-marx-ausstellung.de finden Interessierte Informationen über den in Trier geborenen Philosophen, über das Rahmenprogramm, das was man in den Ausstellungen zu sehen bekommt und man kann Tickets über die Seite ordern.

Wer allerdings bei der Eingabe der Internetadresse die beiden Bindestriche vergisst, der wird sich wundern, dass er statt Informationen zu Karl Marx auf der Internetseite der AfD Trier landet, die dort unter dem Motto „Marx vom Sockel holen“ gegen die von China geschenkte Statue protestiert und wettert.

Auf ihrer Facebook-Seite können sich die Verantwortlichen der AfD Trier eine gewisse Schadenfreude über ihren Coup, die gleichlautende Internetadresse eben ohne Bindestriche für sich registriert haben zu lassen, nicht verkneifen: „Bitte nicht verwechseln mit www.karl-marx-ausstellung.de – dort wirbt die Stadt Trier für Karl Marx. Gut für uns – so können wir jetzt ohne ideologische Brille über Marx aufklären“, heißt es dort.

Mal abgesehen, dass die offizielle Internetseite nicht von der Stadt Trier sondern von der Ausstellungsgesellschaft, die von der Stadt und dem Land 2015 gegründet worden ist, betrieben wird, scheint der Nadelstich der AfD den Verantwortlichen aber trotzdem weh zu tun. Man werde rechtliche Schritte gegen die Partei prüfen, sagte ein Sprecher der Ausstellungsgesellschaft auf Anfrage unserer Zeitung. Gleichzeitig gestand er, bislang nichts davon gewusst zu haben, dass sich die AfD die gleichlautende Internetadresse eben ohne Bindestriche für sich gesichert habe. Das sei nicht schön, aber ein Blick auf die Statistik zeige, dass die trotz der verwirrenden Namensgleichheit der Seiten die tatsächlich an den Marx-Ausstellungen Interessierten auf die richtige Homepage gingen. Wer etwa in der Internetsuchmaschine google karlmarxausstellung eingibt, bekommt immerhin als erstes die offizielle Homepage der Ausstellungsgesellschaft angezeigt.

Übrigens ist die AfD selbst auch bereits Opfer eines derartigen Internetadressen-Klaus geworden. Wer die Internetseite www.afd-im-bundestag.de aufruft, landet nämlich nicht auf der Seite der Partei sondern bei deren Gegnern. Die Internetseite gehört nämlich dem antifaschistischen Magazin „Der rechte Rand". Das berichtet seit 1989 kritisch über rechte Parteien, Kameradschaften, Zeitungen, Rechtsrock und Aufmärsche von Neonazis.