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Faktencheck: Können Corona-Schnelltests und die Pandemie stoppen?

Thema der Woche : Der große Hintergrund: Können Schnelltests helfen, die Corona-Pandemie zu bekämpfen?

In unserem Thema der Woche beschäftigen wir uns mit Corona-Schnelltests. Wie zuverlässig sind sie? Wie unterscheiden sie sich von den PCR-Tests? Und welche Rolle spielen sie bei der Öffnung von Gastronomie, Kinos oder Theater? Wir haben mit Experten aus der Region gesprochen.

Wer künftig ins Restaurant oder ins Kino will, muss möglicherweise nachweisen, dass er kein Corona hat. Auch bei Konzerten oder beim Kinobesuch wird wohl vorher ein Test notwendig. Mit Impfen und Testen wolle man langsam aus dem Shutdown heraus, kündigte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) vergangene Woche nach dem neuerlichen Corona-Gipfel an. Mit einem Anteil von 3,5 Prozent der Bevölkerung, die vollständig geimpft sind, belegte Rheinland-Pfalz Mitte der Woche bundesweit den dritten Platz hinter Berlin und Thüringen.

Antigen-Schnelltest versus PCR-Test

Auch beim Testen will das Land nun ein ähnliches Tempo an den Tag legen. Noch bevor in ganz Deutschland eine Testinfrastruktur aufgebaut ist und die Frage der Finanzierung geklärt war, hat das Land vier Millionen Schnelltests bestellt und die von Kommunen, Ärzten oder Apotheken errichteten Teststellen damit ausgestattet. Über 400 solcher Stationen. Dort sollen sich Menschen ohne Symptome mit einem Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus einmal die Woche testen lassen können.

Selbstversuch: So läuft der Corona-Schnelltest im Messepark Trier

Und wie groß die Nachfrage nach diesen Schnelltests ist, zeigte sich gleich zu Beginn der Woche. Am ersten Tag, an dem das Impfzentrum der Stadt Trier im Messepark aufgemacht hat, haben sich 244 Personen dort testen lassen – keiner davon war übrigens positiv. Die in den Teststationen angebotenen Antigen-Schnelltests unterscheiden sich von den als Goldstandard bezeichneten PCR-Tests. Bei letzterem handelt es sich um ein Standardverfahren um Viren nachzuweisen. Anders als von Corona-Leugnern immer behauptet, wurden die PCR-Tests nicht erst für die Diagnose von Sars-Cov2-Viren entwickelt. Der Test beruht auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR). Bei dem Test wird eine Probe aus den Schleimhäuten der Atemwege gewonnen.

Bei der späteren Laboruntersuchung wird Erbmaterial des Virus vervielfältigt. Dadurch gelingt es, Viren nachzuweisen, auch wenn erst wenige Erreger vorhanden sind. Der PCR-Test hat also eine hohe Sensitivität, er weist das Virus mit einer hohen Treffsicherheit nach. Angewendet wird er überwiegend bei Personen, die Symptome haben, die auf eine Covid-Erkrankung hindeuten, die Kontakt zu einer bestätigten Sars-Cov2-Infektion hatten oder vor Aufnahme in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. In der Regel dauert es mehrere Stunden, bis das Ergebnis eines PCR-Tests vorliegt.

Antigen-Schnelltests lassen sich laut Robert Koch-Institut mit deutlich weniger Aufwand durchführen und liefern ein Ergebnis in kurzer Zeit. Sie können allerdings zu einer höheren Anzahl falsch negativer oder falsch positiver Testergebnisse führen.

Schnelltests geben Momentaufnahme

Das bestätigt auch Dirk Brenner. Er ist Professor für Immunologie und Genetik am Luxembourg Institute of Health und der Universität Luxemburg. Während PCR-Tests eine verlässliche Auskunft über eine aktive Infektion gäben, zeigten Antigen-Schnelltest eher, ob eine Person momentan ansteckend ist. Ein bis zwei Tage vor dem Beginn der Symptome sei die Viruslast bei den Infizierten am höchsten, sagt Brenner. Daher könnten die Schnelltests dabei helfen, Personen zu identifizieren, die von ihrer Ansteckung noch nichts wüssten. Dadurch könnte verhindert werden, dass sie die Infektion weitergeben können. Es gebe verschiedene Arten von Schnelltests, entweder seien dafür Gurgel- oder Speichelproben oder Nasen- oder Rachenabstriche notwendig. In allen Fällen wird die Probe in eine Lösung gegeben. Nach wenigen Minuten liege, das Ergebnis vor, erklärt Brenner. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest erscheint in einem Feld ein farbiger Strich. Die Testergebnisse würden aber nur eine Momentaufnahme geben, so der Wissenschaftler.

Das bestätigt auch der Trierer Mikrobiologe Ernst Kühnen. „Der Schnelltest kann sehr wohl einen Einfluss auf die Erkennung tatsächlich positiver Virusausscheider haben. Allerdings muss allen Menschen klar sein, dass es am Ende nur ein kleiner Baustein ist, der aber Haken und Ösen hat.“ Laut Kühnen werden durch die Schnelltests „mit hoher Sicherheit“ Virus-positive und höchst wahrscheinlich“ auch Virus-negative Menschen unterschieden. Allerdings hänge das Ergebnis vom optimalen Zeitpunkt des Tests ab. „Ein negativer Test kann bedeuten, dass er falsch negativ ist, da entweder die Testbedingungen falsch waren oder die zu testende Person erst innerhalb von Stunden nach dem Test zum Virus-Ausscheider wird, erklärt Kühnen. Es könne aber ebenso zu falsch-positiven Ergebnissen kommen. Das bedeute in dem Fall, dass der Getestete sich einem PCR-Test unterziehen muss, obwohl er gar nicht infiziert ist. „Dies wird begleitet mit Ängsten, Quarantäne, Kosten und verpassten Gelegenheiten wie ein Konzert oder der Besuch anlässlich von familiären Feierlichkeiten“, sagt Kühnen.

„Man kann sagen, besser überhaupt einen Test als keinen“

In der Regel seien aber Schnelltests, die von geschultem Personal in Testzentren, Arztpraxen oder Apotheken durchgeführt würden, weniger mit Fehlern behaftet, als die Selbststests, die man seit dem Wochenende (falls sich nicht wieder ausverkauft sind) bei einigen Discountern oder Drogeriemärkten kaufen kann. Bei diesen Tests komme es noch stärker darauf an, dass sie richtig durchgeführt würden, um falsche Ergebnisse zu vermeiden. „Man kann sagen, besser überhaupt einen Test als keinen“, so Kühnen.

Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer, rechnet genau wie Walter Gradel, Vorsitzender der Bezriksärztekammer, nicht damit, dass durch die größere Anzahl an Schnell- und Selbsttests die Zahl der PCR-Nachweise und damit positiven Tests deutlich steigen werde. Matheis hält die Selbsttests trotz „begrenzter Zuverlässigkeit“ für einen wichtigen Bestandteil der Pandemiebekämpfung. Es sei belegt, dass „motivierte Laien die Tests in Eigenregie zuverlässig durchführen können“. Wichtig seien Informationskampagnen, „die das eigenverantwortliche Handeln der Laien“ unterstützten. Zusammen mit der zunehmenden Anzahl an Impfungen, vor allem durch die niedergelassenen Ärzte ergäben sich „neue Chancen“ sagt Matheis.

Müssen sich bereits Geimpfte auch jedes Mal testen lassen?

Der Immunologe Brenner warnt jedoch davor, die Schnelltests dafür zu nutzen, sich freizutesten, also bei negativem Ergebnis quasi als Eintrittskarte fürs Kino, Konzert oder Restaurant zu nutzen. Die Ergebnisse der Schnelltests lieferten keine absolute Gewissheit, sagt Brenner.

Doch vor allem die Gastronomie setzt bei der Wiedereröffnung ihrer Betriebe auf den Einsatz von Schnelltests, die vor Betreten der Kneipe oder des Biergartens gemacht werden sollen. Auch der rheinland-pfälzische Landkreistag sieht in der Ausweitung der Corona-Tests eine Möglichkeit, Restaurants, Cafés und Biergärten nun schnell wieder aufzumachen. „Nachdem jetzt die Impfstoffe in großer Zahl zur Verfügung stehen, wir aktuell auch zahlreiche Testzentren aufbauen und die Corona-Werte in großen Teilen des Landes niedrig sind, muss man jetzt konkrete Schritte einer weiteren Öffnung gehen“, sagt der Vorsitzende des Landkreistages, der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU).

Dabei stellt sich die Frage, ob sich auch bereits vollständig gegen Corona Geimpfte jedes Mal testen lassen müssen. „Ja“, sagt die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Noch sei nicht zu hundert Prozent nachgewiesen, dass Geimpfte, das Virus weitertragen könnten. Und außerdem, so die Ministerin gegenüber volksfreund.de, würde ein Ausschluss der Geimpften von einer möglichen Testpflicht im Freizeitbereich eine Privilegierung bedeuten. Bislang wehrt sich die Ministerin dagegen, dass durch die Impfung Personen Vorteile eingeräumt werden. Dazu sei die Anzahl der Geimpften noch zu niedrig, begründet sie ihre Haltung.