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Familie und Corona - Erfahrungsberichte von Eltern in Zeiten von Corona und Homeoffice

So fühlt sich das an : Familie und Corona - Erfahrungsberichte von Eltern in Zeiten von Corona und Homeoffice

So fühlt sich das ständige Zuhausesein und das Homeoffice für Familien aus der Region an:

„Homeoffice mit drei Kindern ist eine echte Herausforderung“

Carmen Fischer wohnt mit ihrem Mann Oliver Schindler und den drei Kindern Max (5), Leni (3) und Tom (1) in Trier-Nord:

 Max, 5 Jahre, Leni, 3 Jahre und Tom, 1 Jahr aus Trier
Max, 5 Jahre, Leni, 3 Jahre und Tom, 1 Jahr aus Trier Foto: TV/Privat

„Mein Mann Olli arbeitet Vollzeit bei einem Unternehmen in Luxemburg, ich an drei Tagen bei der MINT-Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz. Seit Bekanntgabe der Kita- und Schulschließungen arbeitet Olli im Homeoffice. Was mit drei Kindern im Alter von fast sechs, dreieinhalb und anderthalb Jahren eine echte Herausforderung ist – zumal wir kein separates Arbeitszimmer haben! Manchmal hat Olli die Möglichkeit, woanders „Homeoffice“ zu machen – das bringt etwas Entspannung. Wenn wir zu Fünft daheim sind, beginnt er vor 6 Uhr, bevor eins der Kinder aufwacht. Danach bin ich hauptsächlich damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass die Kinder in ihren Zimmern spielen und nicht lauthals durchs Wohnzimmer laufen, wenn Olli eine seiner unzähligen Telefonkonferenzen abhält.

An zwei Tagen in der Woche gehe ich von 6.30 Uhr bis mittags ins Büro, sodass ich zumindest einem Teil meiner Arbeit in Ruhe nachkommen kann. Dann ist Schichtwechsel: Ich übernehme die Betreuung der Kinder und Olli arbeitet. Meine verbleibende Arbeit mache ich, wenn Tom mittags schläft – was natürlich nicht planbar ist. Oder abends, wenn die Kinder im Bett sind, also frühestens um 19.30 Uhr – wobei ich dann ziemlich k.o. bin ... Zum Glück kann/darf ich Minusstunden machen – das nimmt den Druck. Aber die Stunden muss ich natürlich irgendwann wieder reinarbeiten …

 Johanna, 5 Jahre, Ralingen
Johanna, 5 Jahre, Ralingen Foto: TV/Privat

Der Tagesablauf der Kids sieht so aus: Morgens spielen sie und stellen dabei auch mal die ganze Wohnung auf den Kopf. Das Chaos versuchen wir zwischen Mails checken und Telefonkonferenzen halbwegs in Schach zu halten. Nach dem Frühstück wird gefühlt schon das Mittagessen vorbereitet. Danach dürfen Max und Leni sich etwas auf dem Tablet anschauen – und wir hoffen darauf, dass Tom einen ausgiebigen Mittagsschlaf hält. Diese Zeit wird genutzt, um die Reste vom Mittagessen zu beseitigen, die Spülmaschine erneut anzuwerfen und die Küche wieder auf Vordermann zu bringen. Anschließend noch soviel wie möglich für die Arbeit erledigen, dann ist Tom auch schon wieder wach und der Arbeits-Laptop wird auf Stand-by gestellt.

Die Kinder haben sich erstaunlicherweise recht schnell in der neuen Situation zurechtgefunden. Leni beispielsweise erzählt immer, welche Geschäfte geschlossen und welche noch auf haben. Natürlich bedauern sie, dass man niemanden treffen darf, nicht einmal ihren geliebten Cousin Paul. Als wir durch die Stadt spaziert sind und sogar der Drehstein bei der Commerzbank als gesperrtes Spielgerät gekennzeichnet war, waren sie zwar sehr erstaunt, haben es aber akzeptiert. Wir versuchen, mindestens einmal pro Tag eine kleine Runde an der frischen Luft zu drehen, ausgestattet mit Laufrad, Fahrrad und Kinderwagen. Zudem nutzen wir die vielfältigen Angebote des Internets, wie „ALBAS tägliche Sportstunde“. Auch das Online-Konzert von Volker Rosin haben wir geschaut. Wir spielen, puzzeln oder schminken – und irgendwann ist wieder ein Tag vorbei.

 Lina, 4 Jahre, Trier
Lina, 4 Jahre, Trier Foto: TV/Privat

So hat sich zum Ende der zweiten Woche nach dem berüchtigten 13. März eine gewisse Routine eingestellt – wenn man von Routine überhaupt sprechen kann. Das macht Hoffnung für die bevorstehenden Wochen. Wobei: Noch nicht mal Halbzeit?! Oh Mann! Und zu allem Überfluss hat Samstag auch noch unser Kaffeevollautomat den Geist aufgegeben – war wohl einfach überlastet …“

„Wir sind ein gutes Team“

Jenny Heidelbeer wohnt mit ihrer Tochter Lina (4) in Trier-Süd:

„Meine Tochter Lina, die bald fünf Jahre alt wird, hat es erstaunlich gut akzeptiert, als es hieß, dass der Kindergarten jetzt länger geschlossen hat. Auch die Erklärung, warum, und was das Corona-Virus ist, hat sie gut verstanden.

Ich befand mich am 13. März in einer Zwickmühle: Ich musste montags wieder arbeiten, aber Großeltern dürfen nicht miteinbezogen werden. Gleichzeitig brachte die Situation auch für meine Arbeit große Herausforderungen mit, bei denen ich als Betriebsratsmitglied mitwirken musste. Also sprach ich mit meiner Mutter, die sofort anbot, aus Koblenz zu uns zu kommen. Ich nahm das Angebot an – und hatte gleichzeitig ein schlechtes Gewissen.

Sonntags kam meine Mutter, und für Lina war es toll. Die erste Woche fühlte sich für uns ganz normal an – wie sonst auch, wenn meine Mutter kommt, wenn Lina krank ist. Auch wenn der Anlass ein ganz anderer war ... Theoretisch hätte ich als Alleinerziehende Lina für einige Tage in die Notbetreuung geben können. Dadurch aber hätte sich die Gefahr erhöht, dass sie das Corona-Virus mitbringt und meine Mutter ansteckt – das Risiko wollte ich nicht eingehen.

Entgegen meiner Erwartungen wird es Lina überhaupt nicht langweilig. Sie hat jede Menge Spielideen. Als wir nach anderthalb Wochen ein Arbeitsverbot erhielten – wir dürfen keine Klientenbesuche mehr machen – und nun Homeoffice ansteht, ist meine Mutter wieder nach Hause gefahren. Lina war erstmal selig, weil sie mich nicht mehr teilen musste. Doch dann kam die Herausforderung: Wie meistern wir die Tage ohne zu versumpfen und wie schaffen wir es, Lina auszupowern? Das Auspowern gelingt uns nicht immer, da Lina definitiv um ein Vielfaches mehr Energie hat als ich. Wir haben uns eine morgendliche Struktur geschaffen: Wir frühstücken, dann gibt’s Kinderturnen mit „ALBAS täglicher Sportstunde“ auf YouTube. Anschließend hilft mir Lina völlig freiwillig im Haushalt. Danach spielen wir und ich koche etwas zu Mittag. Außerdem haben wir eine Liste gemacht, was wir in der nächsten Zeit noch machen möchten. Das findet Lina toll. Seit dem Wochenende integriert sie Corona auch in ihre Rollenspiele …

Das Homeoffice stellt mich nun allerdings vor neue Herausforderungen. Lina macht es ganz gut mit, aber natürlich nur eine begrenzte Zeit. Mir fällt es schwer, mich zu konzentrieren, weil sie altersgemäß immer wieder Anliegen hat. Und abends bin ich zu müde und bekomme nichts mehr geregelt.

Alles in allem sind wir ein gutes Team. Mal schauen, wie es weitergeht. Und wer wen in einer Woche ins Bett bringt ...“

„Mehr Home als Office“

Eva Bathis wohnt mit ihrem Mann Michael Kubiak und Sohn Aaron (3) in Trier-Pfalzel:

„Für uns alle ist die Situation momentan recht surreal. Zwischendurch hat es fast etwas von Urlaub – der Wecker klingelt morgens nicht, nachmittags unternehmen wir meist etwas zu dritt und erkunden dabei noch neue (meist abgelegene) Stellen der Region. Insgesamt hat man mehr Zeit füreinander. Soweit die positive Sicht der Dinge.

Nicht zu verschweigen bleibt allerdings, dass dieser neue Alltag uns auch vor große Probleme stellt. Nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass Homeoffice mit einem Dreijährigen sehr viel mehr Home als Office bedeutet. Im Beruf wird zugleich einiges gefordert, zwar sind es jetzt nicht mehr die Präsenzzeiten, die das Familienleben herausfordern. Doch die neuen Lösungen (oft auch digitaler Art), die gefunden werden müssen, sind häufig so komplex, dass sie einen nicht unerheblichen Teil des Tages in Anspruch nehmen. Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt so viel telefoniert habe – neben dem Beruf natürlich auch privat, da Familie und Freunde gerade meist nur so kontaktiert werden können. Das ist die größte Entbehrung, die uns bewusst wird: Wir vermissen das zuvor als alltäglich empfundene Miteinander mit Freunden, Nachbarn und der Familie.

Am meisten jedoch leidet tatsächlich mein Sohn unter der Isolation, er spricht – und träumt – täglich von seinen Freunden, fragt jeden Morgen, ob das Virus jetzt vorbei sei und bezeichnet unseren neuen Staubsaugroboter als seinen „neuen besten Freund“ – wir hoffen wirklich, dass er ohne soziale Irritationen aus dieser Zeit kommt. Wir geben uns redlich Mühe, spielen und malen mit ihm, aber auch ein Meer von Bügelperlen oder Buntstiften und nicht einmal die heiß geliebte Fernsehserie kann die Freunde ersetzen. Immerhin haben wir „ALBAS tägliche Sportstunde“ auf YouTube entdeckt – so hat er jeden Morgen ein kleines Workout (das wir nicht aktiv mitmachen müssen) – und das ist für uns alle gut.“

„Entspannte Zeit zu Hause“

Diana Barthelmes wohnt mit ihrem Mann Thomas und den Töchtern Johanna (5) und Charlotte (2) in Ralingen:

„Ich genieße die Zeit mit den Kindern und meinem Mann. Dank sowieso geplantem Urlaub und Überstundenabbau musste ich bislang bis auf zwei Nachtdienste noch nicht wieder arbeiten. Die luxemburgische Firma, bei der mein Mann beschäftigt ist, hat den Betrieb bis Ostern eingestellt, weshalb auch er jeden Tag zu Hause ist. Wir verbringen die Zeit entspannt zu Hause. Das fängt schon morgens an: Wir schlafen, bis wir aufwachen – ohne Wecker – und gehen den Tag gemütlich an. Schließlich müssen wir nicht um 8 Uhr alle gestriegelt fertig sein, weil wir pünktlich im Kindergarten und bei der Arbeit auftauchen müssen. Es gibt keine Termine, die eingehalten werden müssen und damit auch keinen Zeitdruck. Der Tag kann ganz anders aufgeteilt werden. Es ist eigentlich eine sehr erholsame Zeit.“

„Fremdbetreuung birgt zu viele Risiken für meinen Sohn“

Eine Mutter aus Trier, die anonym bleiben möchte.

„Ich bin alleinerziehende Mama von zwei Kindern. Mein Sohn, der bald vier Jahre alt wird, ist schwerstbehindert. Vor allem in den ersten Tagen nach dem 13. März haben die Corona-Nachrichten mich echt fertig gemacht – körperlich und emotional. Die Anstrengungen im Alltag, die um ein Vielfaches höher sind, seit die Kita meines Sohnes geschlossen hat – und dann natürlich die Angst: Was ist, wenn unser Sorgenkind infiziert wird? Da sieht man sich schon auf der Intensivstation wieder – und ich weiß aus Erfahrung, was das bedeutet. Für mich war klar: Ich höre sofort auf zu arbeiten, nehme nach Rücksprache mit meinem Chef unbezahlten Urlaub, und bleibe mit den Kindern zu Hause. Fremdbetreuung birgt viel zu viele Risiken!

Alles allein meistern geht jedoch auch nicht. Mein Sohn benötigt sehr viel Aufmerksamkeit – dadurch fehlt mir Zeit für meine Tochter. Allein das Zubereiten der Mahlzeiten ist extrem aufwendig, da mein Bub nicht alles essen kann und eine andere Darreichungsform braucht. Wir mussten uns reinfinden. Mittlerweile haben wir einen guten Tagesablauf ausgetüftelt und werden von mehreren Menschen unterstützt: Meine Laufpartnerin kauft für uns Lebensmittel ein, eine andere Freundin übernimmt Besorgungen im Drogeriemarkt, die Nachbarin schaut über die Gartenmauer und achtet auf die Kinder, während ich in den Keller laufe und Holz für den Ofen hole. Der Kindergarten meines Sohnes hat ihm laminierte Fotos von den Erziehern geschickt – solche Bilder liebt er. Und der beste Kumpel meiner Tochter ist derzeit ihr Brieffreund: Dessen Papa fährt mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit bei uns vorbei und bringt beziehungsweise nimmt Briefe mit. Das ist einfach klasse!

Meistens gehen wir einmal am Tag spazieren, beobachten zum Beispiel die Nilgänse-Küken am Mattheiser Weiher, Meine Tochter fährt manchmal mit dem Rad, ich schiebe meinen Sohn in dessen Spezialkinderwagen. Sonst bleiben wir komplett daheim. Wir haben den Barbies ein Karton-Haus gebastelt, im Garten gepicknickt und sprechen mit Oma via Facetime. Mein Sohn übt gerade, selbst zu essen – zweimal am Tag lasse ich ihn matschen. Wann habe ich die Zeit dazu, wenn nicht jetzt? Denn matschen bedeutet, dass ich ihn danach komplett umziehen und um seinen Essensplatz herum putzen muss. Seine Therapien fallen zur Zeit natürlich flach, ebenso Arztbesuche sowie Termine, um Orthesen anzupassen. Was natürlich auch bedeutet, dass ich das alles irgendwann später nachholen muss … Mittlerweile arbeite ich auch wieder ein bisschen und erledige abends, wenn die Kinder schlafen, Büroarbeit.

Trotz aller Herausforderungen und Sorgen: Ich bleibe positiv. Es ist auch eine schöne Zeit mit den Kindern, zumal so viele Engel bei uns sind, die mit vielen kleinen Hilfen so viel Gutes tun.“